Softwareveteran fungiert als guter Diktator: Hasso Plattner peitscht SAP in die Zukunft

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Softwareveteran fungiert als guter Diktator: Hasso Plattner peitscht SAP in die Zukunft

von Michael Kroker

Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner peitscht Deutschlands Softwareikone von Potsdam und dem kalifornischen Palo Alto aus in die Zukunft. Die Erfolge sind unübersehbar, aber auch die Nachteile seiner manchmal erdrückenden Präsenz.

Hasso Plattner ist ein Mann mit zwei Gesichtern – und zwei Lebensmittelpunkten. Mal gibt der weißhaarige 69-Jährige den schon fast altehrwürdigen Softwareveteranen, an der Universität Potsdam, 50-S-Bahn-Minuten von Berlin.

Dort residiert in einer schmuck renovierten 111 Jahre alten Backsteinvilla das Hasso-Plattner-Institut (HPI), das sein Namensgeber 1998 gründete und bis heute mit zwölf Millionen Euro pro Jahr finanziert. In dem feinen Gemäuer hielt er in der vergangenen Woche wieder eine Blockvorlesung auf Englisch, diesmal über „Trends and Concepts in the Software Industry“. Das Wetter war sommerlich, der Herr Professor locker unterwegs im hellblauen Leinenhemd ohne Krawatte und gut gelaunt.

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Grafik "Weltmarktführer aus Walldorf"

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Doppelter Hasso

Der andere Plattner ist der Mitgründer und Chefkontrolleur des deutschen Softwarekonzerns SAP, der visionär und von den USA aus das Unternehmen in die Zukunft peitscht. So wie vor einem Jahr auf einer Versammlung in der SAP-Niederlassung im kalifornischen Palo Alto. Die Haare lang und durcheinander, sitzt Hasso auf einem Hocker vor den US-Mitarbeitern, mit schnoddrigem, grauem Segel-Pullover über türkisblauem Polohemd. Anders als in Potsdam verbreitet er keine akademischen Nettigkeiten, sondern wettert in Richtung Konzernzentrale im badischen Walldorf. „Es gibt Produkte bei SAP, die sind weder praxistauglich noch begehrenswert und attraktiv für den Kunden“, schimpft er, „und wir verkaufen sie dennoch.“ Das werde in Zukunft nicht mehr funktionieren.

Der doppelte Hasso ist an einem Punkt seines Lebens angelangt, an dem es vermutlich um sein letztes ganz großes Projekt geht. Er, das Softwareurgestein aus der nordbadischen Provinz, hat die Arbeit an seinem Vermächtnis begonnen. Er will Deutschlands einzigen Weltmarktführer der IT-Branche, den Primus bei Unternehmenssoftware, den er 1972 zusammen mit vier Kollegen vom US-IT-Riesen IBM gründete, fit machen für die entscheidenden Felder der künftigen elektronischen Datenverarbeitung:

  • das Cloud Computing, bei dem Computerprogramme künftig nur noch gemietet und aus dem Internet abgerufen werden;
  • Big Data, die rasend schnelle Analyse gigantischer hochkomplexer Datenmengen.

Beide Themen gewinnen angesichts der Diskussion um Datenspionage eine besondere Brisanz, dennoch bleiben sie wichtige Wachstumstreiber für SAP.

Seit Plattner 2003 als Vorstandschef ausschied und auf den Aufsichtsratschefsessel wechselte, legt er den Job des Oberkontrolleurs eher amerikanisch aus und mischt sich ins Tagesgeschäft ein. Doch so aktiv wie derzeit hat er schon lange nicht mehr zugelangt. Den alternden Gründer treibt nichts Geringeres, als den Softwaredinosaurier SAP im 42. Jahr seines Bestehens noch einmal neu zu erfinden.

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