Rocket Internet: Abbauen, Aufbauen, Umbauen

Rocket Internet: Abbauen, Aufbauen, Umbauen

, aktualisiert 21. November 2016, 13:12 Uhr
von Miriam SchröderQuelle:Handelsblatt Online

Rocket Internet steht in Deutschland unter scharfer Beobachtung. Gerüchte über einen Strategiewechsel und Personalabbau dementiert die Internet-Plattform – dabei dürfte beides den Aktionären sehr gelegen kommen.

Düsseldorfer

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Der Rocket-Internet-Chef spricht seit längerem davon, nicht mehr nur selbst aufzubauen, sondern sich an vielversprechenden Modellen beteiligen zu wollen.

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Wenn bei Rocket Internet etwas schiefläuft, ist die Aufregung immer groß. Die von ihrem Gründer und Chef Oliver Samwer so genannte „größte Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas“ steht in Deutschland unter scharfer Beobachtung – nicht zuletzt, weil der Aktienkurs von Rocket Internet seit dem Börsengang 2014 nur eine Richtung kennt: nach unten.

Am Freitagmorgen fiel der Kurs zwischenzeitlich wieder einmal um mehrere Prozentpunkte. Das „Manager Magazin“ hatte von „massivem Personalabbau“ in der Zentrale von Rocket Internet berichtet und über einen Strategiewechsel spekuliert, der den Anlegern bislang verschwiegen worden sei. Der Konzern dementierte umgehend: Der Bericht über den Personalabbau entbehre „jeder Grundlage“, hieß es. Auch von einem Strategiewechsel könne keine Rede sein. Dabei wäre beides gar keine so schlechte Nachricht für die Aktionäre.

Tatsächlich sind nach Informationen des Handelsblatts in der Konzernzentrale in Berlin derzeit nur noch um die 300 Leute angestellt – zum Ende des letzten Jahres waren es noch mehr als 400. Ein massiver Personalabbau jedoch sieht anders aus: Zu den Ex-Mitarbeitern zählt unter anderem Christian von Hardenberg, der ehemalige Technik-Chef. Er arbeitet inzwischen für die Lieferdienstplattform Delivery Hero – eine Firma, deren größter Aktionär Rocket Internet ist. Auch über 20 PR-Mitarbeiter zählen offiziell nicht mehr zum Personal – jedoch nicht, weil sie rausgeschmissen wurden, sondern weil sie inzwischen für eine Tochterfirma arbeiten.

Rocket Internet, das ist ein Firmengeflecht aus mehr als 500 Unternehmen – manche gehören direkt, andere nur zum Teil zu der Berliner Start-up-Holding. Weltweit beschäftigt Rocket mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Auch ein Strategiewechsel ist nicht von der Hand zu weisen. Hatte Rocket Internet zu Zeiten des Börsengangs noch damit geworben, selbst Start-ups gründen und großmachen zu wollen, wird inzwischen auch in bestehende Unternehmen investiert. Allerdings ist diese Erkenntnis weder neu noch Grund zur Beunruhigung.

Die besten Ideen kommen nicht zwangsläufig aus der Zentrale

Delivery Hero beispielsweise wurde außerhalb der Rocket-Welt gegründet, Oliver Samwer kaufte sich erst 2015 ein. Er spricht seit längerem davon, nicht mehr nur selbst aufbauen, sondern sich auch an vielversprechenden Modellen beteiligen zu wollen. Dafür hat Rocket schon vor einiger Zeit einen Fonds aufgelegt, den Global Founders Fund.

Für die Rocket-Aktionäre dürfte das eher eine gute Nachricht sein. Zeigt sie doch, dass Oliver Samwer trotz allen Strebens nach Größe nicht den Verstand verloren hat: Der Rocket-Chef weiß, dass die besten Ideen nicht zwangsläufig aus seiner Zentrale kommen. Dafür hat sich die deutsche Start-up-Szene seit ihren Anfängen viel zu gut entwickelt. Früher gab es außer Rocket kaum Investoren in Berlin. Heute gibt es eine Menge Leute, die mit ihren eigenen Unternehmen zu Geld gekommen sind und es in junge Gründer investieren.

Und noch etwas hat sich geändert: In der Gründungsphase von Rocket Internet hat sich die Internetplattform auf das konzentriert, was sie konnte, wie kaum ein anderer: E-Commerce. Nach dem Vorbild von Zalando baute Rocket etwa die Global Fashion Group, die heute auf fünf Kontinenten Klamotten verkauft. Die Anforderungen dieser Start-ups waren oft genau dieselben – darum machte es Sinn, Funktionen wie Technik und Marketing zu zentralisieren und als interne Dienstleistung für die Start-ups anzubieten.

Inzwischen gibt es Online-Shops für fast alles. Und auch Rocket Internet probiert sich an verschiedenen Geschäftsmodellen, die immer weniger miteinander zu tun haben. Der weltweit agierende Kochboxenlieferdienst Hello Fresh, der Finanzdienstleister Zinsgold, das noch kleine Camping-Start-up Campsy – sie alle haben völlig unterschiedliche Zielgruppen und Anforderungen an ihre Software. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, die Zentrale zu verschlanken und Mitarbeiter stattdessen direkt in den Beteiligungen zu beschäftigen.

Zumal Oliver Samwer seinen Anlegern versprochen hat, 2016 endlich die Verluste reduzieren zu wollen, die bei fast allen Beteiligungen immer noch erheblich sind. Wenn er damit scheitert, wäre die Aufregung zu Recht groß.

Quelle:  Handelsblatt Online
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