T-Mobile US soll mit Sprint fusionieren: Klappt Höttges' US-Fusion im zweiten Anlauf?

T-Mobile US soll mit Sprint fusionieren: Klappt Höttges' US-Fusion im zweiten Anlauf?

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T-Mobile US könnte mit Sprint fusionieren.

Lange galt die US-Tochter der Telekom als Sorgenkind, der Verkauf scheiterte nur am Veto der Behörden. Jetzt schaltet Telekom-Chef Höttges bei T-Mobile US offenbar auf Angriff. Die wichtigsten Antworten zu dem US-Deal.

Die Deutsche Telekom steht in den USA offenbar vor einem Strategiewechsel: Wie das "Handelsblatt" berichtet, plant die Telekom eine Fusion der USA-Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint. Dabei hatte der Bonner Dax-Konzern lange Zeit versucht, das US-Geschäft komplett zu verkaufen. Was steckt hinter dem Strategieschwenk? Und wie realistisch sind die Pläne? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie weit sind die Pläne fortgeschritten?

Wie die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf das Umfeld des Vorstands und des Aufsichtsrats berichtet, gebe es im Führungsgremium der Bonner einen Konsens darüber, die beiden Marktführer AT&T und Verizon kraftvoller als bisher zu attackieren. Dazu solle T-Mobile US mit Sprint zusammengelegt werden – die Nummern drei und vier auf dem Markt.

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Ein offizieller Beschluss des Aufsichtsrats für das Vorgehen liegt allerdings noch nicht vor, da die obligatorischen politischen Gespräche im Vorfeld eines derartigen Vorhabens noch nicht abgeschlossen sind. Die Telekom sei derzeit bemüht, mögliche politische Einwände gegen den Fusionsplan zu sondieren. Klar ist: Im Falle eines Zusammenschlusses soll die unternehmerische Führung bei der Telekom liegen. Ob und wie Sprint und deren Hauptaktionär, der japanische Softbank-Konzern, dazu stehen, ist aber nicht klar.

Deutsche Telekom Nur ein Kritiker steht auf

Die Deutsche Telekom singt Lobeshymnen auf sich selbst. Auch die großen Aktionärsvereinigungen halten sich mit Kritik zurück. Nur Netzaktivist Thomas Lohninger möchte sich diesem Kuschelkurs nicht anschließen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, auf der Hauptversammlung 2017. Quelle: dpa

Wie soll der Deal über die Bühne gehen?

Der Telekom schwebt offenbar ein sogenannter "Paperdeal" vor, bei dem lediglich Aktien ausgetauscht werden. Bargeld fließt in diesem Fall nicht. Welchen Wert die Aktien haben, die bei dem Deal getauscht würden, ist bislang unklar. Mit der Fusion würde allerdings ein Telekomkonzern mit einem Jahresumsatz von 70 Milliarden Euro entstehen – wovon T-Mobile US etwa 34 Milliarden Euro beisteuert. Gemessen am Umsatz könnte man also von einem Zusammenschluss unter Gleichen sprechen, an der Börse ist Sprint allerdings deutlich weniger wert als T-Mobile US – ob Sprint bei einer solchen Fusion die unternehmerische Führung abgeben will, steht auf einem anderen Blatt.

Warum sollte Softbank die Telekom-Pläne unterstützen?

Der Deal könnte für die Japaner strategisch Sinn ergeben. Ohne Partner (siehe Punkt: "Wie ist die Wettbewerbssituation auf dem US-Markt?") müsste die Nummer vier unter den US-Mobilfunkern alle Investitionen alleine tätigen. Dafür könnte Softbank das Geld fehlen, die Japaner gelten als hoch verschuldet. Und ohne Investitionen laufen womöglich Kunden zur Konkurrenz über. Ein Zweckbündnis könnte da Abhilfe schaffen.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

  • Absatzrekord trotz schwächerem Wachstum

    Im vergangenen Jahr wurden rund 1,5 Milliarden Smartphones verkauft. Das war ein Wachstum von zwei bis fünf Prozent im Vergleich zu 2015 - die Berechnungen einzelner IT-Marktforscher weichen etwas voneinander ab.

  • Smartphonemarkt auf Wachstumskurs

    Noch im Jahr davor war der Absatz um mehr als zehn Prozent gewachsen. Als zentrale Auslöser für die Abkühlung gelten die wirtschaftlichen Turbulenzen im größten Smartphone-Markt China sowie anderen Ländern wie Russland.

  • Samsung nicht zu schlagen

    Samsung blieb auf das gesamte Jahr gerechnet der größte Smartphone-Anbieter mit einem Marktanteil von gut 20 Prozent, Apple ist die Nummer zwei mit knapp 15 Prozent.

  • Trendwende im Weihnachtsgeschäft

    Im Weihnachtsgeschäft wurden die Apple-Verkäufe aber vom iPhone 7 beflügelt und bei Samsung schlug das Batterie-Debakel beim Galaxy Note 7 auf den Absatz. Im Ergebnis schob sich Apple in dem Quartal mit 78,3 Millionen verkauften iPhones knapp an Samsung vorbei.

  • China boomt

    Anbieter aus China haben sich - vor allem dank der Größe des heimischen Marktes - weltweit in die Spitzengruppe vor. Die drei Hersteller Huawei, Oppo und BBK schließen nach Samsung und Apple die globale Top 5 ab und kamen zusammen auf gut 20 Prozent Marktanteil.

  • Android und iOS hängen alle anderen ab

    Bei den Smartphone-Betriebssystemen dominiert Googles Android-Software mit einem Marktanteil über 80 Prozent. Den Rest füllt weitgehend das iOS von Apples iPhones aus. Andere Betriebssysteme wie Windows Phone oder Blackberry OS sind inzwischen praktisch bei Null angekommen. Dabei wurde mit ihnen einst die Hoffnungen verbunden, dass sie zur starken Nummer drei im Markt werden könnten.

  • Weltweit mobil

    Im vergangenen Jahr gab es nach Berechnungen von Experten weltweit rund 7,4 Milliarden Mobilfunk-Anschlüsse. Zum Jahr 2020 dürfte ihre Zahl auf knapp 8,4 Milliarden ansteigen, prognostiziert der IT-Marktforscher Gartner.

Warum wollte sich die Telekom überhaupt von T-Mobile US trennen?

Bei der Deutschen Telekom diskutierte man jahrelang über den Verkauf der amerikanischen Tochter T-Mobile US – die Investitionen waren hoch und die Erträge gering. Deshalb hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges immer wieder öffentlich erklärt, sich auf das Kerngeschäft in Europa fokussieren zu wollen. Vor drei Jahren war ein Zusammengehen der beiden Mobilfunkanbieter – damals wollte Sprint die Telekom-Tochter übernehmen – noch von den Behörden abgelehnt worden.

Warum jetzt der Strategiewechsel?

Kurz gesagt aus zwei Gründen:

  • Die hohen Anfangsinvestitionen in Infrastruktur, Mobilfunklizenzen und Anlagen, die mehrere Milliarden Dollar gekostet haben, zahlen sich inzwischen aus. Unter T-Mobile-US-Chef John Legere, der als Marketinggenie gilt, hat sich die US-Sparte zu einem so stabilen Geschäft entwickelt, wie man es in der Bonner Konzernzentrale vor einigen Jahren wohl nicht für möglich gehalten hätte – 2016 hat die US-Mobilfunksparte ein bereinigtes Ergebnis von 8,56 Milliarden Euro erzielt, was einem Wachstum von stolzen 28,7 Prozent entspricht.
  • Zum anderen hat die Telekom in den vergangenen Jahren die Lage in Europa falsch eingeschätzt. In Bonn ging man davon aus, dass der europäische Markt schnell zusammenwachsen würde und so Skaleneffekte bei den großen europäischen Anbietern über die Landesgrenzen hinaus zum Tragen kommen würden. Das ist aber bis heute nicht eingetreten, die Mobilfunkanbieter sind weiter vor allem national tätig. Diese erwartete Wachstumsperspektive hat sich nicht erschlossen, weshalb die Telekom jetzt wieder auf andere Märkte schaut.
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