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Samsung und Apple: Aneinander gekettete Feinde

von Michael Kroker und Martin Fritz

Der koreanische Elektronikriese hat erstmals mehr Smartphones verkauft als Apple. Doch zwischen den Konzernen tobt hinter den Kulissen der Kampf zweier voneinander Abhängiger.

Samsung CEO Lee Jae-yong Quelle: dpa
Konzilianter Kämpfer: Samsung-Manager Lee will "fair und heftig" sein. Quelle: dpa

Als Apple-Gründer Steve Jobs am 5. Oktober stirbt, verschiebt Samsung-Vorstandschef Choi Gee-sung respektvoll die Vorstellung seines neuesten Smartphones Galaxy Nexus. Gleichwohl geißelt er fast zeitgleich das frisch präsentierte iPhone 4S von Apple als „enttäuschend“.

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Auch Samsung-Präsident Lee Jae-yong gibt sich höflich, als er die Einladung zur Trauerfeier für Jobs am Apple-Firmensitz im kalifornischen Cupertino annimmt. Ja, der Koreaner nutzt die Gelegenheit sogar, um mit Apple-Chef Tim Cook über die Verlängerung von Lieferverträgen zu verhandeln. Trotzdem kündigt am gleichen Tag Samsungs Mobilfunk-Chef Shin Jong-kyun in Hongkong eine Verschärfung des Patentstreits mit Apple an. „Dies ist erst der Anfang“, tönt der Koreaner. Vor 16 Gerichten in 13 Ländern und auf vier Kontinenten beharken sich der US- und der Asien- Konzern inzwischen. Apple wirft Samsung vor, sein iPad „sklavisch“ zu kopieren. Samsung wiederum behauptet, Apple verletze Patente der Koreaner.

Gleichwohl können die beiden Streithähne im Grunde kaum voneinander lassen. Es herrscht eine zerfleischende Zweierbeziehung zwischen dem amerikanischen Unterhaltungselektronikriesen und dem südkoreanischen Branchengiganten. Apple und Samsung sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen, obgleich sie von Quartal zu Quartal immer mehr zu Konkurrenten werden. So hat Samsung zwischen Juli und September mit 28 Millionen Geräten erstmals mehr Smartphones verkauft als Apple, die nur 17 Millionen iPhones losschlagen konnten.

„Wir sind Frenemies“, sagt Samsung-Manager Kim Keun-bae der WirtschaftsWoche. Im Klartext: Apple und Samsung sind Freunde und Feinde zugleich. Der Streit um die Patente dient beiden Unternehmen vor allem dazu, Zeit zu gewinnen und ihr Verhältnis neu zu ordnen.

Samsung

Samsung ist im dritten Quartal 2011 nach Berechnungen von Marktforschern zum weltgrößten Smartphone-Herstellern aufgestiegen. Der südkoreanische Konzern überholte mit 23,6 Millionen ausgelieferten Computer-Telefonen deutlich das iPhone von Apple, wie die Analysten der US-Firma IDC berichteten. Samsung hielt demnach ein Fünftel des Weltmarktes, vor einem Jahr lag Samsung erst bei einem Anteil von 8,8 Prozent.

Samsung profitierte vom Erfolg seiner Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Die Plattform wird von diversen Herstellern genutzt und ist die klare Nummer eins im Smartphone-Markt vor Apples iOS-System.

Bild: dapd

Kreativitätsmotor vs. Zulieferer

Hier der Kreativitätsmotor Apple mit seinen innovativen Produkten, der nun angestrengt nach Zulieferern sucht, die ihm weniger gefährlich sind als Samsung. Dort der Elektronikproduzent und blitzschnelle Nachahmer aus Asien, der endlich vom bloßen Apple-Zulieferer zum ruhmreichen Handy- und Tablet-PC-Produzenten aufsteigen will und dies forciert.

Apple verklage aus gutem Grund Samsung und nicht den taiwanesischen Handybauer HTC oder den südkoreanischen Anbieter LG Electronics, sagt Alvin Lim von der Ratingagentur Fitch in Seoul.

Seit den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts versorgt Samsung Apple mit wesentlichen Bauteilen, ohne die es die Bestseller aus Kalifornien nie gegeben hätte. Nach einer Aufstellung der Schweizer Bank UBS liefern die Südkoreaner für das jüngst auf den Markt gekommene iPhone 4S die Flash- und die Dram-Speicherchips sowie den speziell für Apple konzipierten A5-Prozessor – das wichtigste Bauteil in dem Gerät überhaupt.

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