Quartalszahlen: Wie sich Googles Investitionen bezahlt machen

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Quartalszahlen: Wie sich Googles Investitionen bezahlt machen

, aktualisiert 29. Januar 2015, 22:40 Uhr
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Google investiert in alle Richtungen: Land und Luft, Mobilität und Mensch, Vernetzung und Vertrauen

von Niklas Dummer und Stephan Happel

Wiederholt enttäuschte Google Anleger und Analysten mit niedrigen Wachstumszahlen und teuren Zukäufen. Das Portfolio des Konzerns wird immer unübersichtlicher. Verrennt sich der Internet-Gigant?

Das Duell ist erstmal entschieden. Als sich Google im Februar 2014 auf Platz zwei der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt schob, sah es noch so aus, als könne der Konzern in Apples Dimensionen vorstoßen.

Doch während der iPhone-Hersteller zum Jahresbeginn 2015 einen neuen Höhepunkt seiner Unternehmensgeschichte feiert und mit einem Börsenwert von 683 Milliarden Dollar die Analysten begeistert, ist das Image von Google angekratzt. Wegen rückläufiger Anzeigenpreise und ungünstiger Währungseffekte beim Umsatz hat der Internet-Gigant weniger zugelegt als erwartet: Für das vierte Geschäftsquartal gab der Suchmaschinenbetreiber am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen um 15 Prozent höheren Umsatz von 18,10 Milliarden Dollar an. Analysten hatten jedoch 18,46 Milliarden Dollar erwartet.

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Google Analysten trotz Milliardengewinn enttäuscht

Google liefert einen Milliardengewinn nach dem anderen. Trotzdem unterbietet der Internetriese bereits zum fünften Mal in Serie mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten.

Google hat gute Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt - doch Anleger hatten mehr erwartet. Quelle: AP

Vier Enttäuschungen in Folge

Google hat Vertrauen verloren. Trotz steigender Umsätze und hoher Gewinne blieb der IT-Konzern bei jedem der vergangenen vier Quartalsabschlüsse hinter den Erwartungen der Wall Street zurück. Die Unzufriedenheit zeigt sich am Börsenkurs. Im Januar 2014 wurde die Google-Aktie an der Technologiebörse Nasdaq für 589 Dollar gehandelt. Ein Jahr später sind es noch 539 Dollar. Nach Bekanntwerden der Quartalszahlen verloren die Papiere am Donnerstag nachbörslich 3,5 Prozent.

Während Apple mit dem traditionellsten Geschäftsmodell der großen Tech-Konzerne - handfeste Ware zu handfesten Preisen - zum profitabelsten Unternehmen aller Zeiten aufsteigt, werden sich die großen Investitionen von Google frühestens in einigen Jahren auszahlen. Wenn überhaupt.

In der Tech-Branche stößt die Skepsis auf Unverständnis. "Die Investoren erwarten zu viel", urteilt Christoph Salzig, Kommunikationsspezialist und früherer Pressesprecher des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. "Die Anleger wollen ungebremstes Wachstum und Wachstumsraten, die kaum ein Unternehmen erfüllen kann."

Aber sind es wirklich allein die zu hohen Erwartungen der Wall Street, die am Image kratzen? Auch intern rumort es. Manche Angestellten befürchten, Google sei für die Zukunft nicht richtig aufgestellt. "Ich glaube, 2015 wird desaströs", sagte ein ehemaliger Mitarbeiter Ende vergangenen Jahres dem Portal "Business Insider".

Die Sorge hat einen einfachen Grund: Bei seiner Haupteinnahmequelle machen sich für Google Probleme bemerkbar. Auch, wenn der Posten "Sonstiges" in der Bilanz - hauptsächlich getrieben von den Erlösen im Play Store – wächst: Den Großteil seines Geldes macht der Konzern nach wie vor mit Werbung in seiner Suchmaschine. Zuletzt waren es 88,9 Prozent des gesamten Gewinns.

Das muss sich ändern, glauben viele Börsianer. Und zwar schnell. Denn die Zahl der bezahlten Klicks wächst von Quartal zu Quartal langsamer. Und der "cost per click" genannte Durchschnittspreis für die Werbung sank nun zum Vorjahrszeitraum um drei Prozent.

Die zehn teuersten Google-Käufe

  • Platz 10

    Admeld
    Typ: Online-Werbevermarkter
    Jahr: 2011
    Preis: 400 Millionen Dollar

  • Platz 9

    Wildfire Interactive
    Typ: Social-Media-Vermarktung
    Jahr: 2012
    Preis: 450 Millionen Dollar

  • Platz 8

    Postini
    Typ: E-Mail-Sicherheit und Archivierungsdienst
    Jahr: 2007
    Preis: 625 Millionen Dollar

  • Platz 7

    ITA-Software
    Typ: Software für die Reiseindustrie, u.a. Flugsuchen
    Jahr: 2010
    Preis: 676 Millionen Dollar

  • Platz 6

    AdMob
    Typ: Mobiles Werbenetzwerk
    Jahr: 2009
    Preis: 750 Millionen Dollar

  • Platz 5

    Waze
    Typ: GPS-gestütztes Navigationssystem für Smartphones
    Jahr: 2013
    Preis: 966 Millionen Dollar

  • Platz 4

    Youtube
    Typ: Videoportal
    Jahr: 2006
    Preis: 1,65 Milliarden Dollar

  • Platz 3

    DoubleClick
    Typ: Online-Werbevermarkter
    Jahr: 2007
    Preis: 3,1 Milliarden Dollar

  • Platz 2

    Nest
    Typ: Automatisierungsunternehmen, produziert u.a. selbst lernende Thermostate
    Jahr: 2014
    Preis: 3,2 Milliarden Dollar

  • Platz 1

    Motorola Mobility
    Typ: Hersteller von Mobiltelefonen
    Jahr 2011
    Preis: 12,5 Milliarden Dollar

Internetnutzer lassen den Desktopcomputer immer häufiger ausgeschaltet. Sie surfen stattdessen mehrheitlich via Smartphone und Tablet - dort sind die Gewinnspannen geringer. Gleichzeitig werden Apps gegenüber Browsern immer bedeutender. Das perfekte Werbeformat für die kleineren Bildschirme hat Google noch immer nicht gefunden. Zudem sinkt der Anzeigenpreis. Weil Facebook es immer besser schafft, aus der Entwicklung Kapital zu schlagen, entsteht Google langsam aber sicher ein ernstzunehmender Konkurrent.

Druck von der Konkurrenz

Auch bei der Desktopsuche gerät Google weiter unter Druck. Auf dem Heimatmarkt USA ist der Markanteil im Dezember von 77,5 auf 75,3 Prozent gefallen, weil Mozillas Browser Firefox nun per Voreinstellung mit Yahoo statt Google sucht. In Russland liegt Google hinter Platzhirsch Yandex und schloss dort zuletzt sogar seine Entwicklungsabteilung.

Immer häufiger überspringen Nutzer bei der Suche nach Produkten den Schritt über die Suchmaschine zudem völlig und gehen direkt auf die Seite des Händlers. Bei Amazon etwa schoss die Anzahl der Desktop-Suchen laut dem Internet-Marktforschungsunternehmen Comscore innerhalb des vergangenen Jahres um fast 50 Prozent in die Höhe.

"Kurzfristig ist das fatal für Google", sagt Marcus Tandler, Experte für Suchmaschinen. Denn: Produktsuchen sind um ein vielfaches lukrativer als Suchen nach einfachen Informationen.

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