Suchmaschine: Yahoo reißt sein Kultschild ab

Suchmaschine: Yahoo reißt sein Kultschild ab

, aktualisiert 19. November 2011, 08:10 Uhr
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Ein Schild mit Kultcharakter: Yahoo in San Francisco.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Es ist das Ende einer Ära - und ein Akt mit Symbolkraft. Der Internetkonzern Yahoo reißt seine einstige Kult-Werbetafel in San Francisco ab. Das Ende eines Wahrzeichens. Eine Erinnerung.

San Francisco Sie hat vier Vorstandschefs überlebt und einen Dotcom-Crash, den Aufstieg von Google miterlebt und den Abstieg von AOL. Sie ist der Liebling von Tausenden von Autofahrern, die sie täglich mit freundlichen Sprüchen auf dem Weg zur Arbeit aufmuntert. Doch jetzt sind ihre Tage gezählt: Nach über zehn Jahre wird im Dezember die große Yahoo-Werbetafel am Interstate 80 in San Francisco abgerissen. San Francisco verliert ein liebgewonnenes Wahrzeichen und im Silicon Valley geht eine Ära zu Ende. Ab Dezember ist der Werbeplatz wieder zu mieten, bestätigte ein Sprecher des Werbevermarkters Clear Channel dem „San Francisco Egotist“. Was mit dem Schild passiert ist unklar.

Es ist das erste Werbeplakat, das ich vermissen werde. Ich weiß noch wie heute, als ich in 2000 an einem strahlenden Sonnentag zum ersten Mal mit klopfendem Herzen an der Tafel vorbei Richtung San Francisco gefahren bin. Wenig später ein erster Besuch in Sunnyvale bei Yahoo, Treffen mit Investoren und Gründern wie Shawn Fenning, ein junger Mann der mit Napster eine ganze Industrie revolutionierte, bevor er selbst unterging. Konferenzen, auf der ein junger Larry Page seine Suchmaschine Google vorgestellt hat. Es war eine wilde und aufregende Zeit des Aufbruchs, es wurde Geschichte gemacht. Und ich durfte ein Stück weit dabei sein.

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Es sollte damals einfach mal ganz was anderes her. Damals, vor dem großen Crash 2001, der die halbe New Economy ausradiert und viele Investoren ruiniert hat. Zahllose einfallslose Pappplakate von Start-Up-Unternehmen säumten die Highways zwischen dem Silicon Valley und San Francisco, die pulsierenden Schlagadern der neuen Zeit. Yahoo, damals in voller Blüte und vor Kraft strotzend, wollte sich davon abheben.

Die Agentur Black Rocket entwickelte die Idee für die ganz im Retrostil der Motelschilder der fünfziger Jahre gehaltene Leuchtreklame. Im Mittelpunkt ein riesiger Yahoo-Schriftzug, alles altmodisch mit Neon und Glühbirnen bestückt und einem zweizeiligen Leuchtkasten für wechselnde Botschaften, die mit Plastikschiebebuchstaben per Hand eingetragen wurden. Mal gab es Werbung für Yahoo-Produkte, mal grüßten die Autofahrer einfach nur Sätze wie „Du siehst gut aus heute Morgen“ oder „Hupe, wenn du Zombies liebst. Happy Halloween!“ Ein kleiner Neon-Schriftzug am oberen Rand, wie typisch an allen US-Motels, signalisiert „No vacancies“, keine Zimmer frei, wobei das „No“ allerdings nie erleuchtet ist. Yahoo ist weiter offen für alle.


Noch leuchtet das Yahoo-Schild trotzig

Nach dem Dotcom-Crash, als all die Pappschilder längst zusammen mit ihren Start-Ups auf dem Müllplatz der Geschichte verrotteten, leuchtete das Yahoo-Schild weiter trotzig in die Nacht und machte Mut für einen Neuanfang. Später rief es den Heimkehrern auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt zu: „Du bist wieder zurück, da wo die neue Welt gemacht wird, im Valley.“ Die Yahoo-Tafel wurde für San Francisco was für Los Angeles der Hollywood-Schriftzug ist. Sie war halt einfach da. Eigentlich für ein oder zwei Jahre geplant, so der damalige Mediadirektor von Black Rocket gegenüber dem „SF Egotist“, musste die gesamte Elektrik nach zwei Jahren neu verkabelt werden, weil niemand mit einer solchen Lebensdauer gerechnet habe.

Nur Yahoo selbst hat es nicht geschafft, diesen Kultstatus zu konservieren. Seit Jahren geht es bergab, Vorstandschef kommen und gehen, werden gefeuert oder geben auf. Die Yahoo-Suchmaschine gehört längst Microsoft, Umsatz und Ertrag kommen nicht voran, während Google oder Facebook davonziehen – und vielleicht jetzt noch den vakanten Werbeplatz an dem massiven Stahlskelett auf der unscheinbaren einstöckigen Gewerbeimmobilie an der 6. Straße zwischen Bryant und Harrison Street mieten werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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