
Düsseldorf/BerlinRügenwalder Mühle, der Hersteller von Wurstwaren, setzt auf das Freundeportal Facebook. Für die neue Sorte "Genuss des Jahres 2011" rekrutierte der Wurstfabrikant Wursttester via Facebook. Zehn Kreationen stellte das Unternehmen auf Facebook vor und bat seine Fans um ihr Votum. Die Variante "Tomate-Rucola" bekam die meisten Stimmen - und erschien später sogar in den Supermärkten.
Die Möglichkeiten, die sich für Unternehmen auf Netzwerken wie Facebook, Twitter, Xing oder Pinterest bieten, erscheinen grenzenlos. Firmen wie Rügenwalder, Ritter Sport oder McDonald's ermuntern die Internetnutzer, neue Produktvariationen zu kreieren. Andere wie Starbucks rekrutieren ihre Nachwuchskräfte dort, und wieder andere wie Otto oder Kahla nutzen die Kanäle als Vertriebsweg.
Lange galten soziale Medien als lästiges Spielzeug, mit dem Mitarbeiter und Manager ihre Zeit verplemperten und nichts für ihr Unternehmen taten. Damit ist es nun vorbei. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom setzt inzwischen fast die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland soziale Medien ein. Weitere 15 Prozent haben konkrete Pläne, damit in Kürze zu beginnen. In den Netzwerken finden sie ihre Kunden: So hat Facebook allein in Deutschland in den letzten sechs Monaten fast zwei Millionen neue Nutzer gewonnen und hält damit die Spitzenstellung.
Der Lebensmittelkonzern Nestlé ist mit 250 Markenseiten auf Facebook vertreten. Immerhin zehn Prozent seines Werbebudgets wandern in die neuen Kommunikationskanäle. Dennoch: Obwohl die Unternehmen ihre Budgets für Social Media stetig aufstocken, stellt sich vielen immer wieder die Frage, wie hoch der Nutzen der Freundschaftsnetze wirklich ist.
Dazu präsentierte gestern das Marktforschungsunternehmen Millward Brown in Berlin eine Studie, die der Suchmaschinen-Gigant Google in Auftrag gegeben hat. Mit seinem Ableger "Google+" stellt der US-Konzern allerdings ein Pendant zu Facebook. Entsprechend positiv schnitten die virtuellen Poesiealben in der Einschätzung der Marktforscher ab: "Unternehmen erkennen zunehmend, dass soziale Netzwerke keine Gefahr für ihren Geschäftserfolg darstellen", sagte Google-Manager Michael Korbacher.
„Unternehmen werden agiler und wettbewerbsfähiger“
„Entscheidungen können schneller getroffen werden“, wirbt Korbacher für die sogenannten sozialen Netzwerke, „die Unternehmen werden agiler und wettbewerbsfähiger.“
2700 Berufstätige ließ Google befragen, davon 40 Prozent Führungskräfte in sieben westeuropäischen Ländern. Es ging um Nutzungsverhalten und die Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. Das gestern vorgelegte Ergebnis: Zusammenarbeit und Wissensaustausch werden verbessert, mehr Ideen und Innovationen generiert, die Produktivität steigt.
Zudem seien es vor allem Führungskräfte, die häufig auf den Seiten von Facebook, Google+ und Co. surfen: Fast drei Viertel von ihnen klickten mindestens einmal pro Woche auf diese Seite, Untergebene dagegen nur zu knapp 50 Prozent.
Die Google-Studie ist nicht der erste Versuch, den wirtschaftlichen Nutzen der Freundschaftsnetze zu messen. Anfang des Jahres konstatierte die Wirtschaftsprüfung Deloitte: Die Plattform ist "ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", sie ermögliche allein in Europa einen Umsatz von 32 Milliarden Euro und die Schaffung von 232 000 Arbeitsplätzen. In Auftrag gegeben worden war die Studie allerdings von Facebook.
Für Ernüchterung sorgte dagegen vergangene Woche die Beratungsfirma McKinsey. Sie verkündete nach einer Befragung: Die Firmen seien von einem gewinnbringenden Einsatz der sozialen Netzwerke noch weit entfernt. Das sieht auch General Motors so. Der US-Autokonzern werde künftig nicht mehr auf Facebook werben, weil die bezahlten Anzeigen bei den Nutzern kaum Wirkung zeigten, teilten Insider gestern mit.
























