Telekom-Austria-Chef : "EU fördert Markteintritt für Trittbrettfahrer"

InterviewTelekom-Austria-Chef : "EU fördert Markteintritt für Trittbrettfahrer"

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Hannes Ametsreiter

von Jürgen Berke

Hannes Ametsreiter, Vorstandschef von Telekom Austria, will den Wettbewerb im Mobilfunk auf drei Anbieter beschränken und ärgert sich über das Vorgehen der europäischen Kommission.

WirtschaftsWoche: Herr Ametsreiter, die EU-Kommission prüft derzeit den Zusammenschluss der beiden deutschen Mobilfunkbetreiber O2 und E-Plus. In Österreich gibt es nach der Übernahme von Orange durch Hutchison nur noch drei Mobilfunkbetreiber. Reicht diese Zahl für einen funktionierenden Wettbewerb?

Ametsreiter: Ich kann und will nicht für Deutschland sprechen. Aber für ein kleines Land wie Österreich reichen drei Mobilfunkbetreiber aus. Wir haben die billigsten Tarife in Europa und liegen heute mit unseren Preisen etwa 40 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Exzellent ausgebaute Mobilfunknetze bis in die topografisch anspruchsvollen alpinen Skigebiete bei äußerst niedrigen Tarifen sind betriebswirtschaftlich eine Herausforderung. Orange Österreich war so gut wie pleite, und die Gruppe hat sich deshalb aus Österreich zurückgezogen.

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Kürzlich erhöhte Telekom Austria die ersten Mobilfunktarife. Sind das die ersten Anzeichen für ein Ende der Preiskämpfe?

Das kann man so nicht sagen. Einige Preise sind gestiegen, aber auch die Leistung. So haben wir unlimitierte Flatrates für Telefonie und SMS eingeführt und den Preis dafür um fünf Euro erhöht. Auch andere Tarife wurden angepasst. Das hängt auch mit den hohen Summen zusammen, die wir nach der letzten Versteigerung für die neuen Mobilfunkfrequenzen zahlen mussten.

Übernahme mit Folgen Was durch die Fusion von O2 und E-Plus droht

Die Fusion von O2 und E-Plus könnte den Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt schwächen und Preise steigen lassen. Dass das nicht unwahrscheinlich ist, zeigt das Beispiel Österreich.

Ein Mann klettert auf eine Antenne

Die EU-Kommission hat die Fusion von Hutchison und Orange mit hohen Auflagen genehmigt, die bisher allerdings ins Leere laufen. So sollte ein neuer, vierter Mobilfunkbetreiber in Österreich an den Start gehen. Die dafür benötigten Frequenzen wurden reserviert, aber bei der Auktion nicht abgerufen. Warum hat kein Newcomer mitgeboten?

Mich hat das nicht überrascht. Die Wettbewerbsintensität ist in Österreich so stark, dass es sich jeder zweimal überlegt, als Neuling zu starten. Außerdem waren die Gebote extrem hoch. Mit rund einer Milliarde Euro musste Telekom Austria die relativ höchsten Preise für Frequenzen in Europa zahlen. Das ist selbst für uns als Marktführer eine hohe Belastung.

Österreich ist auch der Testmarkt für eine zweite wichtige Auflage, die ein Oligopol zwischen den drei verbliebenen Betreibern und Tariferhöhungen verhindern soll. Die EU-Kommission erleichtert den Markteintritt von virtuellen Mobilfunkbetreibern ohne eigenes Netz: Die dürfen jetzt das ihres Konkurrenten Hutchison mitbenutzen. Was bedeutet das für den Wettbewerb?

Die EU-Kommission hat entschieden, dass Hutchison als jetzt drittgrößter Anbieter sein Netz in den kommenden zwölf Jahren öffnen muss für bis zu 16 virtuelle Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz – zu Konditionen, die unter den Betriebskosten liegen. Ich halte das für eine falsche Entscheidung, weil Investitionen in die Infrastruktur nicht gefördert werden. Ich kann nicht verstehen, wieso die EU-Kommission den Markteintritt solcher Trittbrettfahrer fördert.

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