Quartalszahlen: Schwacher Euro stärkt SAP den Rücken

Quartalszahlen: Schwacher Euro stärkt SAP den Rücken

Der starke Dollar und die Übernahmen von anderen Softwareanbietern geben SAP im ersten Quartal Rückenwind. Doch das Wachstum hat seinen Preis: Die Umstellung auf Abo-Modelle, das sogenannte Cloud Computing, kostet viel Geld.

Der starke Dollar hat das Wachstum des Softwarekonzerns SAP im ersten Quartal beflügelt. Zwar schrumpfte der Gewinn deutlich, weil Investitionen in das neue Geschäft mit Abo-Modellen, des sogenannten Cloud-Geschäfts, kosten. Doch SAP-Chef Bill McDermott versprach, dass sich die Kosten mit einem stärkeren Umsatzwachstum mehr und mehr ausgeglichen würden. „Wir haben kein Interesse daran negatives Wachstum, aber ein gutes Kostenmanagement zu verkünden“, sagte McDermott am Dienstag. An der Börse glaubt man dem SAP-Chef: Die Aktie legte zum Handelsstart kräftig zu.

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Der starke Dollar sowie die jüngsten Übernahmen des Reisekosten-Spezialisten Concur und des Personaldienstleisters Fieldglass haben SAP zum Jahresauftakt im ersten Quartal einen kräftigen Schub verliehen. Die Umsätze legten um 22 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu. SAP macht dank der Übernahmen inzwischen 32,5 Prozent seiner Umsätze in den USA. Alle Regionen hätten aber zu dem starken Wachstum beigetragen, betonte McDermott. Dank der Übernahmen konnte SAP auch seine Umsätze im neuen Cloud-Geschäft mehr als verdoppeln. Die Kehrseite: Der starke Aufbau des Abo-Geschäfts drückte auf den Gewinn. Nach Steuern verdiente SAP mit 413 Millionen Euro 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

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Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

  • Salesforce.com

    Umsatz: 3,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 33,3 Prozent (gegenüber dem Vorjahr)

    Quelle: Gartner, März 2014

  • CA Technologies

    Umsatz: 4,2 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,6 Prozent

  • VMware

    Umsatz: 4,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 14,1 Prozent

  • HP

    Umsatz: 4,9 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,7 Prozent

  • EMC

    Umsatz: 5,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 4,9 Prozent

  • Symantec

    Umsatz: 6,4 Milliarden Dollar

    Wachstum: -0,8 Prozent

  • SAP

    Umsatz: 18,5 Milliarden Dollar

    Wachstum: 9,5 Prozent

  • IBM

    Umsatz: 29,1 Milliarden Dollar

    Wachstum: 1,4 Prozent

  • Oracle

    Umsatz: 29,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 3,4 Prozent

  • Microsoft

    Umsatz: 65,7 Milliarden Dollar

    Wachstum: 6,0 Prozent

Der Trend ist nicht neu: Schon zu Jahresbeginn hatte SAP wegen des Umbaus seine mittelfristige Prognose bis 2017 kassiert. Beim Umsatz setzt sich der Softwarekonzern ein Ziel von 21 bis 22 Milliarden Euro - zuvor war man von mindestens 22 Milliarden Euro ausgegangen. Auch der Gewinn soll niedriger ausfallen als zuvor anvisiert. Der Softwarekonzern ist zwar Marktführer für Programme zur Unternehmenssteuerung, die Buchhaltung, Logistikprozesse oder Personalmanagement abbildet. Doch sein angestammtes Geschäft mit Softwarelizenzen wuchs in der Vergangenheit kaum noch, im ersten Quartal nur dank des starken Dollars. Deshalb setzt SAP mehr und mehr auf Software, die vermietet wird, das sogenannte Cloud-Modell.

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Da SAP für die Umstellung auf das Miet-Modell erst einmal Geld in die Hand nimmt, die Umsätze aber über einen längeren Zeitraum gestreckt werden als früher, drückt das auf den Gewinn. Hinzu seien im ersten Quartal Kosten für Übernahmen, aktienbasierte Boni für Mitarbeiter sowie für den angelaufenen Personalumbau gekommen, sagte Finanzchef Luka Mucic. Weil durch die Umstellung auf Cloud Computing Jobs überflüssig werden, hat SAP kürzlich ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Damit sollen drei Prozent oder rund 2000 der weltweit etwa 74 000 Mitarbeiter zum Wechsel bewegt werden. Im ersten Quartal seien dafür schon 50 Millionen Euro angefallen, sagte Finanzchef Mucic. Auf das Jahr gesehen werden es 150 bis 250 Millionen Euro sein.

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