Social Media: Facebook droht Twitter abzuhängen

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Social Media: Facebook droht Twitter abzuhängen

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Die Internetseiten von Twitter und Facebook

von Stefan Hajek

Facebook legt erneut beeindruckende Zahlen vor, dagegen offenbart Twitters Geschäftsmodell zusehends seine Schwächen. Es kommen zu wenige neue User, die alten gehen teilweise zu früh wieder. Angeblich will Twitter deshalb einen der schnell wachsenden Musik Streaming Dienste kaufen. Das aber wollen derzeit viele.

Facebook hat vorgelegt, Twitter wird am 29. Juli nachlegen; die beiden Social Media Giganten berichten in dieser Woche über ihren Geschäftserfolg im ersten Halbjahr 2014.

Facebook kann weiter glänzen: Das elektronische Poesiealbum hat inzwischen weltweit 1,32 Milliarden aktive Kunden. Der Umsatz im zweiten Quartal um 61 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar; Gewinn macht Facebook auch, vor allem dank Werbung, aber zunehmend auch durch den Verkauf wertvoller Nutzerdaten an Kunden wie die Werbeindustrie.

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Ganz anders die Lage bei Twitter,  dem auf Kurznachrichten spezialisierten Sozialen Netzwerk.

Anders als Facebook hat Twitter offenbar erhebliche Probleme, sein Wachstumstempo beizubehalten. Und es kracht hinter den Kulissen: In den vergangenen Wochen hat das Soziale Netzwerk Twitter gleich zwei Vorstände ausgetauscht.

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Facebook droht Twitter weiter abzuhängen

Problem: Das Wachstum der Neu-Nutzer schwächt sich bei dem noch jungen Unternehmen schon ab, vor allem hinkt es dem Facebooks weit hinterher. Am 29. Juli meldet Twitter seine Quartalszahlen, der schon in den vergangenen Quartalen absehbare Trend dürfte sich dann manifestieren.

Nutzerzahlen sickerten schon durch: Zwar könnte sich die Zahl der Twitter-Anwender im Laufe des Jahres 2014 noch auf 227 Millionen erhöhen , schätzen die Marktforscher von e-Marketer; Twitter selbst geht gar von 235 Millionen mindestens einmal im Monat aktiven Nutzern aus, erfasst die so genannten „monthly active Users“ (MAU) aber etwas anders als der unabhängige Marktforscher. Per Ende 2013 waren es jedenfalls nur 183 Millionen Nutzer.

Bedenklich dabei: Die Wachstumsrate dürfte weiter zurückgehen , sie lag noch 2012 bei 50 Prozent pro Jahr, dürfte sich 2014 auf die Hälfte, 24,4 Prozent, halbiert haben.

Twitter kann mit dem Rivalen Facebook nicht mithalten. Dessen Wachstum war, als das 5 Jahre früher gegründete Facebook so alt war wie Twitter heute, noch wesentlich höher.

Mobile Werbung boomt Gute Zahlen katapultieren Facebook-Aktie auf Allzeithoch

Facebook kann immer mehr Werbung auf Smartphones und Tablets platzieren und hat seinen Umsatz deshalb unerwartet deutlich um mehr als 60 Prozent gesteigert. Zudem legte die Zahl der Nutzer auf 1,32 Milliarden zu.

Facebook lockt immer noch mehr als eine Milliarde Menschen auf die Plattform. Quelle: REUTERS

Gründe für die Wachstumsschwäche

Mehr und mehr zeigt sich: Twitter als eher broadcasting-orientiertes Medium (wenige twittern, viele lesen) ist einfach nicht für so viele Leute interessant wie Facebook, das mehr als Kommunikationsmedium unter Gleichen verwendet wird. Facebook hat bereits 1,26 Milliarden Kunden.

Dazu kommt: Anders als Facebook, das bereits erhebliche Einnahmen aus dem Verkauf von Nutzerdaten generiert, verdient Twitter fast nur mit Werbung.

Es fehlen andere Angebote, die sich zu Geld machen lassen.

Am besten Inhalte dazukaufen

Immer wieder aufkeimende Gerüchte können deshalb nicht verwundern, Twitter wolle es Facebook gleichtun, und seinen (noch) hohen Aktienkurs nutzen, um Neu-Kunden und interessante Inhalte zuzukaufen. Facebook kaufte unter anderem im Februar den SMS-Killer WhatsApp für 18 Milliarden Dollar und setzt bei seinen  Akquisitionen gern die eigenen Aktien als Kaufwährung ein.

Bevorzugtes Ziel Twitters soll ein Musikstreaming-Dienst sein, der es Nutzern ermöglicht, Musik unbegrenzt über das Web abzurufen, am PC ebenso wie am Smartphone. Streaming-Dienste wie Spotify, Wimp, Simfy oder Deezer schießen wie Pilze aus dem Boden, sie melden rasantes Kundenwachstum.

Viele Investoren zweifelten daran, ob Facebook mit Handy-Werbung Geld verdienen kann. Jetzt beweist das Soziale Netzwerk, dass es sich sogar eine goldene Nase damit verdienen kann. Die Werbekunden rennen dem Unternehmen geradezu die Tür ein.

Konkret soll Twitter am Berliner Startup Soundcloud gesteigertes Interesse gehabt haben, soll aber eine exklusive Vorkaufsrecht-Deadline Anfang des Monats verstreichen lassen haben. Soundcloud sieht sich als „Youtube für Klang“; anstatt Videos stellen die Nutzer, meist Amateurmusiker ohne Plattenvertrag, dort ihre Sounddateien ein, um auf diese Art ein Publikum zu finden;  passive User streamen, kommentieren und bewerten die Stücke. Für den Massenmarkt- und damit die Werbeindustrie würde soundcloud aber nur interessant, wenn auch copyrightgeschützte, massentaugliche Musik abrufbar wäre. Angeblich verhandeln die Berliner deswegen nun mit Plattenfirmen über Streaming-Lizenzen. In der Tat scheint es aber schwierig, aus dem Konzept eine Gewinnmaschine a la Youtube oder iTunes zu machen. Es ähnelt eher dem Konzept der Selbstvermarktungs-Plattform mySpace, die sich nicht durchsetzen konnte und letztlich den Großteil seiner aktiven User an Facebook verlor.

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