Quartalszahlen enttäuschen: Vergänglichkeit des Snap-Hypes

Quartalszahlen enttäuschen: Vergänglichkeit des Snap-Hypes

, aktualisiert 11. Mai 2017, 04:12 Uhr
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Im vergangenen Quartal war der Nettoverlust mit 2,2 Milliarden Dollar deutlich höher als befürchtet.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Snap enttäuscht die Anleger mit seinen Quartalszahlen. Die Aktie bricht nachbörslich um bis zu 24 Prozent ein. Der Frontalangriff Facebooks zeigt offenbar Wirkung. Doch Vorstandschef Evan Spiegel stört das nur wenig.

SeattleEs war so schlimm wie befürchtet. Die gemeldete Umsatzvervierfachung auf 149,6 Millionen Dollar beim Snapchat-Betreiber Snap war zwar gewaltig, aber nicht gewaltig genug, um die luftige Marktkapitalisierung von 27 Milliarden Dollar zu rechtfertigen. Der Nettoverlust im abgelaufenen Quartal war mit 2,2 Milliarden Dollar nach 104 Millionen im Vorjahr erheblich höher als befürchtet.

Das liegt zu einem großen Teil an Aktienoptionen für Mitarbeiter und Manager im Zuge des Börsengangs. Alleine Vorstandschef Evan Spiegel bekam einen Sonderbonus von 750 Millionen Dollar, weil er es geschafft hatte, das Unternehmen trotz des problematischen Zahlenwerks an die Börse zu bringen. Spiegel und sein Team konnten zudem in keiner einzigen Messzahl überzeugen. Die Aktie stürzte nachbörslich um bis zu 24 Prozent ab und notierte zeitweise nur noch sieben Cent über dem Ausgabepreis von 17 Dollar im Februar.

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Besonders kritisch wurde an der Wall Street auf die Zahl der täglich aktiven Nutzer geschaut. Die stieg im Vergleich zum vierten Quartal 2016 zwar um acht auf 166 Millionen an, lag aber unter den Erwartungen der Analysten, die mit wenigstens 168 Millionen gerechnet hatten. Vergleicht man jeweils die Entwicklung der Nutzerzahlen zwischen den ersten Quartalen 2016 und 2017 mit der zwischen den vierten Quartalen 2015 und 2016, dann zeigt sich, dass die Wachstumsrate von 42 auf 36 Prozent gesunken ist.

Noch ist unklar, ob Snap ein zweites Facebook (Erfolgsgeschichte) oder ein zweites Twitter oder Yahoo (Misserfolgsgeschichte) wird. Vor allem bei Twitter stoppte das Nutzerwachstum abrupt mit dem Börsengang und nahm seither keine Fahrt mehr auf. Der Zugewinn an Nutzern ist kritisch, weil Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Snap ihr Geld am Werbemarkt verdienen. Mehr Nutzer bedeuten mehr Plätze, um Werbung anzuzeigen.

Von den 2,2 Milliarden Dollar Nettoverlust, die Snap einfuhr, entfielen zwei Milliarden Dollar auf die Management- und Mitarbeitervergütung. Doch selbst das herausgerechnet stieg der Vergleichswert von einem Ebitda-Verlust (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 93 auf 188 Millionen Dollar im Quartal an.

Doch den 26-jährigen CEO und Alleinherrscher Evan Spiegel ficht das nicht an. Er und das Management haben sich von den Aktionären beim Börsengang zusichern lassen, das Unternehmen ohne ihre Mitsprache führen zu können. Im Analystengespräch bestätigte Spiegel, dass er nicht die Absicht habe, sich in die Karten schauen zu lassen. Es werde keine Prognosen für die kommenden Quartale oder das Gesamtjahr 2017 geben. Die Strategie sei aber anders als bei Facebook oder Twitter, verriet er wenigstens.

Man fokussiere sich auf Wachstum in reifen Märkten wie den USA, wo die Werbemärkte am ergiebigsten seien, sagte Spiegel. Das wirft jedoch die Frage auf, warum der Umsatz pro Kunde gegenüber dem Vorquartal unerwartet um 14 Prozent auf 90 Cent gesunken ist und in Nordamerika nur drei Millionen neue Snapper hinzukamen.

Das könnte mit dem Großangriff des Erzkonkurrenten Mark Zuckerberg zusammenhängen. Im Berichtsquartal sah sich Snap einem runderneuerten Fotodienst Instagram gegenüber, der wichtige Funktionen von Snap kopiert hatte. Den „Stories“-Dienst von Instagram, in dem Nutzer die Geschichte ihres Tages erzählen, nutzen laut Muttergesellschaft Facebook bereits 200 Millionen Nutzer. Das ist mehr als Snap an Nutzern hat. Instagram beziffert die Anzahl seiner Nutzer mit 700 Millionen.

Eine sehr ernüchternde Zahl waren die fünf Millionen Snaps, die bislang mit Snaps Fotobrille „Spectacles“ angefertigt wurden. Das ist vor dem Hintergrund von drei Milliarden Snaps insgesamt alleine im abgelaufenen Quartal verschwindend gering. Man werde im Hardwarebereich „weiter experimentieren“, verlautete es von Spiegel eher schwammig. Immerhin ist das Unternehmen als „Kamera-Unternehmen“ an die Börse gegangen und versprach, die Kamera „neu zu erfinden“. Zu diesem Zeitpunkt lag die Aktie rund 24 Prozent im Minus.

Das Schweigen der Unternehmensführung macht es schwer, sich ein Bild zu machen, ob und wie Snap sich gegen Facebook mit fast zwei Milliarden Nutzern zur Wehr setzen kann. Erst vor wenigen Wochen lieferte Mark Zuckerberg auf der Hausmesse F8 in San Francisco eine Eröffnungsrede, die nur als frontaler Angriff auf Snap zu interpretieren war. Das Ziel: den Gegner in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen. Zuckerberg geht sogar davon aus, Snapchat technologisch mittlerweile überlegen zu sein, nachdem man „ein wenig spät gestartet sei“.

Bislang sind die Antworten aus Los Angeles, der Heimatstadt von Snap, wenig überzeugend, was die Produkte angeht. Die jüngste Aktion ermöglicht es jetzt, Bilder auf Snap ohne eingebautes Verfallsdatum zu speichern. Die sich selbst löschenden Fotos sind das Markenzeichen von Snapchat. Damit wird der Dienst ein wenig mehr wie Instagram.

Allerdings sind die Kommentare des Evan Spiegel unverändert bissig: Gefragt, ob er Angst vor Facebook habe, lachte er im Analystengespräch nur und bezeichnete es als Lob, wenn andere seine Produkte kopierten. Damit müsse man leben. Und an Zuckerbergs Überlegenheitskommentar gerichtet fügte er noch hinzu: „Nur weil Yahoo eine Suchbox hat, sind sie noch lange nicht Google.“ Mit anderen Worten: Nur ein paar Fotofilter machen aus Facebook kein Snapchat.

An dem Spruch wird er sich messen lassen müssen. Erst recht nach diesem Quartal. Doch es gibt noch Hoffnung. Immerhin fiel auch die Facebook-Aktie um elf Prozent am Tag nach dem ersten Quartalsausweis nach dem Börsengang. Allerdings brach Twitter nach seinem ersten Ausweis um 24 Prozent ein. Das sieht, zumindest derzeit, eher wie Snap aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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