SAP: Dieser Arzt soll für SAP den Medizinmarkt erobern

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SAP: Dieser Arzt soll für SAP den Medizinmarkt erobern

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David Delaney will als Medizinchef von SAP den Gesundheitsmarkt erobern.

von Matthias Hohensee

David Delaney kämpfte als Arzt auf der Intensivstation des Harvard-Hospitals gegen den Tod. Nun ist er Medizinchef des deutschen Softwarekonzerns. Seine Mission: den Gesundheitsmarkt für das Unternehmen zu erobern.

Helfen liegt David Delaney in den Genen. Sein Vater war Pastor, seine Mutter Sozialarbeiterin. Sie bestärkten ihren Sohn in seinem Wunsch, Arzt zu werden, für die ganz schweren Fälle; so wurde er der erste Mediziner in der Familie. Dabei fesselte ihn eine weitere große Leidenschaft ähnlich: Computer.

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Genauer gesagt ein Commodore 64, der Volkscomputer der frühen Achtzigerjahre. „Ich weiß nicht, wie viel Rasen ich in der Nachbarschaft gemäht habe, bis ich das Geld zusammenhatte“, sagt der Amerikaner, schließt die Augen und beschreibt verträumt lächelnd das Objekt der Begierde. „Ohne Festplatte, mit Magnetband als Speicher.“ Was aber ausreichte, um das Programmieren zu erlernen und sich so später einen kleinen Teil seines Studiums als Internist und Intensivmediziner mit Harvard-Abschluss zu finanzieren.

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35 Jahre nach dem Kauf des Commodore-Klassikers ist Delaney aus seinem Wohnort Boston zu den regelmäßigen Besprechungen in die 5000 Kilometer entfernte US-Zentrale seines Arbeitgebers in Palo Alto geflogen und reflektiert in einem sonnendurchfluteten Besprechungsraum seine Jugendträume. Beide hat er nicht nur verwirklicht, sondern zusammengeführt. Der 48-jährige Spezialist für Intensivmedizin arbeitet nun für SAP, einen der größten Softwarekonzerne der Welt, als Chief Medical Officer.

Dass dieser einen obersten Mediziner zu einem seiner Hoffnungsträger gekürt hat, hat viel mit dem Schicksal von Konzernchef Bill McDermott zu tun. Im vergangenen Jahr verlor dieser sein linkes Auge bei einem Unfall. Mehrere Spezialisten kämpften um dessen Rettung. McDermott schwärmte danach einerseits von einem „System, das sich unglaublich kümmert“. Andererseits fühlte er sich auch allein gelassen, weil er den Eindruck hatte, dass „niemandem außer mir der Fall richtig gehörte“. Bei fast jeder neuen Visite musste McDermott seine Krankengeschichte neu erzählen. Eine zentrale Akte gab es nicht und in der Folge keine Ärzte, die vernetzt zusammenarbeiteten. Das will McDermott nun ändern. „Wir brauchen eine neue Architektur im Umgang mit strukturierten und unstrukturierten Daten“, sagt er. Und die will er zusammen mit Delaney durch SAP schaffen.

Der Digitalisierung der Gesundheitsbranche haben sich freilich alle Schwergewichte der Branche verschrieben, von IBM über Microsoft bis hin zu Oracle. Allein das globale Geschäft mit der Datenanalyse im Gesundheitswesen, schätzt das Marktforschungsunternehmen Stratistics, soll bis zum Jahr 2022 von 6,8 auf 32,4 Milliarden Dollar steigen.

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