SAP-Chef: Bill McDermott kritisiert mangelnden Austausch in der Medizin

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SAP-Chef: Bill McDermott kritisiert mangelnden Austausch in der Medizin

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Bill McDermott hat bei einem Unfall ein Auge verloren.

von Matthias Hohensee

Bill McDermott ist erstmals seit seinem schweren Unfall, bei dem er sein linkes Auge verlor, öffentlich im Silicon Valley aufgetreten. Der SAP-Chef sprach über seine ganz persönlichen Erfahrungen als Patient – und warum sie ihn in seiner Unternehmensstrategie bestätigen.

SAP-Chef Bill McDermott hat sich trotz seines schweren Unfalls im Sommer, bei dem er sein linkes Auge verlor, seinen trockenen Humor bewahrt. Das zeigte sich am Mittwochnachmittag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Silicon Valley – ausgerechnet als Teilnehmer auf einer von SAP veranstalteten Diskussion über persönliche Medizin in Palo Alto. „Um sich für die Teilnahme zu qualifizieren, muss man eine Verletzung haben“, scherzte McDermott, der mit getönter Brille auftrat. Vor ihm war David Delaney mit Krücken langsam auf die Bühne gehumpelt. Der Chief Medical Officer von SAP leidet an einem Bandscheibenvorfall.

„Ich habe nun noch viel mehr Respekt vor Ersthelfern, Krankenschwestern und Ärzten“, unterstrich McDermott. „Das ist ein System, das sich unglaublich kümmert.“ Er sei erstaunt, wie spezialisiert die Medizin inzwischen sei, berichtete der SAP-Chef dann von seinen eigenen Erfahrungen als Patient im US-Gesundheitssystem.

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Bill McDermott sprach über seinen schweren Unfall. Quelle: SAP

Bill McDermott sprach über seinen folgenschweren Unfall.

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In seinem Fall seien unter anderem Experten für die Iris, die Netz - und die Hornhaut des Auges tätig gewesen. Die ohne Frage alle hart gearbeitet hätten. Er hatte allerdings den Eindruck, dass keiner der vielen Spezialisten sich umfassend miteinander ausgetauscht hätte, es keine aktuelle, zentrale Krankenakte gab. „In jedem Meeting musste man die ganze Geschichte nochmal von vorn erzählen“, kritisiert McDermott. „Das ganze System ist nicht auf Zusammenarbeit ausgelegt.“

In etlichen Fällen hätten sich die Ärzte zwar untereinander verständigt, unter anderem mit Kurznachrichten in Echtzeit. Aber alle diese Notizen wurden nicht zentral gesammelt, so dass niemand diese Informationen vergleichen und genau nachvollziehen konnte, was und vor allem warum es in den Tagen zuvor getan wurde.

„Niemandem scheint der Fall genau zu gehören, außer dem Patienten“, konstantiert McDermott. „Der Patient hat allerdings, wie in meinen Fall, üblicherweise keine medizinischen Fachkenntnisse. Das Internet ist dann plötzlich die Hauptinformationsquelle und ich bin mir nicht sicher wie gut das ist.“

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Das habe ihn darin bestärkt, dass man im Gesundheitswesen einen neuen Ansatz brauche, „eine neue Architektur für den Umgang mit strukturierten und unstrukturierten Daten.“

SAP ist seit ungefähr drei Jahren stärker in der Gesundheitsbranche involviert, die etwa 30 Prozent aller Daten weltweit erzeugt. Der Softwarekonzern sieht Einsatzmöglichkeiten für seine superschnelle Datenbank Hana, um diese Daten zusammenzuführen und zu analysieren.

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SAP-Chef Bill McDermott Quelle: dpa Picture-Alliance

Peter Yu, ehemaliger Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie, warnt allerdings, von der Datenauswertung zu viel zu erwarten, vor allem was neue Heilungsansätze angehe. „Je mehr wir forschen, umso stärker scheint, dass die Ursachen für den Ausbrauch von Krankheiten viel komplexer sind als gedacht“, so der renommierte Krebsspezialist.

Viele Ärzte würden sich zudem beschweren, dass sie kaum noch Zeit für Gespräche mit Patienten hätte, weil der Umgang mit der Technik so viel Zeit benötige. Was vor allem an schlechter Benutzerführung liege und dem aufwändigen Eingeben von Abrechnungsinformationen, um die Krankenversicherungen zufriedenzustellen. Die Industrie, so appellierte Yu an McDermott, könne allerdings schon sehr viel mit besseren Benutzeroberflächen erreichen.

Ärzte sollen effizienter arbeiten können

Im stärkeren Automatisieren von Routinen erwartet auch Carlos Bustamante, Professor für Genetik an der Stanford School of Medicine, den schnellsten Fortschritt. So wie heute der Blutdruck oder der Puls vom Patienten selber langfristig und vorbeugend aufgezeichnet werden kann. „Solche Sachen sparen dem Doktor eine Menge Zeit, die er dann für den Patienten verwenden kann.“

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Bustamante erwartet, dass künftig der Patient viel mehr Druck machen wird, die über ihn verfügbaren Daten zusammenzuführen und nach den modernsten Methoden auszuwerten. Das paternalistische System der Medizin sei vorbei, seit Unternehmen wie 23andMe und Theranos das Auswerten von Genen beziehungsweise Blut normalen Kunden offerieren.

Das sieht auch McDermott so. Künftig werde der Patient viel mehr aktiv fordern, welche Daten über ihn ausgewertet werden können und sollten. Vor allem, wenn er sich davon bessere Therapieansätze verspreche. Die Zeiten, wo man alles mit behördlichen Auflagen entschuldigen könne, seien vorbei. „Der Patient wird aufstehen und sagen: „Ich will das aber so haben!“, ist der SAP-Chef überzeugt.

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