Telekommunikation: Die drei Plagen der Telekom

Telekommunikation: Die drei Plagen der Telekom

, aktualisiert 26. Februar 2015, 07:22 Uhr
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Logo der Deutschen Telekom

von Jürgen Berke und Stephan Happel

Das US-Geschäft sorgt bei der Deutschen Telekom für kräftiges Wachstum. Der Umsatz stieg um 4,2 Prozent auf 62,66 Milliarden Euro. Trotzdem quälen die Telekom drei Plagen, die der Konzern nicht in den Griff bekommt.

Die Telekom-Aktie ist seit dem Verkaufstief im Oktober 2014 um mehr als 50 Prozent gestiegen und notiert derzeit bei mehr als 16 Euro. Der Konzern hat es zuletzt geschafft, in wichtigen Bereichen Boden gut zu machen und Baustellen zu beseitigen. Nach massiven Werbekampagnen und einem erbitterten Preiskampf konnte die amerikanische Tochter T-Mobile in den vergangenen Monaten Rekordzuwächse mit Millionen neuer Kunden melden.

Das brummende Geschäft in den USA hat der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr einen Schub verliehen. Die Bonner steigerten den Umsatz 2014 vor allem dank des starken Wachstums des einstigen Sorgenkindes um 4,2 Prozent auf 62,66 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn stieg von 930 Millionen auf 2,92 Milliarden Euro, was unter anderem Sondererlösen aus einem Teilverkauf des Internetportals Scout24 zu verdanken war. Bereinigt um außergewöhnliche Effekte wäre der Gewinn um gut zwölf Prozent geschrumpft. Im vierten Quartal fiel vor allem wegen Personalaufwendungen ein Verlust von 110 Millionen Euro an. Seinen Aktionären will der Konzern eine unveränderte Dividende von 0,50 Euro je Aktie zahlen.

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Auch im deutschen Mobilfunkgeschäft läuft es gut: Die Telekom profitiert von den Schwächen ihrer Konkurrenten: Während das eigene Mobilfunknetz von der Fachzeitschrift „Connect“ zum besten Deutschlands gewählt wird, steckt Vodafone mitten in einer Modernisierungsoffensive, um die massiven Netzprobleme in den Griff zu bekommen. Und nach der Übernahme von E-Plus ist so stark mit der Integration der beiden Unternehmen, dass der drittgrößte Spieler mehr den bestehenden Kundenstamm verwaltet statt mit neuen Discountangeboten Marktanteile zu gewinnen.  

Also ist alles in Ordnung? Von wegen. Drei Plagen quälen die Deutsche Telekom, die der Konzern einfach nicht in den Griff bekommt.

Das Zehn-Punkte-Programm der Telekom zur Cyber-Sicherheit

  • Punkt 1

    Die Erkenntnisse, die Edward Snowden zur Verfügung gestellt hat, müssen vollständig offengelegt und zugänglich gemacht werden. Nur so können mögliche Schwachstellen im Netz identifiziert und unverzüglich geschlossen werden.

  • Punkt 2

    Innerhalb der EU sollten die Mitgliedsländer auf gegenseitiges Ausspionieren des Telekommunikations- und Internetverkehrs verzichten. Auch mit den USA sollte weiterhin ein Abkommen über einen Spionage-Verzicht angestrebt werden.

  • Punkt 3

    Sicherheitsbehörden sollten transparent machen, welche Informationen sie über Telekommunikations- und Internetnutzer abfragen. Dazu gehören Anzahl und Art der erfolgten Anfragen und Auskünfte sowie der überwachten Anschlüsse.

  • Punkt 4

    Unternehmen müssen Transparenz über Sicherheitsstandards und erfolgte Angriffe schaffen. Nur durch gegenseitige Ergänzung wird ein möglichst umfassender Schutz vor Cyberangriffen erreicht. Die Telekom hat ihre technischen Sicherheitsstandards unter www.telekom.com/sicherheit veröffentlicht und macht Cyberangriffe unter www.sicherheitstacho.eu transparent.

  • Punkt 5

    Forschung und Bildung zu Cybersicherheitsthemen müssen verstärkt werden. Die Telekom richtet einen Lehrstuhl für Datenschutz und Datensicherheit an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig ein. Mit der Plattform Teachtoday.de stellt die Telekom zudem Unterrichtsmaterialien für Schulen zum Themenkomplex Sicherheit und Datenschutz bereit.

  • Punkt 6

    Analytik und Forensik zur Netzsicherheit müssen verstärkt werden. Dafür sollten die Cyber Emergency Response Teams (CERT) in den Unternehmen ausgebaut und enger verzahnt werden. Neben der Verstärkung ihres Teams fördert die Telekom die Ausbildung von Spezialisten: Gemeinsam mit der IHK Köln wurde 2014 ein neues Qualifikationsprogramm „Cyber Security Professional“ geschaffen. Die Telekom wird in den nächsten Jahren mehrere hundert Mitarbeiter zu IT-Sicherheitsexperten weiterqualifizieren.

  • Punkt 7

    Perspektivisch sollten die Inhalte auf dem Übertragungsweg Ende zu Ende verschlüsselt werden. Hier sind Hersteller, Netzbetreiber und Diensteanbieter gleichermaßen gefordert, einfache Lösungen für Kunden zu entwickeln. Die Telekom setzt sich bei den Standardisierungsgremien für einheitliche Verschlüsselungstechniken ein.

  • Punkt 8

    Netzbetreiber dürfen sich nicht von einzelnen Herstellern kritischer Infrastrukturkomponenten abhängig machen. Die Telekom führt für diese Elemente eine so genannte georedundante Dual-Vendor-Strategie ein. Bei kritischen Komponenten setzt die Telekom Produkte von mindestens zwei Herstellern aus unterschiedlichen geographischen Regionen ein.

  • Punkt 9

    Hersteller von Hard- und Software müssen genauso wie Netz- und Diensteanbieter bekannte Schwachstellen unverzüglich beseitigen. Die Telekom wird ihre Zulieferer dazu verpflichten. Bei besonders kritischen Komponenten sollte die Sicherheit der Produkte durch eine unabhängige Prüfstelle nachgewiesen werden. Das IT-Sicherheitsgesetz sowie die entsprechende Richtlinie der EU sollten das aufgreifen.

  • Punkt 10

    Daten dürfen beim Transport durch das Internet keine Umwege durch andere Rechtsräume nehmen. Im Telekom-Netz ist das Internet der kurzen Wege bereits realisiert. Diesen Ansatz will die Telekom mit einer Selbstverpflichtung aller Internetprovider weiter vorantreiben. Damit würde ein unberechtigter Zugriff auf die in Europa transportierten Daten von außerhalb deutlich erschwert.

1. Innovationen

Es ist schon ein schlechtes Zeichen, wenn selbst der Unternehmenschef Timotheus Höttges zerknirscht einräumen muss, dass  Innovationen “nicht zur DNA der Telekom” gehören. Der Konzern ist schwerfällig wie ein Tanker, wollte aber lange in allen Bereichen den Ton vorgeben. Ex-Chef Renè Obermann gab das Ziel vor, in neuen Wachstumsfeldern wie dem mobilen Internet, dem vernetzten Zuhause sowie intelligenten Netzlösungen für die Autobranche, den Energiesektor und das Gesundheitswesen bis 2015 knapp 30 Milliarden Euro mit neuen digitalen Angeboten zu erwirtschaften. Davon ist der Konzern so weit entfernt, dass Höttges den Traum des Vorreiters in allen Bereichen zu sein, ganz aufgeben hat.

In Zukunft will sich die Telekom auf den Ausbau seines Netzes und die Entwicklung netznaher Dienste konzentrieren. Die Entwicklung der neuer Produkte  für den Endverbraucher überlässt die Telekom in Zukunft lieber anderen. Künftig soll mehr Kooperationen wie mit Netflix geben. Die Serien und Filme des Videoportals zum Beispiel laufen auch in der Telekom-Videothek Entertain.

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2. Festnetz

Bis 2018 will der Konzern alle Kunden auf den sogenannten All-IP-Anschluss umstellen. Dann laufen Telefongespräche und das Fernsehprogramm wie auch Internet-Daten nicht mehr über die klassischen Leitungen  sondern werden mithilfe des Netzwerkprotokolls durch Paketvermittlung bereitgestellt.

 Der Telekom bringt das in Zukunft Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe, derzeit aber vor allem massiven Kundenfrust. Das Unternehmen stellt auslaufende Verträge nämlich zwangsweise um: Kunden  werden  schriftlich aufgefordert, einen neuen Vertrag abzuschließen. Wer es nicht macht droht gekündigt zu werden. Mehr als vier Millionen Deutsche hat die Telekom schon so zum Wechsel bewegt.

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Das Problem: Die neue Technik ist extrem störanfällig. Die technischen Probleme nehmen seit einem dreiviertel Jahr überhand. Immer mehr Kunden beschweren über Verbindungsabbrüche und gestörte Telefonate. Kein Wunder: Im laufenden Betrieb die Generalüberholung des Netzes zu organisieren, ist tatsächlich kein Kinderspiel. Mehrmals hatte deshalb die Telekom die Umstellung verschoben.

3. Geschäftskunden

Zwei Schritte vor und drei zurück. Die IT-Sparte T-Systems kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Renditeziele hat T-Systems-Chef Reinhard Clemens noch nie erreicht. Jetzt versucht er es mit einer Rückkehr zu alten Tugenden. Künftig will er klassische Kommunikationsdienste für weltweit operierende Großkonzerne wieder verstärkt anbieten. Das Ziel: Vodafone, wie jüngst durch den Mega-Deal mit der Deutschen Bank, soll nicht noch mehr Großkunden abjagen. Dabei wollte Clemens aus T-Systems eigentlich die europäische Antwort auf IBM aufbauen und groß ins Geschäft mit IT-Outsourcing einsteigen.

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