Telekom-Studie zur Zukunft der Arbeit: Der Roboter in meinem Team

Telekom-Studie zur Zukunft der Arbeit: Der Roboter in meinem Team

, aktualisiert 29. Januar 2017, 13:28 Uhr
Bild vergrößern

Das Unternehmen stellt seine Studie zur Zukunft der Arbeit vor – weiß aber nicht so recht, wohin die Reise geht.

von Ina KarabaszQuelle:Handelsblatt Online

Telekom-Personalvorstand Christian Illek schwört die Belegschaft auf die Zusammenarbeit mit intelligenten Computersystemen ein. Nur: Wie die digitale Arbeitszukunft genau aussieht, vermag nicht einmal er sagen.

BonnAm Ende steht für Christian Illek die Singularität. Hm? Der Personalvorstand der Deutschen Telekom hatte gerade noch über Roboter gesprochen, über Chatbots, künstliche Intelligenz, die Zukunft der Arbeit und dann benutzt er dieses Wort. Singularität. Englisch: Singularity. Das beschwört Assoziationen mit dem Silicon Valley, dem dortigen „Mindset“, Start-ups, die mit künstlicher Intelligenz die Dominanz der Menschen auf der Erde beenden werden. Das meint dieses Wort wohl, oder nicht? Das intelligente Maschinen sich selber so schnell verbessern, dass wir maximal schmückendes Beiwerk abgeben. Darauf läuft es hinaus?

Wie waren wir da überhaupt hingekommen? Es begann wohl, als der kulleräugige Roboter Pepper am Freitag auf die Bühne in der Zentrale der Deutschen Telekom rollte und die anwesenden, rund 200 Mitarbeiter fragte, ob sie ihn als Kollegen akzeptieren werden. Natürlich eine rhetorische Frage. Was sollen sie dazu schon sagen. Nein? Selbst wenn der ein oder andere das vielleicht gerne getan hätte, geändert hätte es nichts.

Anzeige

Sie sind längt Kollegen, die Maschinen. Nicht sichtbar, wie der Roboter auf der Bühne, sie stecken im System. Bei der österreichischen Tochter T-Mobile Austria beantworten eine intelligente Software Kundenfragen auf der Internetseite. „Tinka“, ist ein Chatbot. Noch ist sie nur ungelernte Praktikantin, viel mehr als auf Standardfragen antworten kann sie noch nicht. Die Fleisch-und-Blut-Kollegen müssen sich wohl deswegen keine Sorgen machen. Seit „Tinka“ an Bord ist, würden die Kunden sogar mehr Fragen stellen, sagte Paul Stüfer von T-Mobile Austria am Freitag auf der Bühne. Heißt: Mehr Beschäftigung statt weniger. Aber so lange ist „Tinka“ ja auch noch nicht dabei - und lernt sie nicht mit jeder Interaktion dazu?

Die Software und mit ihnen die Maschinen würden immer intelligenter werden, hatte Christian Illek wenige Minuten zuvor noch dem Publikum erklärt. Das würde wahrscheinlich schon Jobs kosten, nur wüsste man eben nicht wo und wie viele - und ob nicht auch neue Arbeitsplätze entstehen würden. Mit dieser Unsicherheit ist Illek nicht alleine. Das Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest hat für Telekom Entscheider in mittelständischen und großen Unternehmen gefragt, wie sie sich die Zukunft mit Robotern und künstlicher Intelligenz vorstellen. 1000 von ihnen beantworteten Fragen, wie: „Sehen Sie Roboter/ künstliche Intelligent in der Arbeitswelt eher als Bereicherung, Bedrohung oder beides.“ Fast die Hälfte der Befragten glauben, dass es beides ist. Allerdings gaben fast 70 Prozent an, dass sie sich einen Roboter als Teil des Teams nicht vorstellen können. Mögen wir die Zukunft als nur, wenn sie uns nicht direkt betrifft?


Arbeit als Lebenszweck?

In den kommenden zehn Jahren wird der Automatisierungsgrad durch Roboter und intelligente Maschinen von derzeit rund 20 Prozent, auf mehr als 85 Prozent steigen, so schätzen es die befragten Entscheider ein. Nur: 44 der befragten Unternehmen planen derzeit nicht, solche Systeme einzusetzen. Um trotzdem auf die 85 Prozent zu kommen, würde das wohl bedeuten, dass einige ihre Prozesse sehr, sehr stark automatisieren müssen. Was passiert dann mit den Mitarbeitern von diesen Firmen? Vielleicht sind das jene, die angegeben haben, dass sie sich Sorgen darum machen, ob Roboter ihnen die Jobs wegnehmen. Immerhin waren das ein Drittel der Befragten. Und was machen dann die, die keinen Job mehr haben?

Vielleicht wäre es gut, wenn die Arbeit weniger wird, dass Menschen einfach weniger arbeiten würden und den Rest ihrer Zeit kreativ verbringen, schlägt ein Telekom-Mitarbeiter aus dem Publikum vor. Doch Personalvorstand Illek sieht das kritisch. Viele Menschen würden arbeiten als Lebenszweck sehen, sagt er. „Es ist gut wenn man einen Lebenszweck außerhalb der Arbeit hat, aber für eine signifikante Mehrheit ist das noch nicht so.“

Es ist eine vertrackte Situation. Digitalisierung steht für Chancen, für Verbesserung, für Zukunft – und für Unsicherheit. Die Figuren auf dem Schachbrett der Weltentwicklung bekommen neue Formen. Wird eine davon vielleicht ein kulleräugiger Roboter sein? Manchen macht das Sorgen. Wie sollen wir damit umgehen?

„Ich habe keine Gebrauchsanweisung“, sagt Illek. Nur eines ist im klar: Er will bei der Zukunft von Anfang an dabei sein – und die Telekom mitziehen. Je früher man sich bewege, desto eher habe man eine Chance, die Entwicklung zu beeinflussen, ist er überzeugt. „Wir versuchen der Diskussion zum dem Thema einen optimistischen Touch zu geben, bisher ist sie eher zögerlich.“

Bisher, so scheint es, bringt die Zukunft vor allem viele Fragen und wenig Antworten. Jedoch bei einem ist sich Christian Illek sicher: An einem Punkt werden wir die Singularität erreichen. Nur wann, dass weiß er auch nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%