Scott Thompson: Yahoo-Chef steckt in der Klemme

Scott Thompson: Yahoo-Chef steckt in der Klemme

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Yahoo-Chef Thompson steht unter Druck.

von Matthias Hohensee

Dem neuen Yahoo-Chef Scott Thompson bleibt nicht viel Zeit, den Niedergang der einstigen Internet-Ikone zu stoppen.

Freunde hat sich Scott Thompson nicht gemacht, als er Anfang Januar überraschend den Chefposten bei Yahoo übernahm. So war das Management seines Ex-Arbeitgebers Ebay, dessen wachstumsstarke Bezahlsparte Paypal Thompson leitete, verschnupft über den abrupten Wechsel des 54-Jährigen.

Facebook fühlt sich derweil erpresst, weil Thompson mitten in den Vorbereitungen zum Börsengang des sozialen Netzwerks Lizenzzahlungen wegen angeblicher Verletzung von Yahoos Patenten fordert und wie angekündigt klagt. Der chinesische Internet-Tycoon Jack Ma, der Yahoo aus seinem Online-Händler Alibaba herauskaufen wollte, ist verärgert, weil die Amerikaner ständig mit neuen Forderungen kommen. Yahoo-Gründer Jerry Yang ist im Zorn aus dem Unternehmen geschieden. Talente verlassen Yahoo in Scharen, seit Gerüchte über Massenentlassungen die Runde machen. Zu allem Überfluss sitzt Thompson ein renitenter Hedgefondsmanager namens Daniel Loeb im Nacken. Der will auf der wohl im April stattfindenden Hauptversammlung eine Palastrevolution anzetteln und eigene Leute im Yahoo-Aufsichtsrat installieren.

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Kurz: Thompson ist bei Yahoo in ein Fegefeuer geraten. Gerade mal zehn Wochen im Amt, wird er von allen Seiten zerrieben. Die Aktie ist derweil um weitere acht Prozent gefallen. Eine Strategie, wie er der gestrauchelten Internet-Ikone mit ihren weltweit rund 14 000 Mitarbeitern auf die Beine helfen will, ist weder für Außenstehende noch für viele der Mitarbeiter erkennbar.

Schwäche bei der Suche

Das Hauptproblem: Stärker denn je wird Yahoo von Google und Facebook in seinem Kerngeschäft, dem Verkauf von Online-Anzeigen, in die Zange genommen. Yahoo lässt sich in dieser Domäne nicht nur von Facebook die US-Marktführerschaft abnehmen, auch Google hat sich vorbeigeschoben, und der Abstand wird stetig größer. Facebook wird Yahoo 2012 höchstwahrscheinlich sogar beim Umsatz überrunden.

Generell genießt der aus Boston stammende Thompson, der einen Abschluss in Buchhaltung und Informatik hat, einen guten Ruf im Silicon Valley. „Bei Paypal hat er einen klasse Job gemacht“, lobt Internet-Analyst Benjamin Schachter von der australischen Investmentbank Macquarie.

Doch Entscheidungen der glücklosen Vorgängerin Carol Bartz engen Thompsons Handlungsfreiheit ein. Die hatte im Sommer 2009 eine langjährige Allianz mit Microsoft vereinbart. Seit Sommer 2011 betreibt Microsoft Yahoos Suchmaschine in den wichtigsten Märkten weltweit und entwickelt diese weiter. Gemeinsam vermarktet man die suchbasierten Anzeigen.

Sturz einer Internet-Ikone: Umsatz- und Gewinnentwicklung von Yahoo, Werbeaufkommen und Konkurrenz-Situation. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Sturz einer Internet-Ikone: Umsatz- und Gewinnentwicklung von Yahoo, Werbeaufkommen und Konkurrenz-Situation. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Doch durch die wachsende Dominanz von Google ist der Marktanteil von Yahoo unter den Suchmaschinen stetig geschrumpft: Von Juli 2010 bis Januar 2012 fiel er weltweit von 9,2 auf 6,2 Prozent, so der US-Marktforscher Comscore. In Deutschland dominiert Google die Internet-Suche sogar mit 96 Prozent Anteil. Hier ist Yahoo unter ein Prozent abgerutscht, Microsofts Bing geht es mit 1,1 Prozent nicht viel besser. In den USA kommt die Allianz noch auf 29,3 Prozent Marktanteil.

Das schlechte Abschneiden ist problematisch für Microsoft und Yahoo, weil suchbasierte Anzeigen bei Werbekunden gefragt und deshalb lukrativ sind. Sollte die Vermarktungsallianz nicht fruchten oder stagnieren, schadet das vor allem Yahoo. Denn für den Softwarekonzern ist Online-Werbung kein Kerngeschäft. Konzernchef Steve Ballmer steht unter Druck, die Verluste in der Online-Sparte einzudämmen und notfalls aus dem Suchmaschinenmarkt auszusteigen. Das würde sogar Google schaden, das dann im Suchgeschäft keinen ernsthaften Konkurrenten mehr hätte und noch mehr Ärger mit den Wettbewerbshütern. Für Yahoo wäre der Verlust des Technologiepartners fatal.

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