Snapchat: Aktie stürzt nach Milliardenverlusten ab

Snapchat: Aktie stürzt nach Milliardenverlusten ab

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Keiner hat ein Interesse an einem, Absturz der Aktie.

von Matthias Hohensee

Die Snap-Aktie ist nach Bekanntgabe der Quartalszahlen eingebrochen. Das macht sie wieder interessant, denn die beteiligten Banken und selbst Konkurrent Facebook haben kaum Interesse daran, dass sie ins Bodenlose fällt.

Wenn man Angst hat, soll man pfeifen. Das tat Snapchat-Chef Evan Spiegel zwar nicht, als er am Mittwochabend nach Vorlage der ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen von einem Analysten gefragt wurde, ob er Angst vor Facebook habe. Schließlich kopiert das größte soziale Netzwerk der Welt seit Herbst vergangenen Jahres schamlos seinen kleinen Konkurrenten aus Los Angeles, beispielsweise dessen „Stories“ Funktion, mit der Nutzer 24 Stunden lang Bilder oder Videos mit ihren Freunden teilen und so unbeschwert den Moment zelebrieren können.

Stattdessen reagierte Spiegel mit Lachen. Das war seinen Aktionären zu diesem Zeitpunkt allerdings gründlich vergangen. Nach Börsenschluss stürzte die Snapchat-Aktie um bis zu 24 Prozent und damit fast auf den Ausgabepreis von Anfang März. Es war vor allem eine Kennziffer, die die Snapchat-Aktie in den Sinkflug schickte: 166 Millionen. Das sind die täglichen Nutzer des sozialen Netzwerks, davon sind rund siebzig Prozent unter 34 Jahre alt und weiblich. Immerhin 36 Prozent mehr als im Frühjahr 2016 und eine Zielgruppe, die Anzeigenkunden lieben. Doch das war, bevor Facebook im vergangenen Sommer die große Kopierkeule rausholte.

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Seitdem flaut das Nutzerwachstum bei Snapchat ab. In diesem Jahr hat die Foto-App nur acht Millionen neue Nutzer gewonnen, obwohl sie wegen des Börsengangs ständig in den Nachrichten war. Nun mögen sich die Snapchat-Nutzer nicht so für die Wall Street interessieren. Doch dann gibt es nur die Alternativen, dass Snapchat entweder nicht mehr hipp ist oder aber, dass Facebook endlich ein Rezept gefunden hat, um den ungeliebten Konkurrenten kaltzustellen. Wahrscheinlich ist eine Kombination von beidem. All das ist für Snapchat beunruhigend. Da hilft auch nicht, dass das Unternehmen seinen Umsatz im ersten Quartal auf 149,7 Millionen Dollar steigern konnte, immerhin fast viermal mehr als die 38,8 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Analysten hatten mit etwas mehr, etwa 158 Millionen Dollar, gerechnet, auch weil man mit mehr Anzeigengeschäft durch die erhöhte Aufmerksamkeit durch den Börsengang rechnete. Das Umsatzwachstum hat zudem gekostet, der Verlust hat sich mit 188 Millionen Dollar fast verdoppelt.

Soziale Medien Snap wagt Börsengang

Das US-Start-up Snap hat seinen Börsengang offiziell angekündigt. Dessen Konditionen sind harter Tobak für Anleger. Auch die Nutzerzahlen sind Anlass zur Sorge.

Das Logo von Snapchat. Quelle: REUTERS


Spiegel hat diese Woche bereits mit Neuerungen reagiert. Mit „limitless snaps“ können Fotos und Videos jetzt auch ohne Zeitlimit versendet werden. Sie löschen sich dann nicht mehr kurz nach dem Betrachten, sondern bleiben so lange sichtbar, bis der Empfänger entscheidet, sie zu löschen. Ob das neue Nutzer anlockt und Bestehende bei der Stange hält, wird sich erst in den nächsten Quartalszahlen zeigen. Aber es ist auch eine gefährliche Strategie. Das automatische Löschen war genau das, was Snapchat so besonders machte. Nun droht die Gefahr, dass es zu einer Art Facebook/Instagram wird, nur eben mit weitaus weniger Nutzern.
Spiegel und sein Mitgründer Bobby Murphy haben trotzdem gut Lachen. Sie haben im März nicht nur einen für ihr Start-up sehr erfolgreichen Börsengang gestemmt, obwohl zu diesem Zeitpunkt schon sichtbar war, dass das Nutzerwachstum abflaute. Sie haben auch nur die stimmrechtslose Aktien veräußert und so weiterhin volle Kontrolle über ihr Unternehmen. Selbst wenn sie Snapchat gegen die Wand fahren, können sie weder gefeuert werden, noch müssen sie gegen ihren Willen einer Übernahme zustimmen. Das gibt dem Duo - Murphy ist für die Technik verantwortlich - eine Menge Freiraum für kreative Experimente. Genauso will Spiegel auch auf die Attacken von Facebook reagieren.

Nutzerzahlen sozialer Netzwerke

  • Facebook

    Eigentümer: Facebook, USA

    Nutzer: 1712 Millionen

    Quelle: Statista

    Stand: 2016

  • Whatsapp

    Eigentümer: Facebook, USA

    Nutzer: 1000 Millionen

  • Facebook Messenger

    Eigentümer: Facebook, USA

    Nutzer: 1000 Millionen

  • QQ

    Eigentümer: Tencent, China

    Nutzer: 899 Millionen

  • WeChat

    Eigentümer: Tencent, China

    Nutzer: 806 Millionen

  • QZone

    Eigentümer: Tencent, China

    Nutzer: 652 Millionen

  • Tumblr

    Eigentümer: Yahoo, USA

    Nutzer: 555 Millionen

  • Instagram

    Eigentümer: Facebook, USA

    Nutzer: 500 Millionen

  • Twitter

    Eigentümer: Twitter, USA

    Nutzer: 313 Millionen

  • Viber

    Eigentümer: Rakuten, Japan

    Nutzer: 249 Millionen

  • Line

    Eigentümer: Line Corp., Japan

    Nutzer: 218 Millionen

  • Snapchat

    Eigentümer: Snap, USA

    Nutzer: 200 Millionen

  • LinkedIn

    Eigentümer: Microsoft, USA

    Nutzer: 106 Millionen

  • Pinterest

    Eigentümer: Pinterest, USA

    Nutzer: 100 Millionen


Klar ist, dass die am Börsengang beteiligten Banken – neben Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan auch die Deutsche Bank – kein Interesse daran haben, dass Snapchat ins Bodenlose fällt. Das würde die geplanten Börsengange von Internet-Unternehmen wie Pinterest, Dropbox, Airbnb oder Uber zusätzlich erschweren. An einem Scheitern hat noch nicht einmal der große Konkurrent aus dem Silicon Valley Interesse. Denn das würde eine Diskussion lostreten, ob Facebook bereits zu viel Macht hat. Anzeigenkunden und traditionelle Medienunternehmen haben außerdem ein Interesse daran, dass es ein Gegengewicht zu Facebook gibt. Disney ist bereits einer der wichtigsten Snapchat-Geschäftspartner und wird als Kaufinteressent gehandelt, sofern Spiegel und Murphy sich dafür erwärmen können.
Das macht die Snapchat-Aktie nach der Kurskorrektur wieder interessant. Zumal das Anzeigengeschäft noch in den Kinderschuhen steckt und stärker automatisiert werden soll. Anleger müssen sich nur von der Illusion lösen, dass sie irgendetwas beeinflussen können. Aber das ist bei Facebook auch nicht anders.

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