Suchmaschinen und Social Media: Chinas Internetriesen wollen den Westen erobern

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Suchmaschinen und Social Media: Chinas Internetriesen wollen den Westen erobern

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Kein Facebook, Google oder Amzon. Web-User in China nutzen vor allem heimische Angebote

von Philipp Mattheis

Alibaba, Baidu, Sina und Tencent - die Internet-Giganten aus dem Reich der Mitte nutzen ihren exklusiven Heimatmarkt, um in den Westen zu expandieren.

Lilian Lee erledigt nahezu ihre gesamte Kommunikation mit Weixin. „Wenn ich mit meinen Mitarbeitern sprechen will, nutze ich den Gruppen-Chat“, sagt die 25-Jährige, die sich gerade in Shanghai als Eventmanagerin selbstständig gemacht hat. „Will ich Veranstaltungen ankündigen, stelle ich das auf ,Events‘ und alle meine Kontakte erfahren davon.“ Lee ist ziemlich busy, ihr Smartphone vibriert im Minutentakt, ständig kommen Nachrichten von Freunden und Kollegen. Normales Telefon und SMS nutze sie nur für geschäftliche Kontakte mit Personen, die sie noch nicht kenne.

Lee ist eine von 300 Millionen Chinesen, die sich Weixin bedienen (die englische Version heißt „WeChat“). In der kurzen freien Zeit zwischen zwei Terminen spielt sie ein Online-Rollenspiel. Und wenn sie am Computer sitzt, läuft nebenher das Chat-Programm QQ.

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Mehr als 90 Prozent der 560 Millionen chinesischen Internet-Nutzer surfen regelmäßig im Internet, shoppen online, bloggen oder kommunizieren auf Social-Media-Seiten. Das ist viel, in der Facebook-Heimat USA sind es nur 67 Prozent. China ist bereits der Markt mit der größten Internet-Gemeinde der Welt.

Nur: Das Geschäft hinter der „Great Firewall“, wie die Zensurmaschine des chinesischen Netzes genannt wird, beherrschen nicht Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon. Eventmanagerin Lee etwa nutzt die Angebote von Tencent. Das Unternehmen ist einer von drei Web-Riesen, die um die Vorherrschaft auf dem gigantischen Markt im Reich der Mitte ringen. Die anderen beiden heißen Baidu und Alibaba. Für das Trio gibt es in China bereits ein Kürzel: BAT.

Internet Blick hinter Chinas große Firewall

Chinas neue Regierung geht gerade massiv gegen kritische Blogger im Internet vor. Immer schneller wandern Menschen, die ihre Meinung im Netz publizieren ins Gefängnis.

Chinesischer junger Mann vor einem PC Quelle: dpa

Ähnlich wie Google, Amazon und Facebook bekämpfen die drei sich nicht auf der ganzen Linie. „Sie konkurrieren nicht ständig gegeneinander“, sagt Han Zhao von Huxiu, einem Blog, spezialisiert auf das chinesische Internet. „Eher handelt es sich um drei Königreiche, die an manchen Fronten Krieg führen.“

Doch Smartphone-Besitzer im Westen aufgepasst, vor allem die WhatsApp-Nutzer! Der Krieg in China greift gerade über, insbesondere auf den kostenlosen Nachrichtendienst aus Kalifornien. Denn das Flaggschiff von Tencent, der Messenger-Dienst Weixin, greift in seiner englischen Version WeChat gerade WhatsApp an.

„Tencent hat begonnen, auf westliche Märkte zu expandieren“, sagt Dara McCaba von der Beratung Lucid360 in Shanghai. „Mit weltberühmten Sportlern als Werbeträger will WeChat seine Bekanntheit erhöhen.“ So wirbt Tencent seit Kurzem mit Fußballstar Lionel Messi von Barcelona für WeChat. Die Zahlen sprechen für die Kampagne. Nutzten im April noch 40 Millionen Menschen außerhalb Chinas WeChat, waren es im August schon 100 Millionen, immerhin schon ein Drittel der weltweiten WhatsApp-Gemeinde. Hauptexpansionsmärkte sind bis jetzt südasiatische Länder wie Singapur, Indonesien und Malaysia.

In Aussehen und Funktion dem westlichen WhatsApp ähnlich, verfügt Weixin in China über mehr Funktionen. Wem langweilig ist und die Einsamkeit zu viel wird, kann zum Beispiel eine „Flaschenpost“ mit einer Botschaft in den Cyberspace abwerfen und auf Antwort von Kontaktsuchenden in der Nähe hoffen. Das Feature bietet internationalen Konzernen interessante Möglichkeiten: Kondomhersteller Durex und Kaffeemogul Starbucks nutzen Weixin, um mit ihren Followern direkt in Kontakt zu kommen. Der englischen Version WeChat werden deshalb neben Online-Spielen von Tencent die größten Erfolgschancen auf westlichen Märkten zugetraut.

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