Technologiekonzern: Tokioter Börse degradiert Toshiba

Technologiekonzern: Tokioter Börse degradiert Toshiba

, aktualisiert 23. Juni 2017, 14:58 Uhr
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Das Unternehmen schätzt sein negatives Eigenkapital – ein Zeichen für hohe Verschuldung – auf nunmehr umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro zum Ende des im März abgelaufenen Geschäftsjahres.

Quelle:Handelsblatt Online

Zum sechsten Mal seit seinem Bilanzskandal von 2015 verschiebt Toshiba die Vorlage seines Geschäftsberichts. Das Unternehmen räumt ein, dass seine Finanzlage noch dramatischer ist als bisher angenommen.

TokioDer japanische Technologiekonzern Toshiba gerät immer mehr ins Strudeln. Am Freitag musste das angeschlagene Unternehmen einräumen, dass seine Finanzlage noch dramatischer ist als bisher angenommen. Der Tokioter Aktienmarkt reagierte darauf mit einer Degradierung der Firma ins zweite Börsensegment. Zugleich verschiebt Toshiba zum sechsten Mal seit einem Bilanzskandal 2015 die Vorlage eines Geschäftsberichts. Der Konzern, der mit Zehntausenden Beschäftigten unter anderem Laptops und Industrieanlagen herstellt, war durch die Insolvenz seiner US-Atomwerkstochter Westinghouse in Schieflage geraten. Retten will sich Toshiba mit dem Verkauf seiner florierenden Chip-Sparte. Doch auch hier gibt es Probleme.

Das Unternehmen schätzt sein negatives Eigenkapital – ein Zeichen für hohe Verschuldung – auf nunmehr umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro zum Ende des im März abgelaufenen Geschäftsjahres. Die Tokioter Börse wirft Toshiba deshalb zum 1. August aus der ersten Liga des Handelsplatzes. Und selbst das ist nur ein Warnschuss: Um nicht ganz von den Kurszetteln gestrichen zu werden, darf der Konzern bis Ende des laufenden Geschäftsjahres kein negatives Eigenkapital mehr aufweisen. Doch zusätzlich zu der derzeit gravierenden Differenz zwischen Vermögenswerten und Schulden fuhr Toshiba 2016/17 nach eigenen Prognosen mit rund acht Milliarden Euro auch einen höheren Nettoverlust ein als bisher veranschlagt.

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Für die Zusammenstellung der genauen Jahresbilanz hat das Unternehmen jetzt Zeit bis zum 10. August, obwohl die Vorlage des Geschäftsberichts eigentlich für den 30. Juni vorgesehen war. Hätten die Behörden diesen Aufschub verwehrt, wäre Toshiba an der Börse wohl noch stärker in die Bredouille geraten. Dort war der Konzern längst unter besonderer Beobachtung, weil er nach Einschätzung der Aufsicht Zweifel an internen Kontrollen nach dem Bilanzskandal nicht ausräumen konnte.

Unternehmenschef Satoshi Tsunakawa sah seinen Konzern schon im April im akuten Überlebenskampf. Einen Befreiungsschlag erhofft er sich nun durch den Verkauf der profitablen Chip-Sparte an ein von der Tokioter Regierung angeführtes Konsortium für umgerechnet rund 16 Milliarden Euro. Doch der bei der Auswahl der bevorzugten Bieter ausgebootete Toshiba-Partner Western Digital geht dagegen auf die Barrikaden. Am Freitag betonte Toshiba-Chef Tsunakawa, er sei zu Gesprächen mit Western Digital bereit. Die Zusammensetzung des Favoriten-Konsortiums, zu dem auch der US-Finanzinvestor Bain Capital gehört, werde sich aber bis zur Toshiba-Hauptversammlung am 28. Juni nicht ändern. Bis dahin will er den Verkauf des weltweit zweitgrößten Herstellers von Speicherchips unter Dach und Fach bringen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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