Stellenstreichungen : Höttges' erster Schlag sitzt

KommentarStellenstreichungen : Höttges' erster Schlag sitzt

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T-Systems leidet seit langem unter dem Preisdiktat der Großen. Hoffnung auf Besserung hat der neue Telekom-Chef Timotheus Höttges offensichtlich keine mehr.

von Jürgen Berke

Der designierte Telekom-Chef Höttges will sich als knallharter Sanierer profilieren. Mit dem Kahlschlag bei T-Systems zeigt er, auf welches Spiel er sich in Zukunft nicht mehr einlässt.

Topmanager haben viel mit Boxern gemeinsam. Wer Herr im Ring ist, entscheidet sich oft schon in der ersten Runde. Besonders gut gelingt dies dann,  wenn der erste Schlag ein Volltreffer ist. Ähnlich ist es auch bei Topmanagern, die zum Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns aufsteigen. Der erste Schlag erzeugt intern wie extern ein so großes Echo, dass der Name des neuen Bosses mit diesem Prestigeprojekt in die Unternehmensgeschichte eingeht.

Als René Obermann vor sieben Jahren an die Spitze der Telekom rückte, baute er zuerst die gesamte Organisations- und Gehaltsstruktur im Kundenservice um. Obermann wusste: Wenn er die Telekom vom Behördenmief befreien wollte, dann musste er gegen alle Widerstände eine Lösung für diese Großbaustelle finden. Die Telekom als kundenfreundliches Unternehmen ohne endlose Warteschleifen an den Hotlines und mit pünktlichen Servicetechnikern – Weltklasse ist das noch lange nicht, aber viel hat Obermann gleich zu Beginn seiner Amtszeit angeschoben.

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Am 1. Januar steigt mit Timotheus Höttges zum ersten Mal ein gelernter Controller als Telekom-Chef in den Ring. Der 51-Jährige will sich stärker als all seine Vorgänger als knallharter Sanierer profilieren und den Konzern stärker auf Rendite und Profitabilität trimmen. Deshalb passt es perfekt zur Dramaturgie von Höttges Inthronisierung, dass der erste Schlag gleich ein Kahlschlag ist. Betroffen ist mit T-Systems genau die Sparte, die seit Jahren die geringste Rendite abwirft und der Höttges als Finanzvorstand immer wieder die Bewährungsfristen verlängerte. Damit ist jetzt Schluss. In den kommenden drei Jahren will Höttges in der Großkundensparte bis zu 6000 Arbeitsplätze abbauen oder verlagern. Entsprechende Pläne will Höttges dem Aufsichtsrat am 12. Dezember vorlegen.

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T-Systems gilt seit Jahren als eines der größten Sorgenkinder im Telekom-Konzern. In seine  Mittelfristplanungen nahm der Telekom-Vorstand regelmäßig die Zielvorgabe auf, dass die Großkundensparte einen operativen Gewinn von mindestens sechs Prozent vom Umsatz abwerfen müsse. Erreichen konnte T-Systems-Chef Reinhard Clemens dieses Ziel nie, im Geschäftsjahr 2012 waren es sogar nur 1,1 Prozent. Denn die dafür benötigten Umsatzzuwächse ließen sich trotz einiger Vertriebsoffensiven nicht einfahren.

Ständig wurde umstrukturiert, viele Manager mussten ihren Posten räumen – doch geändert hat sich dadurch nichts. Wer mit den größten europäischen Konzernen beim Outsourcing ihrer IT ins Geschäft kommen will, muss bei den Preisnachlässen soweit über die Schmerzgrenzen gehen, dass sich solche Big Deals oft erst nach vielen Jahren lohnen. Unter diesem Preisdiktat der Großen leidet T-Systems seit Langem. Dass sich dies mal ändern könnte, diese Geduld bringt Höttges nicht mehr auf.

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