SAP-Abschied von Doppelspitze: Nächster Schritt in Richtung USA ist gemacht

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KommentarSAP-Abschied von Doppelspitze: Nächster Schritt in Richtung USA ist gemacht

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Die Doppelspitze des Softwareherstellers SAP trennt sich, doch am Führungsstil unter Bill McDermott wird sich wohl kaum etwas ändern

von Michael Kroker

Der Abschied von Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe hat sich intern angedeutet – und ist die logische Fortsetzung einer seit geraumer Zeit laufenden Bewegung weg von Walldorf hin in Richtung Amerika.

Gestern Abend hat SAP die Katze aus dem Sack gelassen: Mit-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe will im Mai 2014 seinen Job hinschmeißen und in den Aufsichtsrat wechseln. Damit gibt SAP die Doppelspitze auf; der Amerikaner Bill McDermott wird in zehn Monaten alleiniger Vorstandschef des Walldorfer Software-Riesen.

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In der Mitteilung betonen Snabe wie McDermott die gegenseitige Freundschaft und weisen auch nur die Spur von Dissens zwischen beiden weit von sich. „Es wäre für mich eine Ehre, als Mitglied des Aufsichtsrats – auf der Basis der guten Zusammenarbeit und der Freundschaft mit Bill McDermott und dem gesamten Global Managing Board der SAP – den Erfolgskurs der SAP weiter voranzutreiben“, lässt sich der 47-jährige Däne Snabe zitieren.

Dass sich dieser Schritt anbahnen würde, haben die Spatzen in Walldorf bereits seit einiger Zeit von den Dächern gepfiffen. Snabe habe schlicht keine Lust mehr auf die Mühlen des Alltagsgeschäfts, hieß es da mal. Konkrete Hinweise gab’s jedoch nie, und auch offiziell hat das Unternehmen stets bestritten, dass es von der aktuellen Führungsstruktur abrücken wolle – erst Anfang Juli sogar Snabe selbst in einem Handelsblatt-Interview: „Als Doppelspitze konnten viele wichtige Veränderungen sehr viel schneller umsetzen – warum sollten wir daran rütteln?“

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Jetzt rütteln die Walldorfer also doch. Den vielleicht gewichtigsten Hintergrund für diesen Schritt liefert Snabe in jenem Gespräch gleich mit: „Der Kampf in unserer Branche wird in den USA entschieden“, antwortet er dort auf die Frage nach der zunehmenden Verlagerung von Aufgaben in die USA. So dürfte die gestrige Ankündigung vor allem Wasser auf die Mühlen all derjenigen sein, die bereits seit längerem die wachsende Amerikanisierung des nordbadischen Softwarekonzerns konstatieren.

Die Indizienkette für eine entsprechende Bewegung ist jedenfalls lang. Erst Anfang Juli hat SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsboss Hasso Plattner in einem Interview mit der WirtschaftsWoche seine Mitarbeiter in den USA über den grünen Klee gelobt: „Ich bin dort von einer besonderen Mischung Leute umgeben“, so Plattner geradezu überschwänglich. „Deren Wille zu gewinnen ist enorm – höher als in Deutschland.“

Anfang Mai sorgten zudem zwei ansonsten weitgehend unbeachtete Meldung SAP-intern für Unruhe. So kündigte der Softwarekonzern an, fortan die Presse- und Marketing-Abteilung zusammenzuführen – unter Leitung des amerikanischen Marketing-Chefs Jonathan Becher. Gleichzeitig ernannte SAP erstmals eine Amerikanerin zur Leiterin der Unternehmenskommunikation: die stramme Republikanerin Victoria Clarke, die einst unter US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld arbeitete.

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Der neue starke Mann im Unternehmen ist jetzt also der 51-jährige Amerikaner McDermott – und zwar von sofort an, nicht erst im kommenden Jahr. So lange die Verkaufsmaschine der Walldorfer läuft, dürfte sich am Führungsstil nicht viel ändern. Viele deutsche Mitarbeiter fragen sich aber, was passiert, sollte das Unternehmen dereinst in unruhigeres Fahrwasser kommen.

Bis dahin aber sollten SAPler wie Unternehmensbeobachter wieder etwas mehr Gelassenheit an den Tag legen. Denn die ganze Diskussion über einen Kulturwandel bei SAP und die wachsende Internationalisierung geht – mindestens – zurück  ins Jahr 2006, als mehrere Gewerkschaftsmitglieder bei SAP die erstmalige Wahl eines Betriebsrates erzwangen. „Die SAP wäre nicht da, wo sie heute ist, wenn wir diesen Kulturwandel nicht hätten. SAP ist mittlerweile ein globales Unternehmen“, sagte der damalige SAP-Vorstandschef Henning Kagermann Anfang 2006 im Interview mit der WirtschaftsWoche.

So viel verändert hat sich bei SAP in den vergangenen sieben Jahren also auch nicht.

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