Samsung Galaxy Note 7: Größter Rückruf der Firmengeschichte zur Imagepflege

Samsung Galaxy Note 7: Größter Rückruf der Firmengeschichte zur Imagepflege

, aktualisiert 03. September 2016, 14:58 Uhr
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Im neuen Modell der Koreaner sind teilweise Akkus eingebaut, die in Brand geraten.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Das Galaxy Note 7 mit Iris-Erkennung sollte das neue Vorzeigeprodukt von Samsung werden. Doch explodierende Akkus durchkreuzten den Plan der Koreaner, zu Konkurrent Apple aufzurücken. Die Folgen des Mega-Rückrufs.

Samsungs Auftritt auf der IFA Berlin wird vom ersten großen Handyrückruf in der Konzerngeschichte der Koreaner überschattet. Nicht einmal zwei Wochen nach dem Verkaufsstart seines größten Smartphones Galaxy Note 7 muss der Konzern an diesem Freitag vorerst den Vertrieb eines Vorzeigeprodukts einstellen. Auch kündigte der IT-Riese an, die 1,5 Millionen bereits verkauften und eine Million ausgelieferten Smartphones umtauschen zu wollen. Der Grund: In 35 Fällen sind die Akkus in Brand geraten.

Der Fehlstart seines Hoffnungsträgers könnte für Samsung kaum ungelegener kommen. Erstens sollte das neue Gerät mit technischen Innovationen Konkurrent Apple Paroli bieten. Die Kalifornier wollen das iPhone 7 wohl am 7. September der Öffentlichkeit präsentieren. Das Galaxy Note 7 lässt sich mittels Iris-Erkennung entsperren.

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Zweitens verhagelt die Nachricht über das Handydebakel die Präsentation weiterer neuer Samsung-Produkte auf dem größten Branchentreff in Berlin – wie etwa die neue Smartuhr Gear S3. Und drittens könnte der Rückruf Anleger verunsichern, die nach einem unerwartet guten zweiten Quartal gerade Hoffnung geschöpft hatten, dass Samsungs Mobilsparte ihre Schwäche überwunden hat.

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Der Rückruf werde eine „herzbrechend hohe Summe“ kosten, erklärte Koh Dong-jin, Chef von Samsungs Mobilsparte, am Freitag in Seoul. Doch die schnelle und kostspielige Entscheidung zeigt, dass auch Samsungs Management die Lage als brisant ansieht. „Wir haben die Priorität auf die Sicherheit unserer Kunden gelegt, und uns daher entschlossen, den Verkauf zu stoppen und allen Kunden Ersatzgeräte anzubieten“, sagte Koh.

Dabei gab es nach Informationen südkoreanischer Medien auch Stimmen, die es bei einem Austausch der Akkus belassen wollten. Der Konzern wies darauf hin, dass der Prozentsatz explodierter Handys bei 0,0024 Prozent läge. Zudem hat eine Untersuchung Samsung zufolge ergeben, dass nicht Designfehler im Gerät, sondern die Akkus das Problem seien.

Darüber hinaus seien Rückrufe von Akkus für Notebooks, Handys und andere Geräte beileibe kein Einzelfall. Schon durch kleine Verunreinigungen oder Fehler im Produktionsprozess können die kleinen Energiebündel instabil werden. Aber dass ein Hersteller deshalb gleich weltweit die gesamten Geräte austauscht, sei „beispiellos und revolutionär“, lobte die koreanische Bürgergruppe Green Consumer Network.

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Ob das die Kunden überzeugt, bleibt abzuwarten. Doch die schnelle Reaktion scheint zumindest die Aktionäre zu beruhigen. Als Gerüchte über Akku-Problemen bei Samsung am Donnerstag aufkamen, sackte der Aktienkurs um 2,3 Prozent ab. Doch am Freitag ließ Samsung schon recht früh durchsickern, einen Rückruf zu planen. Die Aktie stieg daraufhin um 0,6 Prozent auf 1,595 Millionen Won.

Auch der finanzielle Schaden hält sich für den Konzern wohl in Grenzen – zumindest solange kein massiver Imageschaden das Galaxy Note 7 vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter degradiert.

Die Fehler traten unmittelbar nach dem Verkaufsstart auf. Zu dieser Zeit war das Smartphone erst in zehn Ländern im Handel. In Deutschland ging es zum Beispiel noch gar nicht über die Ladentheke. Bei einem Absatz von mehr als 200 Millionen Handys im Jahr fällt der Rückruf noch verhältnismäßig klein aus.

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