Samsung Galaxy S8: Der Neustart nach dem Note-7-Desaster

Samsung Galaxy S8: Der Neustart nach dem Note-7-Desaster

, aktualisiert 29. März 2017, 20:33 Uhr
von Katharina Kort und Johannes StegerQuelle:Handelsblatt Online

Mit dem neuen Galaxy S8 will Samsung erneut einen Gegenpunkt zu Apples iPhone setzen. Die Zeit drängt, denn der Imageschaden der brennenden Akkus beim Galaxy Note 7 wiegt immer noch schwer.

New York/DüsseldorfJubelnde Zuschauer im New Yorker Lincoln Center. Dabei steht diesmal kein Star-Tenor auf der Bühne und auch keine Geigen-Virtuosin wie sonst in dieser heiligen Halle der klassischen Musik. Stattdessen fliegt ein überdimensionales Handy über die Mega-Leinwand der David-Geffen-Konzerthalle. Der Sternenhimmel auf der Wand geht genauso fließend in die Hallendecke über wie der Bildschirm des neuen Galaxy 8, der über die gesamte Oberfläche hinaus über die Seiten läuft.

Am 21.April soll das neue Galaxy 8 auf den Markt kommen, das dem iPhone Konkurrenz machen soll. Das neue Handy kommt mit einem Kopfhörer von AKG, Iris-Erkennung und der neuen Sprach-Assistentin Bixby in die Läden.

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„Dies markiert einen neuen Beginn" ruft der für die Produkt-Strategie zuständige Vizepräsident Justin Denison in die Menge. Einen neuen Beginn kann Samsung auch gut gebrauchen.

Für Samsung ist es ein Schritt nach vorne: Nach dem Debakel um die explodierenden Akkus des Galaxy Note 7 braucht der südkoreanische Konzern wieder positive Nachrichten. Dafür setzt Samsung auf allerlei technische Feinheiten und will mit seinem Sprachassistenten Bixby Mitbewerbern Konkurrenz machen. Denn auch Apple wird in diesem Jahr wohl das iPhone 8 auf den Markt bringen – was manche Analysten schon jetzt frenetisch feiern.

Das Galaxy Note 7 war für Samsung eine Horrorstory, die kein Markenexperte grauenvoller ins Lehrbuch hätte schreiben können. Im vergangenen Herbst häuften sich die Meldungen über brennende Akkus bei dem damals frisch präsentierten Gerät. Die vermeintlich sicheren Ersatzgeräte mussten kurz darauf ebenfalls wieder zurückgerufen werden – auch sie fingen Feuer. Die Dauerschleife in den Warnhinweisen an Flughäfen und in Flugzeugen, dass das Gerät nicht mit an Bord genommen werden dürfe, machte das Fiasko omnipräsent.

Rund vier Millionen Geräte mussten zurückgenommen und als Gefahrengut zurücktransportiert werden. Der finanzielle Schaden war enorm: Die Belastung für das operative Geschäft bezifferte Samsung auf rund fünf Milliarden Euro. Nach monatelangen Untersuchungen zeigte sich: Die Brände waren auf Design- und Produktionsfehler bei den Akkus zurückzuführen. „Das neue Produkt ist wichtig für Samsung. Apple hat im vierten Quartal 2016 die Marktführerschaft übernommen – das war zwar dank des Weihnachtsgeschäfts zu erwarten, hat aber Samsung dennoch zu schaffen gemacht“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner.

Samsung bleibe zwar Marktführer, aber das Debakel um das Galaxy Note 7 habe dennoch eine Lücke in das Premium-Segment des Unternehmens gerissen, weil die entsprechenden Kunden eher zu Apple gegangen seien.

„Wir müssen demütig sein, um aus unseren Fehlern zu lernen“, sagte der Chef der Handy-Sparte von Samsung, DJ Koh, bei der Vorstellung in New York.

Beim Galaxy S8 setzt Samsung auch auf eine neue Funktion: Mit Bixby stellt der südkoreanische Konzern den ersten eigenen Sprachassistenten vor und geht damit in Konkurrenz zu Siri von Apple oder Cortana von Microsoft. „In Zukunft werden Sie Ihre Klimaanlage oder Ihren Fernseher über Bixby steuern können“, kündigt Samsung an.

Der Markt ist da: Weltweit könnte die Zahl der Endkunden, die Sprachassistenten nutzen, von derzeit geschätzt 710 Millionen bis 2021 auf rund 1,8 Milliarden steigen, prognostiziert das US-Marktforschungsunternehmen Tractica. Damit könne der Umsatz mit den virtuellen Assistenten in den kommenden vier Jahren von geschätzten 689 Millionen Dollar auf knapp 12 Milliarden Dollar steigen.

Auch Gartner-Analystin Zimmermann sagt: „Das ist eine wichtige Technologie, die für alle Hersteller Kernthema wird.“ Es mache für große Hersteller Sinn, ein eigenes System zu entwickeln: „In Nordamerika und Großbritannien nutzen bereits 37 Prozent der Smartphone-Nutzer mehrmals pro Woche einen virtuellen Assistenten.“ Doch es gibt Nachholbedarf: „Die Systeme müssen noch weiter entwickelt werden, um von den Nutzern akzeptiert zu werden.“

Und auch das Galaxy Note 7 könnte doch noch einmal zurückkehren: Wie der Konzern am Montag mitteilte, könnte das Smartphone mit Zustimmung der Regulierungsbehörden wieder angeboten werden. Mögliche Länder und einen Zeitplan für ein Comeback nannte Samsung allerdings nicht.

Der große Rivale Apple dürfte noch in diesem Jahr das iPhone 8 vorstellen – und das freut viele Analysten. Sie erwarten, dass damit ein neuer Superzyklus in Cupertino beginnt – und das könnte sich für Apple lohnen: So sagte JP-Morgan-Analyst Rod Hall gegenüber CNBC, dass der iPhone-Absatz in diesem Jahr auf 260 Millionen Einheiten steigen dürfte. 2016 waren es rund 211 Millionen, was zum ersten Mal ein Absatzrückgang für den erfolgsverwöhnten Konzern bedeutete. Und nicht nur Apple macht Druck auf Samsung: „Der Konzern kämpft an zwei Fronten, im Premiumsegment konkurriert Samsung mit Apple, von unten drängen chinesische Anbieter wie Huawei in den Markt“, sagt Analystin Zimmermann.

Preislich liegt das neue Galaxy S8 mit 720 US-Dollar eher bei Apple als bei Huawei. Samsung will die Verbraucher mit einem Rundum-Paket überzeugen. Nicht nur soll das Handy in Zukunft dank eines neuen Routers als Fernbedienung für sämtliche Haushaltsgeräte dienen. Es lässt sich auch dank einer Dock-In-Station mit Tastatur und Monitor als Computer auf dem Schreibtisch nutzen. Außerdem löst die neue 360-Grad-Kamera mit zwei Kameras – vorne und hinten – die Probleme der vorherigen Modelle.

Die Kamera ließ Samsung die Besucher in New York testen. Den Sprachassistenten gibt es dagegen bisher nur auf koreanisch. Aber die englische Version soll bald kommen. Bixby soll stärker als die Sprachassistenten der Konkurrenten mit den anderen Funktionen verbunden sein, um zum Beispiel Fotos und Informationen verschicken können. Ausprobieren konnten wir Bixby noch nicht. Aber eins ist sicher: Feuer fangen kann sie nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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