T-Mobile-Interessent Son: Japans "Mr. Internet" hat den Weitblick von Jeff Bezos

T-Mobile-Interessent Son: Japans "Mr. Internet" hat den Weitblick von Jeff Bezos

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Ist der Bieter für T-Mobile/USA genial oder größenwahnsinnig?

von Martin Fritz und Jürgen Berke

Wer ist der japanische Tycoon, der T-Mobile in den USA kaufen und dem Bonner Konzern einen Milliardensegen bereiten will: ein Genie oder ein Größenwahnsinniger?

Cholerisch, charismatisch, größenwahnsinnig, verwegen – Masayoshi Son vereinigt viele Attribute auf sich. Dabei wirkt der klein gewachsene Mann mit der Halbglatze, dem rundlichen Gesicht und dem Bauchansatz nicht wie Japans erfolgreichster Geschäftsmann. Häufig verzichtet der 56-Jährige auf die Krawatte, früher trat er oft im Sweatshirt auf. Doch wenn er sein Lächeln anknipst und eloquent Argumente formuliert, dann kann sich ihm kaum jemand entziehen.

Sons Stimme mag sanft und die Körperhaltung bescheiden wirken. Aber seine Erfolge beruhen auf blitzschnellen Aktionen, aggressivem Marketing und hoher Risikobereitschaft. Die Freimütigkeit des Mittfünfzigers und sein Temperament sind in Japan so selten wie sein Unternehmergeist.

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Son galt als japanischer „Mr. Internet“. Während der Dotcom-Blase 1999 bis Mitte 2000, in der die Aktienkurse neuer Unternehmen rund ums Web erst ex- und dann implodierten, wurde er so reich wie Microsoft-Gründer Bill Gates. Nach dem Absturz erfand er sein Unternehmen Softbank als Telekomgesellschaft neu. Mitte 2013 stieß er in eine neue Dimension vor und expandierte mit dem Kauf des Mobilfunkers Sprint Nextel in die USA. Das hatte noch keine japanische Telko-Firma gewagt.

Nun bekommt die Deutsche Telekom den legendären Charme des Softbank-Gründers zu spüren. Denn seine neue Tochter Sprint will den US-Ableger T-Mobile schlucken. Schon im Frühjahr könnten die Verhandlungen abgeschlossen sein. Durch die Fusion soll ein schlagkräftiger Konkurrent zu den Platzhirschen AT&T und Verizon entstehen.

Bei seinem offiziell unbestätigten Vorstoß steht Son zwar vor hohen Hürden. Erstens muss er die US-Kartellbehörde von dem Deal überzeugen. Die hatte schon einmal eine geplante Übernahme von T-Mobile, 2011 durch den US-Riesen AT&T, abgelehnt. Und zweitens braucht Son extrem viel Geld für T-Mobile, bis zu 22 Milliarden Euro Cash. Da trifft es sich schlecht, dass Softbank schon mit 63 Milliarden Euro verschuldet ist und die Bonität auf Ramschniveau herabgestuft wurde.

Steckbrief Softbank

  • Gegründet

    1981 von Masayoshi Son, damals 24, als Softwarehandel

  • Umsatz

    rund 42 Milliarden Euro

  • Gewinn

    rund 10 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern

  • Börsenwert

    rund 72 Milliarden Euro

  • Mitarbeiter

    weltweit 65.000

  • Firmenbeteiligungen

    rund 1.300, darunter 37 Prozent an Chinas Internet-Händler Alibaba

  • Großaktionär

    Son (21 Prozent)

Wenn aber jemand solche Hürden nehmen kann, dann ist es Son. Der eingebürgerte Japaner mit koreanischen Wurzeln denkt in XXXL-Dimensionen. Für sein Lebenswerk Softbank, das ihm zu mehr als einem Fünftel gehört, hat er einen 300-Jahres-Geschäftsplan geschrieben. Posthum, im Jahr 2300, so Sons Vision, soll Softbank einen Börsenwert von 2000 Milliarden Dollar haben und zu den zehn größten Weltfirmen gehören.

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Die Übernahmen in den USA sollen nur ein Vorspiel sein, Son will den ersten Mobilfunkkonzern mit einer Milliarde Kunden schmieden. Kein Wunder, dass Son für das Vorhaben fast drei Jahrhunderte einplant. Denn zusammen mit T-Mobile käme er erst auf knapp 150 Millionen Kunden. Bei einem Umsatz von 50 Milliarden Euro läge dann allerdings nur noch China Mobile, der Marktführer im Reich der Mitte, vor ihm.

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