
Jerry Yang legt mit sofortiger Wirkung seinen Sitz im Verwaltungsrat und alle sonstigen Posten beim von ihm mitgegründeten Internet-Portal Yahoo nieder, so die am gestrigen Abend verbreitete Meldung. Einmal mehr eröffnet das angeschlagene Unternehmen damit Tür und Tor für Spekulationen um seine Zukunft.
Seit dem Rauswurf der einstigen Chefin Carol Bartz im September 2011 kommt Yahoo nicht zur Ruhe: Im Oktober heißt es erst, Yang wolle Yahoo von der Börse nehmen; dann, dass der Partner im Suchmaschinen-Geschäft Microsoft eine Übernahme plane. Ende November kommen derartige Gerüchte erneut auf, offenbar weil Microsoft und Yahoo eine Stillschweige-Vereinbarung abgeschlossen haben.
Yahoo hinter Microsoft
So oder so steht der erst Anfang Januar neu auf den Chefposten berufene ehemalige Paypal-Chef Scott Thompson vor einer Herkulesaufgabe: Bis heute schlingert der Internet-Konzern weitgehend konzept- und strategielos hin und her. Mal will er Internet-Portal sein, dann wieder Online-Medienhaus oder digitaler Werbevermittler. Wirklich genutzt haben all die Strategieschwenks bisher nicht; Yahoo verliert kontinuierlich Marktanteile und damit Umsätze im Online-Geschäft an Google.

Schwarze Aussichten: Viele Topkonzerne können ihre Position an der Sperrspitze nicht ausbauen. Nach dem beschleunigten Aufstieg droht häufig ein schneller Fall. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer gerät unter Innovationsdruck.
Foto: ap

Bis das iPhone in die Läden kam war es schick, sich mit dem Blackberry sehen zu lassen. Seine Besitzer legten den Taschencomputer in Restaurants gerne gut sichtbar auf den Tisch. Die Botschaft: Ich bin wichtig, ich bin immer per E-Mail erreichbar.
Der Niedergang des kanadischen Blackberry-Produzenten RIM lässt sich an den jüngsten Zahlen der Branchenbeobachter von Gartner leicht ablesen: Von knapp 20 Prozent Marktanteil bei Smartphones ist RIM binnen Jahresfrist auf unter 13 Prozent abgerutscht.
Foto: dapd

Inzwischen hat nicht nur Apple sondern auch Android Blackberry im Geschäft mit den Minirechnern abgehängt. Zudem war es lange viel zu mühsam, mit einem Blackberry im Internet zu surfen. Stattdessen haben die Manager von RIM auf hohe Sicherheitsstandards und einen zuverlässigen Service geachtet. Nutzer stehen aber viel mehr auf die riesige Auswahl an Apps, die das iPhone zu bieten hat. Da RIM auf den Trend erst viel später aufgesprungen ist hat sogar Google hier einen Vorsprung.
Die RIM-Gründer versuchen es nun mit einer neuen Strategie: Sie öffnen das Blackberry-Netz für Wettbewerbsprodukte. Es bleibt fraglich, ob das zum Überleben ausreicht.
Foto: rtr

Microsoft wird zwar auf einen Börsenwert von mehr als 200 Milliarden Dollar taxiert und im vergangenen Quartal solide Leistungen erwirtschaften. Doch das Unternehmen ruht sich auf seinen Lorbeeren aus, was in den schnelllebigen Zeiten der Branche nicht reicht. Microsoft droht, den Anschluss an die Zukunft zu verpassen.
Der US-Konzern verdient sein Geld seit 20 Jahren im Wesentlichen mit dem Betriebssystem Windows und den Büroprogrammen Office. Auf beiden Feldern bekommt die Firma aber immer mehr Konkurrenz. Immer mehr Menschen arbeiten mit kostenlosen Angeboten wie Google Docs.
Microsoft versucht deshalb seit Jahren, in neue Segmente vorzustoßen und brachte beispielsweise die x-Box auf den Markt. Mit eigenen Mobiltelefonen ist Microsoft genauso gescheitert wie mit dem Musikspieler „Zune“ oder der Suchmaschine „Bing“.
Foto: dpa

Für Windows wird es eng und Investoren sind sich dieser Gefahr bewusst. Das drückt den Aktienkurs des Unternehmens. Seit Anfang 2010 haben die Papiere von Microsoft rund ein Fünftel an Wert verloren.
Das Unternehmen setzt nun auf Übernahmen. Für 8,5 Milliarden Dollar übernimmt das Unternehmen gerade den Telefondienst Skype, mit dem Millionen von Nutzern täglich kostenlos über das Internet telefonieren. Microsoft hofft, dass Skype in Verbindung mit der bestehenden Software des Konzerns neue Käufer anlockt und alte Kunden bei der Stange hält. Klappt das nicht, wird es vermutlich bald vorbei sein mit den zweistelligen Zuwachsraten.
Foto:dpa

Es müssen schon Hacker die Server von Sony knacken, damit der japanische Konzern heutzutage noch den Weg in die Schlagzeilen findet: Mehr als 100 Millionen Daten von Kunden haben Kriminelle jüngst von Rechnern der Unterhaltungselektronik-Firma geklaut. Tagelang gehörte das Unternehmen zu den Topthemen in den Nachrichten.
Vor 30 Jahren unterhielt sich die Welt ebenfalls über Sony - voller Bewunderung über seinen ersten Walkman. Die Jugend war schnell infiziert. Wer etwas auf sich hielt, der steckte sich den tragbaren Kassettenrekorder an den Gürtel. Für die nächsten zehn Jahre war Sony damit die angesagteste Marke der Elektronikwelt, konnte an diesen Erfolg aber danach nie mehr anknüpfen.
Foto: rtr

Nur mit Spielekonsolen begeistert das 1946 gegründete Unternehmen Jugendliche bis heute. Die Playstation ist ein Hit, auch wenn Sony damit zeitweise tiefrote Zahlen eingefahren hat. Die Popularität der Playstation wurde Vorstandschef Howard Stringer nun jedoch zum Verhängnis. Denn die Mitte April geklauten Daten stammen größtenteils aus einem Onlinenetzwerk von Nutzern der Sony-Spielekonsole.
Bis heute ist Sony einer der bekanntesten japanischen Konzerne; der Firma gehören Filmstudios, sie produziert Fernseher und zusammen mit Ericsson auch Walkman-Handys. Die Trends allerdings, die setzen andere.
Foto: rtr

Selbst im derzeitigen Internboom schrumpft Yahoo: Um sechs Prozent sind die Erlöse im vergangenen Quartal auf gut eine Milliarde Dollar zurückgegangen. Der Gewinn ist sogar um rund 28 Prozent auf 223 Millionen Dollar eingebrochen.
Foto: dpa

Die Suche im Internet, die einstige Keimzelle, hat Vorstandschefin Carol Bartz bereits an Microsoft abgegeben. Nun lebt das Unternehmen vor allem vom Verkauf von Reklame auf Webseiten. Doch das Werbungs-Geschäft ist hart umkämpft: Konkurrenten Facebook, Google und Twitter ziehen immer mehr Nutzer an – und sind entsprechend als Werbeplattformen attraktiv für die Industrie.
Foto:ap/dapd

Die drei Buchstaben AOL waren einst das Tor zum Internet. AOL war mit mehr als 30 Millionen Kunden weltweit der größte Internetanbieter. Das Management um Gründer Steve Case fühlte sich so stark, dass es mit dem Medienkonzern Time Warner zusammenging. Doch der Versuch scheiterte grandios.
Foto: ap
Schwarze Aussichten: Viele Topkonzerne können ihre Position an der Sperrspitze nicht ausbauen. Nach dem beschleunigten Aufstieg droht häufig ein schneller Fall. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer gerät unter Innovationsdruck.
Foto: ap
Mehr noch: Laut den erst kürzlich veröffentlichten Zahlen des Marktforschungshauses Comscore ist Yahoo im Dezember im US-Suchmaschinenmarkt sogar erstmals hinter Partner Microsoft zurückgefallen. Der kommt mit seiner Suchmaschine Bing nun auf 15,1 Prozent, während Yahoo auf 14,5 Prozent zurückgefallen ist.
CEO Thompson braucht einen Gini, nicht Alibaba
Sollte der Schwund anhalten, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der neue Yahoo-CEO Thompson gezwungen sein wird, sich in die Arme eines Übernehmers zu begeben – egal, ob der nun Microsoft, Alibaba oder Softbank heißt. Die beiden asiatischen Partner haben ihr Interesse an Yahoo jedenfalls bereits öffentlich bekundet.
Ärgern dürfte man sich am Yahoo-Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale aber vor allem über eins: Dass das Unternehmen – nicht zuletzt wegen des Widerstandes von Jerry Yang – vor drei Jahren ein Kaufangebot von Microsoft abgelehnt hat. Im Februar 2008 hat Microsoft-Boss Steve Ballmer den Yahoo-Aktionären umgerechnet rund 44,5 Milliarden Dollar geboten. Zum Vergleich: Heute liegt die Marktkapitalisierung von Yahoo bei unter 20 Milliarden Dollar.













