Streaming Dienst: Trotz Wachstum bleiben Zweifel am Netflix-Kurs

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Streaming Dienst: Trotz Wachstum bleiben Zweifel am Netflix-Kurs

von Peter Steinkirchner

Die Zahlen sprechen für Netflix: Die Kundenzahlen steigen, der Profit wächst. Doch es zeichnen sich Probleme für den Streaming-Anbieter ab. Seine Expansion ins Ausland verschlingt viel Geld - und die Konkurrenz wächst.

Auf diese eine Zahl haben die meisten Analysten und Beobachter gewartet: Ist die Wette von Netflix aufgegangen, auch im Ausland schnell auf veritable Kundenzahlen zu kommen? Nachdem der Streaming-Anbieter aus Kalifornien in der Nacht zu Mittwoch seine Zahlen für das Schlussquartal vorgelegt hat, scheint die Richtung klar zu sein – tatsächlich konnte die Truppe von CEO Reed Hastings zwischen September und Dezember die Zahl ihrer Mitglieder außerhalb des Heimatmarktes USA um 2,43 Millionen steigern. Das liegt über den Erwartungen und dürfte für Erleichterung im Netflix-Hauptquartier in Los Gatos sorgen.

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Wie viele Neukunden sich von Deutschland aus in den TV-Strom mit Erfolgsformaten wie „House of Cards“ eingeklinkt haben, veröffentlichte Netflix gestern nicht. Doch Serien- und Filmfans zwischen Flensburg und Garmisch dürften ihren Teil dazu beigetragen haben, schließlich ist Netflix hierzulande just im vergangenen September an den Start gegangen.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

  • Netflix

    Unternehmen: Netflix

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 95,88–107,88

    Stärke: Viele exklusive Filme und Serien, bewährte Technik, starke Kooperationspartner

    Schwäche: Wenig aktuelle Filme, anfangs relativ kleines Angebot

    Wichtigste Serien: House Of Cards, Orange Is The New Black, Hemlock Grove

    Quelle: Unternehmen

  • Entertain

    Unternehmen: Deutsche Telekom

    Streamingkosten (in € pro Jahr): ab 359,40*

    Stärke: Auch über Satellit nutzbar, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Nur im Paket mit Telefon und Internet, lange Vertragsbindung

    Wichtigste Serien: Sherlock, The Mentalist, How I Met Your Mother

    * inklusive Telefon und Internet-Anschluss

  • Amazon Prime Video

    Unternehmen: Amazon
    Streamingkosten: Neben einer Jahresgebühr von 49 Euro ist Amazon Prime Video auch im monatlich kündbaren Abo für 7,99 Euro verfügbar
    Stärke: Exklusive Filme und Serien, Gratislieferung von Amazon-Bestellungen, auf mobilen Endgeräten ohne Online-Verbindung nutzbar
    Schwäche: Nicht alle Titel lassen sich für die Offline-Wiedergabe speichern, nicht alle Filme und Serien im Sortiment
    Wichtigste Serien: The Man in the High Castle, Mozart in the Jungle, Transparent, Mr. Robot, Fear the Walking Dead, Lucifer, Preacher, The Night Manager

  • iTunes

    Unternehmen: Apple

    Streamingkosten (in € pro Jahr): Bezahlung pro Download

    Stärke: Sehr breites Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kauf ab 99 Cent

    Schwäche: Nur Kauf und Miete

    Wichtigste Serien: True Detective, Sleepy Hollow, The Strain, Downton Abbey

  • Maxdome

    Unternehmen: ProSieben-Sat.1

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 95,88

    Stärke: Großes Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kaufvideos, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Aktuelle Filme und Serien nur Zuzahlung

    Wichtigste Serien: Under The Dome, Hannibal, Sons Of Anarchy, Bitten, Hawaii Five-O

  • Sky Snap

    Unternehmen: Sky

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 47,88

    Stärke: Niedriger Preis; auch Originalfassungen, gegen Aufpreis teilweise ohne Internet-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles

    Wichtigste Serien: Game Of Thrones, Alcatraz, Die Sopranos, The Walking Dead

  • Whatchever

    Unternehmen: Vivendi

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 107,88

    Stärke: Teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles

    Wichtigste Serien: Mad Men, The Wire, Lilyhammer, The Mentalist, Torchwood

  • YouTube

    Unternehmen: Google

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 0

    Stärke: Gratis, fast unendliches Angebot

    Schwäche: Wenig aktuelle und hochwertige Filme

    Wichtigste Serien: Tatort, Schimanski, Kanäle von Komödianten wie Y-Titti, LeFloid

Zwar kann Hastings zufrieden sein mit der Netflix-Bilanz: Unterm Strich machte der Konzern, der neben dem Streaming-Angebot in den USA auch immer noch DVDs physisch versendet, einen Jahresgewinn von 266 Millionen Dollar bei einem Umsatz von Teure Expansion

Doch die Bilanz zeigt auch, dass die steigende Abonnentenzahl allein allenfalls eine Tendenz zeigt, einen Trend: Ja, Netflix spricht Kunden auch außerhalb der USA an; ja, Kevin Spacey und Co. haben auch in Europa ihre Fans. Und, ja, offenbar hat eine gewisse Zahl von Zuschauern Spaß daran, für das Angebot, nach eigenem Zeitplan gegen eine Monatsgebühr von mindestens acht Euro nach Lust und Laune fern zu sehen. Doch das allein sagt noch wenig darüber aus, ob es Netflix auch auf Dauer gelingt, diese Position zu halten oder gar auszubauen.

Tatsächlich ist die Expansion jenseits der US-Grenzen teuer. Wenn man sich die Verluste anschaut, die Netflix in den vier vergangenen Quartalen in seinem Geschäft außerhalb der USA schrieb, dann sind die kein Pappenstiel: 160 Millionen Dollar betrug der Verlust. Allein im vierten Quartal, das den Abonnentenzuwachs von 2,4 Millionen Neukunden brachte, lag das Minus bei fast 80 Millionen Dollar. Allein die Marketingaufwendungen lagen zwischen September und Dezember mit 116 Millionen Dollar doppelt so hoch wie in den beiden ersten Quartalen des gerade abgeschlossenen Geschäftsjahres.

Wissenswertes über Netflix

  • Alternative zu Videotheken

    Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

  • Online-Dienst als zweites Standbein

    2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

  • Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

    Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

  • Einladung zum „Binge Watching“

    Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

  • Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

    Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Netflix kann sich das erlauben, es ist eine Investition mit Aussicht auf künftige Gewinne – zumindest dann, wenn die Entwicklung so weitergeht wie in den USA, wo das Unternehmen einen Gewinn von 936 Millionen Dollar erzielte. Solange Netflix insgesamt wächst, kann es Anfangsverluste in den neuen Märkten schultern. Und: Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Verluste aus dem internationalen Geschäft sogar. 2013 lagen sie noch bei 274 Millionen Dollar – bei einer deutlich geringeren Zahl von Kunden.

Allerdings steigen gleichzeitig auch die Kosten für die Inhalte – die Zuschauer abonnieren Netflix nicht, weil es so einfach geht und im Monat weniger kostet als eine Kinokarte am Wochenende. Die Leute legen sich Netflix wegen der Inhalte zu, die sie hier erwarten. In Deutschland dürfte ein nicht unwesentlicher Anteil an Neukunden gelockt worden sein von der Aussicht, beide Staffeln der preisgekrönten Polit-Serie „House of Cards“ zur ständigen Verfügung zu haben.

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