Bild: dpaÜber die Vermögenssteuerpläne der SPD
„Dann kommen wir zu den Sozialdemokraten. Die wollen nur 0,5 Prozent pro Jahr – das bedeutet, wenn man es durchrechnet: Obwohl ich sehr reich bin und ein hohen Anteil an SAP besitze, die Zahlen sind ja öffentlich, würde ich ein negatives Einkommen haben. Das heißt: Ich verdiene ein paar Millionen, bezahle aber Steuern, die höher als diese Einkünfte sind. Sie als Amerikaner müssen verstehen, dass Warren Buffet nur 15 Prozent Steuern bezahlt, dass Mitt Romney nur 14,irgendwas Prozent bezahlt. Aber Sie können nicht verstehen, was die Deutschen da vorhaben.“
Bild: dpaÜber die Zukunftssoftware Business By Design
„Wir befinden uns im fünften Jahr des Umbaus, und insgesamt sind’s ja sogar schon zehn Jahre. Da sollte jeder Beteiligte mal in den Spiegel schauen und sich fragen: ,Was machen wir hier eigentlich?‘ “
Bild: dpaÜber die Vermögenssteuerpläne der Linken
„Sahra Wagenknecht, eine der Führerinnen der Linken, möchte alle Vermögen halbieren. Das würde in meinem Fall beim aktuellen Kurs rund drei Milliarden Dollar bedeuten, die ich an den Staat bezahlen müsste – auf einen Schlag. Ich bin zu den Chefs der drei wichtigsten Parteien gegangen und habe ihnen gesagt: Wenn das passiert, bedeutet das den sofortigen Tod von SAP in Deutschland – nicht des Unternehmens. Denn: Wer sollte meine Aktien kaufen? Das kann ich Ihnen verraten: China. Der chinesische Staat hat bereits verkündet, er wolle eine zehnprozentigen Anteil an SAP.“
Bild: dpaÜber die Unterschiede zwischen traditioneller und Internet-basierter Software
„Ich hatte eigentlich angenommen, spätestens im Jahr 2000 wird die Zeit vorbei sein, in der wir Dingen entwickeln können, die die Kunden eigentlich gar nicht wollen. Aber beim Cloud-Geschäft existiert man schlicht nicht mehr, wenn die Kunden im Internet nicht zugreifen.“
Bild: dpaÜber die Vermögenssteuerpläne der Grünen
„Die nächste Partei sind die Grünen. Sie fordern 1,5 Prozent pro Jahr in den nächsten zehn Jahren. Das macht also 15 Prozent. Um das zu finanzieren, muss man Aktien verkaufen, ich würde schätzen zwei Prozent pro Jahr; also 20 Prozent in zehn Jahren. Einer kauft die auf – aber niemand aus Deutschland, denn keiner kauft Aktien und bezahlt 1,5 Prozent jährlich Steuern auf den Aktienkurs. Denn das sind intelligente Deutsche.“
Bild: dpaÜber die Folgen einer Vermögenssteuer in Deutschland
„Eine gewisse Zeitlang würden diese Pläne die Unternehmen nicht groß stören – aber es würde die Besitzstände der Unternehmen verändern. Die Eigentümer der großen Konzerne würden in Richtung China, Golf-Staaten und Amerika wechseln. Eine Umverteilung der Besitztümer also, vielleicht sogar ähnlich wie jener nach dem zweiten Weltkrieg.“
Bild: dpaÜber die Technologie-Anforderungen für das künftige Cloud-Geschäft
„Es gibt durchaus auch interessante Technologien innerhalb der SAP: Das startet mit Mobile, dazu gehört vermutlich auch die Datenbank, gewiss auch Hana und die In-Memory-Technogie – wir haben also einige Schätze in der SAP. Eine 20 Jahre alte Technologie aber, die ständig verbessert wurde und die ein Arbeitspferd ist, ist nicht mehr gut genug, um daraus Cloud-Anwendungen zu basteln, die mit Salesforce.com konkurrieren sollen.“
Bild: dpaRatschlag an die Entwickler des jüngst zugekauften Anbieters von Cloud-Software SuccessFactors
„Wenn euch irgendwer aus Walldorf eine Technologie spendieren will, schaut euch das Geschenk gut an – und lehnt es im Zweifelsfall ab. Nur die Deutschen verstehen, dass weniger mehr ist, sind sie in der Cloud-Welt herzlich willkommen.“
Bild: REUTERSVergleich von alten und neuen Software-Lösungen innerhalb der SAP
„Es gibt Produkte bei SAP, die sind weder praxistauglich noch begehrenswert und attraktiv für den Kunden – und wir verkaufen sie dennoch. Genau das wird in der Ära von Cloud Computing nicht mehr funktionieren.“
Bild: dpaÜber die Politik in Deutschland
„Es ist einfacher, Geschäfte im kommunistischen China zu machen als in Deutschland. Als Konsequenz aus der Finanzkrise marschieren einige deutsche Politiker in meinen Augen in die völlig falsche Richtung. Wir können inzwischen feststellen, dass der Einfluss der Vordenker der DDR niemals stärker als heute war. Ich spreche ausschließlich von Parteien im Bundestag, nicht irgendeiner außerparlamentarischen Opposition.“
Über die Vermögenssteuerpläne der SPD
„Dann kommen wir zu den Sozialdemokraten. Die wollen nur 0,5 Prozent pro Jahr – das bedeutet, wenn man es durchrechnet: Obwohl ich sehr reich bin und ein hohen Anteil an SAP besitze, die Zahlen sind ja öffentlich, würde ich ein negatives Einkommen haben. Das heißt: Ich verdiene ein paar Millionen, bezahle aber Steuern, die höher als diese Einkünfte sind. Sie als Amerikaner müssen verstehen, dass Warren Buffet nur 15 Prozent Steuern bezahlt, dass Mitt Romney nur 14,irgendwas Prozent bezahlt. Aber Sie können nicht verstehen, was die Deutschen da vorhaben.“
Hasso Plattner war in seinem Element, wie ihn bisher nur wenige erlebten. „Wir befinden uns im fünften Jahr des Umbaus“, polterte er vor Mitarbeitern in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien, „insgesamt sind’s ja sogar schon zehn Jahre.“ Der Ätzton galt den Kollegen in der Konzernzentrale im fernen badischen Walldorf, die Plattners Hoffnungsträger, die Zukunftssoftware Business By Design, mit Ach und Krach sowie rund 18 Monate verspätet auf den Markt brachten. „Da sollte jeder Beteiligte mal in den Spiegel schauen und sich fragen: ,Was machen wir hier eigentlich?‘ “
Mindestens so böse klang, was der 68-Jährige schon fast Weißhaarige den neuen Kollegen des US-Softwarehauses SuccessFactors riet, die seit Anfang Dezember zu seinem Reich gehören. Die Amerikaner sind spezialisiert auf Software, die der Nutzer aus dem Internet abruft, statt sie auf dem eigenen Rechner zu installieren, kurzum: auf das sogenannte Cloud Computing. Auch das gilt als Geschäft mit großen Wachstumschancen.
Wo der Spargel wächst
Und auch hier sandte Plattner nur Spott heim über den Atlantik. „Wenn euch irgendwer aus Walldorf eine Technologie spendieren will, schaut euch das Geschenk gut an – und lehnt es im Zweifelsfall ab“, ermunterte er die Amis. Denn nur, „wenn die Deutschen verstehen, dass weniger mehr ist, sind sie in der Cloud-Welt herzlich willkommen“. Die Schlussfolgerung, dass die Germans andernfalls dort versauern sollten, wo der Spargel wächst, ersparte sich Plattner zwar. Die amerikanischen SAPler verstanden den Spott trotzdem – und johlten ihm zu.
Plattner ist einer der fünf Gründer sowie der amtierende Aufsichtsratschef von SAP, kurzum: Godfather der deutschen Softwareikone. Eigentlich war er locker drauf an diesem Tag Ende Februar. Das Video von seinem Auftritt an der amerikanischen Westküste, das im SAP-Intranet kursiert, zeigt ihn in einem grauen Troyer; unter dem Seglerpulli mit Reißverschluss trägt er ein türkisfarbenes Polohemd. Doch die Tonalität, die das Konzernurgestein an diesem Tag pflegte, enthielt keine Freizeitbotschaft, sondern eine knallharte Ansage: Bei SAP brechen neue Zeiten an, das Geschäft, wie es bis vor Kurzem noch lief, soll es künftig immer weniger geben.
Die Entwicklung von SAP
1972: Der Urknall
Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.
1973: Der Startschuss
Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.
1988: Die Expansion
Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.
1991: Der Megaseller
Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.
1998: Die Globalisierung
Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.
2007: Die Beschleunigung
SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.
2010: Der Neuanfang
Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.
2011: Der Angriff
Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.
Denn der passionierte Segler Plattner peitscht seine Mannschaft an zur vielleicht härtesten Kurskorrektur in den nunmehr 40 Jahren der Unternehmensgeschichte. SAP will mit seiner Software künftig nicht nur als biederer digitaler Buchhalter im Hintergrund Dinge wie Finanzwesen und Personalwirtschaft abwickeln. Das Ziel heißt, alle Bereiche des Wirtschaftslebens künftig mit SAP-Programmen abzudecken – sei es als App für Kundenbindung auf einem Smartphone oder Tablet-PC, sei es als schlanke Cloud-Lösung auf dem Laptop.
„Es gibt Produkte bei SAP, die sind weder praxistauglich noch begehrenswert und attraktiv für den Kunden – und wir verkaufen sie dennoch“, heizte Plattner seinen Leuten von Palo Alto aus ein. „Genau das wird in der Ära von Cloud Computing nicht mehr funktionieren.“ Auf gut Deutsch: Die neuen SAP-Programme sollen nicht mehr monströs und spröde daherkommen, sondern handlich, bedienerfreundlich, mobil – einfach sexy.
Der Auserkorene
Intern hat Plattner die Wende zumindest auf den Weg gebracht. Neben dem Kerngeschäft Unternehmenssoftware sind Cloud Computing, Mobil- und In-Memory-Technik – eine neuartige Form der Datenspeicherung – als neue Wachstumsmärkte von SAP identifiziert. Und auch erste Angebote gibt es. So verfügt SAP inzwischen über einen eigenen App Store im Internet. Ähnlich wie beim Vorbild Apple können Nutzer hier kleine Business-Apps auf Knopfdruck herunterladen. Immer mehr klassische SAP-Unternehmensanwendungen wandern in die Internet-Wolke. Anfang März auf der IT-Messe Cebit kam beispielsweise die Ankündigung, die Mittelstandssoftware Business One gebe es nun auch in der Cloud. Schließlich hat SAP seit Mitte 2011 ein erstes Datenanalyseprodukt im Angebot, dessen Kern, die In-Memory-Technik, künftig in alle Konzernprodukte Eingang finden soll.
„Das ist dann ein massiver Angriff in Richtung Oracle, aber auch IBM und Microsoft“, sagt Frank Naujoks, Marktbeobachter beim Schweizer Analysehaus I2S in Zürich, das auf Unternehmenssoftware spezialisiert ist.
Auserkoren, um diesen Angriff zu fahren, hat Plattner einen Newcomer im SAP-Imperium: Lars Dalgaard, Gründer und Chef des US-Softwareanbieters SuccessFactors, den SAP schluckte. Der 43-jährige Däne leitet ab sofort die gesamten Cloud-Aktivitäten von SAP, also auch die von Plattner gescholtenen Entwickler von Business By Design. Mit Dalgaard holt sich Plattner genau den Typ Manager ins Unternehmen, der seine IT-Visionen umsetzen kann. Dalgaard gilt als dynamisch und durchsetzungsstark. So hat er den Umsatz von SuccessFactors seit dem Börsengang im Jahr 2007 verdreifacht. Plattner hat Dalgaard dem SAP-Aufsichtsrats bereits für einen Posten im Konzernvorstand vorgeschlagen.
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