SAP-Hauptversammlung: Aufregung hinter der glänzenden Fassade

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SAP-Hauptversammlung: Aufregung hinter der glänzenden Fassade

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Der Vorstand des Softwareherstellers SAP. Das Unternehmen scheint seine hoch gesteckten Ziele für 2013 erreichen zu können, aber es gibt auch offene Fragen

von Michael Kroker

Trotz guter Zahlen gibt’s beim Walldorfer Softwarekonzern einige Fragen, mit denen die Aktionäre heute dem SAP-Management in Mannheim auf den Zahn fühlen.

Seit 10 Uhr hält der Softwarekonzern SAP in der gleichnamigen Arena in Mannheim seine alljährliche Hauptversammlung ab. Auf den ersten Blick steht dem SAP-Management um die beiden Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott dabei ein eher ruhiges Aktionärstreffen bevor.

Immerhin konnten Snabe und McDermott im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekordzahlen beim Umsatz (16,3 Milliarden Euro) und Lizenzumsätzen (5 Milliarden Euro) präsentieren – der Konzern scheint auf bestem Wege, die hoch gesteckten Ziele für das Jahr 2015 zu erreichen, etwa 20 Milliarden Euro Gesamtumsatz und Cloud-Erlöse in Höhe von zwei Milliarden Euro.

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Pressemitteilung am Freitagnachmittag

Doch hinter der glänzenden Fassade gibt’s durchaus einige Themengebiete, über die die Anteilseigner Auskunft verlangen werden. Etwa darüber, was die genauen Gründe für die Ende Mai verkündeten Personalrochaden sind.

So hatte SAP kürzlich bekannt gegeben, dass Technik-Vorstand Vishal Sikka künftig die gesamte Technologieentwicklung verantwortet. Und ganz am Ende noch eingestanden, dass Personalchefin Luisa Delgardo und Cloud-Vorstand Lars Dalgaard das Unternehmen verlassen. Mag man da an Zufall denken, dass jene Pressemitteilung an einem Freitagnachmittag versendet wurde?

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Intern hört sich der Abgang des einst als Hoffnungsträger über den Zukauf des Cloud-Anbieters SuccessFactors zu SAP gekommenen Dalgaard nämlich längst nicht so harmonisch an, wie es die Worte von Snabe und McDermott glauben machen wollen. Von diversen irrlichternden E-Mails aus der Ferne ist da die Rede – und dass viele Mitarbeiter letztlich froh über Dalgaards Abgang seien.

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Aber auch andere Personalien haben in jüngster Zeit für Aufregung gesorgt – zumindest im Unternehmen, etwa die Zusammenlegung von Marketing und Kommunikation. Oder die Berufung von Victoria Clarke als neue Kommunikationschefin – die erste Amerikanerin auf diesem Posten, und eine stramme Republikanerin obendrein. Dies nährt intern Befürchtungen, der Schwerpunkt des Unternehmens wandere zunehmend in die USA.

Das wiederum dürfte auch die Aktionäre interessieren. Man darf gespannt sein, was die von SAP-Mitgründer und –Aufsichtsratsboss Hasso Plattner geleitete Veranstaltung heute an neuen Erkenntnissen bringt. Auch darüber, wie es mit den jüngsten Milliardenübernahmen SuccessFactors und Ariba weitergehen soll.

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