Trends der IFA: Das Festival der Vernetzung

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Sie heißen Alexa oder Siri. Virtuelle Assistenten bringen uns bei, mit Maschinen zu kommunizieren. Und das ist erst der Anfang: Egal ob im Auto, Büro oder Zuhause immer mehr Geräte reagieren künftig auf unseren Sprachbefehl.

Trends der IFA: Das Festival der Vernetzung

, aktualisiert 31. August 2017, 12:00 Uhr
von Ina Karabasz und Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Kamera hört aufs Wort, der Staubsauger erkennt den Bodenbelag, die Uhr dient als Portemonnaie: Auf der IFA geht es nicht nur um Fernseher, sondern um vernetzte Geräte aller Art. Die Elektronikshow dient als Experimentierfeld.

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Die IFA ist eine Show für ausgefallene Gadgets und neue Konzepte.

BerlinDer graue Knopf wurde rot, Willy Brandts Teint nahm eine sommerliche Bräunung an: Vor 50 Jahren schaltete der damalige Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland das Farbfernsehen ein. Mit seinem symbolischen Knopfdruck auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 1967 in West-Berlin veränderte er, wie die Menschen die Welt sahen. Wenn sie denn schon die richtige Bildröhre ihr Eigen nennen konnten.

So historisch dürfte es nicht zugehen, wenn die Messe am morgigen Freitag zum 57. Mal ihre Pforten öffnet und nach zwei Fachbesuchertagen das allgemeine Publikum auf das Gelände unter dem Funkturm darf. Auch der Fernseher steht nicht mehr so im Mittelpunkt wie damals.

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Die IFA ist zu einer Bühne für vernetzte Produkte aller Art geworden, von smarten Uhren über vernetzte Thermostate und Türschlösser bis hin zu Smartphones und – natürlich – Smart-TVs. Was Gadgetfans und Messebesucher wissen müssen: die wichtigsten Trends im Überblick.

Rasante Evolution: Vernetzung

Die IFA ist eine Show für ausgefallene Neuheiten und Konzepte. Da gibt es eine Kamera, die aufs Wort hört; einen Haushaltsroboter, der selbst erkennt, ob er den Boden saugen oder wischen muss - oder Fernseher, die Sendungen der vergangenen Tage zeigen können, ohne dass der Zuschauer sie aufgenommen hat. All das ist nur möglich, weil die Geräte vernetzt sind: mit dem Smartphone und direkt mit dem Internet.

„Der Trend der Vernetzung steht über allem“, sagt Timm Lutter, Leiter des Bereichs Unterhaltungselektronik und digitale Medien beim IT-Verband Bitkom. „Die Geräte werden nach und nach alle miteinander verbunden.“

Einige Produktkategorien sind erst dadurch möglich geworden, etwa Wearables wie Computeruhren. Nun lässt sich nach der Einschätzung des Elektronikexperten ein evolutionärer Prozess beobachten: Mit Versuch und Irrtum finden die Hersteller heraus, welche Produkte auch sinnvoll sind.

Nicht alles, was auf der IFA zu sehen ist, wird sich durchsetzen, zumindest nicht auf dem Massenmarkt. Lutter nennt Computerbrillen als ein Beispiel: Google Glass sei bei vielen Menschen auf Skepsis gestoßen, weil sie nicht das Gefühl haben wollten, permanent gefilmt zu werden. Doch im kommerziellen Einsatz habe sich das Konzept bewährt, beispielsweise bei Monteuren oder Lagerarbeitern.

Wie ein Gemälde: Fernseher

Auch wenn das Smartphone immer dabei ist, auch wenn Netflix und Youtube nur einen Klick entfernt sind – auf einen Fernseher wollen viele Menschen trotzdem nicht verzichten. Für jeden Dritten ist das TV unverzichtbar, ergab eine Umfrage von TNS-Emnid vor einem Jahr.

Und eine aktuelle Umfrage von Samsung ergibt, dass vier von zehn Nutzern (41 Prozent) am liebsten gemeinsam mit dem Partner fernsehen und jeder Dritte (35 Prozent) mindestens einmal im Monat mit anderen Menschen Serien, TV-Events oder Sportereignisse schaut.

Streaming-Dienste fördern nach Ansicht von Samsung-Manager Kai Hillebrandt sogar die Nachfrage nach hochwertigen Fernsehern: „Serien wie ‚Game of Thrones‘ sind episch erzählt und bieten ein tolles Bilderlebnis – das macht Lust, sich wieder mehr mit Technologie zu beschäftigen.“ Nicht zuletzt, weil Anbieter wie Netflix experimentierfreudig sind und neue Standards früh ausprobieren - die hohe Auflösung Ultra-HD etwa, das Tonformat Atmos oder die Bildtechnik HDR.


Wearables werden nützlicher

Neben solchen technischen Verbesserungen wird auf der IFA das Design eine große Rolle spielen. Samsung präsentiert das TV-Modell The Frame, das im ausgeschalteten Zustand Bilder anzeigt – eben im Bilderrahmen. LG stellt ein Gerät aus, das nur wenige Millimeter dünn ist und sich als eine Art Tapete an der Wand anbringen lässt. Und Sony stellt Bildschirme auf Staffeleien. Wer viel Geld für einen Fernseher ausgibt, soll ihn gerne ansehen.

Immer nah dran: Wearables

Die große Euphorie war nicht gerechtfertigt, Optimismus aber schon: Wearables, also tragbare Hightech-Produkte, sind ein Wachstumsmarkt. Das Analysehaus Gartner erwartet für dieses Jahr einen Absatz von 310 Millionen Geräten, ein Plus von 17 Prozent – wobei knapp die Hälfte auf Bluetooth-Kopfhörer entfällt, die nicht alle Experten in diese Kategorie zählen. Doch auch so werden Computeruhren, Körperkameras und Sportuhren immer beliebter.

Der Wettbewerb in dieser Kategorie ist allerdings hart, das zeigt die IFA. Fitbit stellt auf der Messe die erste Smartwatch Ionic vor, die sich durch ausgeklügelte Fitness-Funktionen von der Konkurrenz abheben soll, aber auch eine Bezahlfunktion für den Einzelhandel bietet. Samsung präsentiert zwei neue Gear-Modelle. Und Medion zielt mit günstigen Fitness-Armbändern zu Preisen ab 30 Euro auf den Massenmarkt. Die Fitness steht dabei meist im Mittelpunkt.

Hinzu kommen Geräte für den kommerziellen Einsatz, etwa eine Uhr mit Windows 10, die ein Steigenberger-Hotel in Frankfurt nutzt. Die Servicekräfte sollen damit beispielsweise Störungen melden oder individuelle Wünsche von Gästen zugestellt bekommen. Das soll Arbeitszeit sparen und den Service verbessern. Die Hardware stammt vom französischen Hersteller Trekstor.

Ein Unternehmen ist nicht auf der IFA, dürfte aber trotzdem Thema vieler Diskussionen sein: Apple plant angeblich, im September neben neuen iPhone-Modellen auch eine überarbeitete Version der Apple Watch zu zeigen. Diese soll erstmals eine eigene Sim-Karte haben und somit auch unabhängig vom Smartphone funktionieren. Es könnte dazu beitragen, Wearables noch nützlicher zu machen.

Digitalisierter Haushalt: Weiße Ware:

Unter den sonst möglichst leichten und fast schon filigranen Elektrogeräten sind sie die Schwergewichte: Waschmaschinen, Gefriertruhen, Backöfen. Weil sie früher meist ein weißes Gehäuse hatten, werden sie bis heute unter der Bezeichnung „Weiße Ware“ geführt. Seit knapp zehn Jahren werden auch sie auf der IFA gezeigt – und natürlich wollen die Hersteller zeigen, dass auch sie den Trend der Digitalisierung nicht verpassen.

Und so stellen Miele, Bosch, Siemens, Haier und andere Unternehmen vor, wie sie die Zukunft der smarten Weißen Ware sehen. Siemens etwa zeigt eine Waschmaschine, die per App vorschlägt, welches das beste Programm für die Wäsche ist und das Waschmittel selber dosiert. Auch LG bietet die Steuerung per App an und wirbt damit, neue Waschprogramme herunterladen zu können.

Der koreanische Konzern wird gleichzeitig auch einen Kühlschrank präsentieren, bei dem die Front bei zweimaligem Anklopfen durchsichtig wird. Damit sollen die Kunden Energiesparen können, weil sie die Tür nicht aufmachen müssen, um hineinzuschauen. Der Kühlschrank von Liebherr geht noch einen Schritt weiter: Er erkennt selbst, welche Lebensmittel noch da sind. Mittels einer Innenkamera und intelligenter Bilderkennung erstellt er eine Liste der Produkte, die noch im Kühlschrank sind.


Der Lautsprecher hört zu

Aber es gibt auch Lösungen für Kunden, die von unterwegs nach der Butter sehen wollen, sich aber kein ganz neues Gerät anschaffen wollen: Sie können nachrüsten. Das Unternehmen Smarter zeigt etwa auf der IFA die „FridgeCam“. Die Kamera wird mit einem Magnet einfach an die Innenseite des Kühlschranks gehängt.

Noch sind nur knapp zehn Prozent der 17 Millionen Haushaltsgroßgeräte, die vergangenes Jahr in Deutschland verkauft wurden, vernetzt. Das schätzt der Zentralverband der Elektroindustrie. Allerdings haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Smart Home: Hello Mr. Robot

Neben den Schwergewichten unter den Haushaltsgeräten, wie Waschmaschinen oder Kühlschränken, wollen auch die kleineren Geräte auf der IFA groß herauskommen. Besonders beliebt sind Haushaltshelfer, die dem Besitzer ohne dessen Zutun zur Hand gehen. Gleich eine ganze Reihe von Unternehmen stellen so etwa autonome Staubsauger- und Wischroboter vor.

Miele etwa wirbt damit, dass sein Scout RX2 noch präzisere Bahnen zieht als vorher und sich auch von Hindernissen nicht abhalten lässt. Der Roxxter von Bosch lässt sich dank Sprachsteuerung einfach per Stimme kommandieren und MTG will Kunden für seinen Everybot mit zwei rotierenden Wischern überzeugen.

Aber auch sonst machen sich Unternehmen daran, jeden Winkel der Häuser so smart wie möglich zu machen. Es gibt zahlreiche Anbieter von Fenstersensoren, die dem Benutzer melden, ob er ein Fenster offen gelassen hat oder jemand versucht einzubrechen. Außerdem kann die Temperatur in der Wohnung zentral und digital gesteuert oder die Kaffeemaschine per App schon aus dem Bett eingeschaltet werden.

Das Schweizer Unternehmen Laurastar will sogar das Bügelverhalten verbessern. Es misst, welche Bewegungen der Bügelnde am Brett macht und schickt Tipps für deren Verbesserung.

Hören und Zuhören: Lautsprecher

Die Art, Musik zu hören, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Statt Platten oder CDs zu kaufen, besorgen sich die Kunden ihre Lieblingssongs online. 2016 machten die digitalen Verkäufe laut Digitalverband Bitkom bereits 50 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes aus. In Deutschland machen physische Tonträger noch 62 Prozent aus, aber auch hier ließe sich dieser Trend beobachten, sagen die Experten.

Neuen Schub erhoffen sich die Hersteller zusätzlich von einem neuen Trend: Lautsprecher, die nicht nur Musik abspielen können, sondern auch zuhören. Dem Marktforscher Gartner zufolge werden die weltweiten Ausgaben für kabellose Lautsprecher mit virtuellen Assistenten bis 2021 auf 3,52 Milliarden US-Dollar steigen. Vergangenes Jahr waren es noch 0,72 Milliarden US-Dollar.

Der Anbieter Hama stellt deswegen auf der IFA etwa gleich eine ganze Reihe von Produkten vor, die sich mittels der Sprachsoftware „Alexa“ von Amazon steuern lassen, auch smarte Lautsprecher. Motorola erweitert seine In-Ohr-Kopfhörer „Verve“ um ebenfalls eine „Alexa“-Option. Bisher lassen sie sich bereits schon mit Siri von Apple und von Google Now steuern.

Auch der deutsche Anbieter Bragi erweitert die Funktionen seiner drahtlosen Kopfhörer, und zwar um einen Übersetzer. Gemeinsam mit der App „iTranslate“ sollen sie in der der Lage sein, mehr als 40 Sprachen simultan zu übersetzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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