T-Mobile USA: Iliad hängt Übernahmepläne an den Nagel

T-Mobile USA: Iliad hängt Übernahmepläne an den Nagel

, aktualisiert 14. Oktober 2014, 10:00 Uhr
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Maxime Lombardini, CEO von Iliad

Der Deal mit Iliad ist geplatzt: Der französische Konzern will die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom nun doch nicht übernehmen. Beide Seiten lehnten das Angebot an.

Der Mobilfunkkonzern Iliad hat seine Pläne für eine Milliarden-Übernahme der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US aufgegeben. Das teilten die Franzosen am Montagabend mit. Vorausgegangen seien "Gespräche mit der Deutschen Telekom und ausgewählten Mitgliedern des Verwaltungsrats von T-Mobile US", die kein Interesse an einem neuen, aufgestockten Angebot gezeigt hätten. Die Nachricht ließ die Aktie von T-Mobile an der Wall Street um 2,5 Prozent sinken.

Der viertgrößte Mobilfunker der USA nach Verizon, AT&T und Sprint lehnte eine Stellungnahme ebenso ab wie auch der deutsche Mutterkonzern. Ein Unternehmens-Insider sagte, das Angebot von Iliad habe weit unter dem gelegen, was für T-Mobile US angemessen gewesen wäre.

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Allerdings stößt die Ablehnung des Übernahmeangebots von Illiad im Telekom-Vorstand nicht nur auf Zustimmung. Mit der Sache Vertraute Personen erklärten der Nachrichtenagentur Reuters, die Telekom freunde sich zwar mit der Idee an, T-Mobile noch mindestens ein Jahr zu behalten. Sie verwiesen darauf, dass in den USA Ende 2015 wichtige Funkfrequenzen versteigert werden. Davor dürften beteiligte Firmen nicht in Übernahmeschlachten ziehen. Wenn die Telekom ihre Verkaufspläne vorerst stoppe, könnte es nach der Versteigerung mehr Interessenten geben, hieß es. Allerdings gebe es auch Manager in der Telekom, die weiter auf Iliad setzten, weil es in diesem Fall keine Einwände der Wettbewerbshüter geben dürfte.

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Quelle: Angelika Zinzow für WirtschaftsWoche

Der Telekom fehlt aber auch noch die Lösung für ein anderes Problem. Telekom-Chef Timotheus Höttges weiß im Moment überhaupt nicht, wo er den Milliardenregen aus den USA reinvestieren sollte. Die Telekom will zwar in Europa dazukaufen. Doch derzeit fehlen lukrative Offerten. Eine Rückkehr nach Russland steht wegen der schlechten politischen Großwetterlage derzeit nicht zur Diskussion. Und auch vor einer Großfusion mit dem Verbündeten Orange (ehemals: France Télécom) schreckt Höttges derzeit noch zurück.

Insofern scheint es durchaus plausibel, auf höhere Übernahmeangebote in den USA zu warten und nicht den Erlös auf die hohe Kante zu legen oder an die T-Aktionäre auszuschütten. Dabei hätten sie eine Sonderdividende durchaus verdient. Denn der Absturz der T-Aktie vor über zehn Jahren hing sehr stark mit dem völlig überteuerten Kauf des damaligen US-Mobilfunk-Startups Voicestreams zusammen. Eine finanzielle Wiedergutmachung würde insbesondere bei den langjährigen Aktionären gut ankommen.

Iliad-Chef Xavier Niel hatte Anfang August für eine Mehrheit der Telekom-Tochter 15 Milliarden Dollar beziehungsweise 33 Dollar je Aktie geboten. Zuletzt habe man das Angebot auf etwa 36 Dollar je Aktie für 67 Prozent des Unternehmens erhöht, hieß es am Montag dann. Dazu habe man sich unter anderem mit Finanzinvestoren und Banken zusammengeschlossen. Laut Insider-Informationen hatte sich Iliad bis Mitte Oktober eine Frist gesetzt, ob es das Gebot erhöht oder sich ganz zurückzieht.

Warten auf Versteigerung von Funkfrequenzen

Zudem hatten mit der Sache Vertraute Personen erklärt, die Telekom freunde sich mit der Idee an, T-Mobile noch mindestens ein Jahr zu behalten. Sie verwiesen darauf, dass in den USA Ende 2015 wichtige Funkfrequenzen versteigert werden. Davor dürften beteiligte Firmen nicht in Übernahmeschlachten ziehen. Wenn die Telekom ihre Verkaufspläne vorerst stoppe, könnte es nach der Versteigerung mehr Interessenten geben, hieß es. Allerdings gebe es auch Manager in der Telekom, die weiter auf Iliad setzten, weil es in diesem Fall keine Einwände der Wettbewerbshüter geben dürfte.

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T-Mobile gewann in den USA im August für seine Laufzeitverträge so viele Kunden wie nie zuvor. Nach Jahren mit Verlusten, die in der Konzernzentrale in Bonn zu den Verkaufsüberlegungen geführt hatten, legten die Umsätze zuletzt zu. Das US-Geschäft steuert rund ein Drittel zum Konzernumsatz und ein Fünftel zum Gewinn bei.

Analysten hatten die Telekom in jedem Fall vor einer schwierigen Entscheidung gesehen. Sollte sie aus dem US-Markt nicht schnell aussteigen, stünden hohe Investitionen an, sagte jüngst JPMorgan-Analyst Hannes Wittig.

Experten zufolge dürften neue Frequenzen im kommenden Jahr zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar kosten. Dazu kämen weitere Milliarden für den Netzausbau. Aus dem Umfeld des Bonner Konzerns verlautete damals aber, die Telekom vertraue darauf, dass die US-Tochter die Kosten mit Hilfe einer Kapitalerhöhung oder Anleihen bewältigen könne.

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