Telekom: Was hinter dem Streit um das superschnelle Internet steckt

Telekom: Was hinter dem Streit um das superschnelle Internet steckt

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Bundesnetzagentur: Schulterschluss mit der Telekom.

von Jürgen Berke

Die Bundesnetzagentur schlägt sich auf die Seite der Telekom. Warum der Ex-Monopolist den Vorfahrtschein für den Einsatz eines Internet-Turbos bekommt, Konkurrenten verärgert sind und was auf die Kunden zukommt.

Die Konkurrenten der Deutschen Telekom kämpften bis zuletzt. Doch auch der geballte Einsatz aller Lobbyisten konnte die Bundesnetzagentur nicht umstimmen. Die Bonner Behörde hat verkündet, dass sie die umstrittenen Netzausbaupläne der Deutschen Telekom absegnen will. Die Telekom verlässt also als Sieger den Ring. Zum Schluss durchschaute aber kaum noch jemand, wieso das Gezerre um den künftigen Glasfaserausbau derart eskalieren konnte. Die WirtschaftsWoche rollt den Streit noch einmal auf:

Wer hat den Streit entfacht?

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Die Deutsche Telekom. Anfang des Jahres hat der Telekom-Vorstand bei der Bundesnetzagentur einen Antrag eingereicht, der auf dem ersten Blick wie eine Lappalie klingt. Für 5,9 Millionen Haushalte, die im Nahbereich von rund 500 Metern rund um einen Hauptverteiler wohnen, will die Telekom die Geschwindigkeit des VDSL-Anschlusses auf 100 Megabit pro Sekunde beschleunigen. Bisher kann die Telekom dort nur maximal 50 Megabit pro Sekunde anbieten. Einen Turbo, das sogenannte Vectoring, kann die Telekom dort bisher nicht einbauen, weil Konkurrenten die Hauptverteiler mit eigener VDSL-Technik erschlossen haben. 

Die Internet-Anschlüsse der deutschen Haushalte

  • 63,8% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 50 Megabit pro Sekunde und mehr.

    Stand: Sommer 2014; Quelle: TÜV Rheinland

  • 70,7% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 30 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 78,2% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 16 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 89,0% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 6 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 94,9% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 2 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 96,2% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 1 Megabit pro Sekunde und mehr.

Warum regen sich die Wettbewerber so auf?

Die Deutsche Telekom hat ein Tabu angetastet. Denn sie schlägt vor, dass sich die Konkurrenten aus den Hauptverteilern zurückziehen und ihre dort eingebaute Vermittlungstechnik wieder abbauen. Direkt betroffen wären davon 135.000 VDSL-Kunden der Konkurrenten. Folgt die Bundesnetzagentur diesem Vorschlag, würde dies nach Ansicht der Telekom-Konkurrenten alle Grundregeln eines fairen Infrastrukturwettbewerbs verletzen und langfristig dazu führen, dass die Telekom das Monopol über ihre Infrastruktur zurückerhält. Als Kompromiss schlägt die Bundesnetzagentur in einem jetzt veröffentlichten Entscheidungsentwurf vor, dass die Wettbewerber in den Regionen, in denen sie mehr VDSL-Technik einsetzen als die Telekom, die exklusiven Ausbaurechte erhalten. Für die Wettbewerber ist dies  jedoch völlig unzureichend. Insbesondere der zukünftige, vielerorts längst geplante Netzausbau, kritisieren sie, will die Bundesnetzagentur bei ihrer Entscheidung, wer in welcher Region den Zuschlag bekommt, nicht einfließen lassen.

Martin Witt 1&1-Chef wirft der Telekom unfairen Wettbewerb vor

Der 1&1-Geschäftsführer Martin Witt wirft der Telekom vor, alle Grundregeln des Infrastrukturwettbewerbs zu verletzen.

Martin Witt Quelle: Presse

Warum können nicht mehrere Anbieter den Vectoring-Turbo einbauen und zünden?

Der Vectoring-Turbo  arbeitet nur störungsfrei, wenn ein einziger Anbieter ihn einsetzt. Das von Netzausrüstern wie Alcatel-Lucent und Huawei entwickelte Verfahren presst früher nicht für möglich gehaltene Geschwindigkeiten aus den alten Kupferkabeln heraus. Vorteil für die Deutsche Telekom: Sie muss vorläufig nicht mehr flächendeckend in ganz Deutschland die Kupferkabel durch Glasfaser bis in die Häuser ersetzen, was nach Telekom-Kalkulationen Investitionen in Höhe von 1000 bis 1500 Euro pro Haushalt verschlingen würde. Stattdessen reicht es nun aus, die Glasfaserleitungen bis in die Verteilerschränke am Straßenrand zu verlegen und auf den letzten 100 bis 300 Metern die alten Kupferkabel weiter zu nutzen. Das kostet nur noch 220 Euro pro Haushalt.

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