Samsung: Smartphone-Krise trifft Südkorea zu ungünstigem Zeitpunkt

Samsung: Smartphone-Krise trifft Südkorea zu ungünstigem Zeitpunkt

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Samsung: Smartphone-Krise trifft Südkorea zu ungünstigem Zeitpunkt

Für Samsung bedeutet die Absetzung des Galaxy Note 7 einen herben Image-Verlust. Inwieweit sich die Probleme bei dem Unternehmen auf Südkoreas Wirtschaft auswirken könnten, ist unterdessen noch unklar.

Das Aus für das Pannen-Smartphone Galaxy Note 7 kommt für den Technologie-Riesen Samsung wie für Südkorea zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schon gibt es Befürchtungen, die Probleme mit dem Gerät, das eigentlich ein Vorzeige-Smartphone werden sollte, könnten nicht nur Samsungs Image schaden, sondern auch auf Südkoreas Ruf als High-Tech-Standort abfärben. Doch wie weit die Folgen für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft letztlich reichen werden, gilt zumindest als ungewiss. Samsung habe eine große Bedeutung für den Handel und die Industrie des Landes, sagt Kang Du Yong von der Analyse-Abteilung beim staatlichen Koreanischen Institut für Industrie, Wirtschaft und Handel (Kiet). Es sei aber eine Krise für Samsung, „nicht für Korea“.

Allerdings stemmt sich die Regierung derzeit mit allen Kräften gegen das Wachstumsschwäche. Die Exporte - normalerweise die Triebkraft der Wirtschaft - gingen im September erneut zurück, nachdem sie im August erstmals seit 20 Monaten wieder gestiegen waren. Neben anderen Faktoren wie etwa Streiks in der Autoindustrie machte das Handelsministerium auch den Rückruf des Note 7 wegen Brandgefahr bei den Akkus dafür verantwortlich.

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Samsung ist die wertvollste Marke des Landes, die Produkte des Elektronikherstellers gehören zu den wichtigsten Exportgütern und prägen das Bild eines technikversessenen Landes mit, das Ausländer von Südkoreahaben. „Psychologisch ist Samsung für die Koreaner das Aushängeschild, und es ist ein Unternehmen, das sich ein gewisses Branding erarbeiten konnte“, sagt der Leiter von Germany Trade and Invest, die Außenwirtschaftsagentur Deutschlands in Südkorea, Alexander Hirschle.

Wie sich Samsungs Debakel mit dem Note 7 bisher entwickelte

  • 2. August

    Samsung stellt das „Phablet“ mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment spielen, in dem Apple mit seinen iPhones stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

  • 19. August

    Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

  • 2. September

    An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Rückrufaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

  • 8. September

    Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

  • 16. September

    In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

  • 19. September

    Samsung leitet den Austausch der Geräte in Deutschland ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 900 Millionen Euro) geschätzt.

  • 22. September

    Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

  • 27. September

    Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

  • 5. Oktober

    Ein gerade ausgeschaltetes Note 7 gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

  • 9. Oktober

    Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllen demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.

  • 10. Oktober

    Mehrere Medien berichten, Samsung setzte die Produktion des Geräts erneut aus. Vom Unternehmen heißt es dazu nur, die Produktionsplanung werde „vorläufig angepasst“.

  • 11. Oktober

    Samsung stoppt den Verkauf des Note 7 erneut. Kunden werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen. Samsung ermutigt sie zudem, ihre Geräte gegen andere Modelle einzutauschen oder sich den Kaufpreis zurückerstatten zu lassen.

Samsung spielte neben anderen großen Mischkonzernen wie Hyundai oder LG unter Südkoreas Kommandowirtschaft der 60er- und 70er Jahren eine wichtige Rolle, als es darum ging, das Land nach japanischem Vorbild zu einer modernen Industrienation umzugestalten. Doch Anfang der 90er Jahre hatte Lee Kun Hee, der öffentlichkeitsscheue frühere Chef der Samsung-Gruppe, erkannt, dass der Konzern die Größten wie Sony oder Philips nur dann überholen könne, wenn er auch selbst modernste Technologien entwickeln und sich als Qualitätsmarke etablieren könnte. Heute ist das Konzern-Flaggschiff Samsung Electronics Weltmarktführer bei Smartphones, Fernsehern und Speicherchips.

Einig sind sich die Analysten, dass die Smartphone-Krise für das Unternehmen keine existenzbedrohende Dimensionen annimmt, aber empfindliche Kratzer an seinem Image hinterlassen wird. Samsung hatte das erkannt, als sich nach der ersten Rückrufaktion im September erneut Verbraucher mit Beschwerden meldeten, dass auch vermeintlich sichere Note-7-Austauschgeräte in Flammen aufgingen. Der Apple-Konkurrent stellte daraufhin nicht nur den weltweiten Verkauf, sondern gleich die ganze Produktion ein. 

Für Samsung kommt das Debakel auch deshalb zu einem kritischen Zeitpunkt, da sich das Unternehmen angesichts wachsender Konkurrenz aus China unter großem Druck befindet. Hirschle sieht die Probleme mit dem Samsung-Smartphone dann auch von einer grundsätzlichen Seite. „Samsung ist symptomatisch für die gesamte südkoreanische Wirtschaft.“ Früher habe Südkorea damit Erfolg gehabt, bestehende Produkte auf hoher Qualitätsstufe, aber zu einem attraktiven Preis zu kopieren. Doch mittlerweile habe man mit China einen Konkurrenten im Rücken, der nach ähnlichem Muster vorgehe, aber über eine größere Marktmacht verfüge. 

Der Weltmarkführer hat laut einem Insider die Produktion des Geräts, das eigentlich Apple mit seinem iPhone unter Druck setzen sollte, zunächst komplett gestoppt.

Südkorea wird vom einstigen Jäger zum Gejagten: „Südkorea befindet sich damit in einer ähnlichen Situation wie Deutschland, weil sie eine Qualitätslücke zwischen sich und die Verfolgern setzen müssten“, sagt Hirschle. Das werde eine Herausforderung für Samsung wie auch die gesamte koreanische Wirtschaft sein.

Die Antworten auf die Frage, inwieweit sich der Smartphone-Rückruf auf das Land auswirken könne, fallen vorsichtig aus. „Das ist nicht leicht vorauszusagen“, sagt etwa Wi Pyoung Ryang vom Forschungsinstitut für Wirtschaftsreformen in Seoul. Aber Samsung sei natürlich ein Unternehmen, das weltweit vom Kundenvertrauen abhänge. „Und es ist ein Unternehmen, das Korea repräsentiert.“ Insofern könnten die Probleme mit dem Smartphone, wenn auch nur zu einem gewissen Grad, auf das Südkorea-Bild im Ausland abfärben. 

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