Terrorabwehr: Telekom will Prepaid-Karten beschränken

exklusivTerrorabwehr: Telekom will Prepaid-Karten beschränken

, aktualisiert 05. Januar 2017, 13:26 Uhr
von Jürgen Berke

Ein Anruf, dann wird die Prepaid-Karte gewechselt. So können Terroristen Ermittler mit wechselnden Rufnummern austricksen. Die Deutsche Telekom will eine europaweite Anti-Terror-Initiative starten, um das zu verhindern.

Die Deutsche Telekom will eine europaweite Anti-Terror-Initiative starten, um den verstärkten Missbrauch von vorausbezahlten Mobilfunkkarten einzudämmen. „Wir gehen davon aus, dass Kriminelle Prepaid-Karten auf Vorrat kaufen und sie dann häufig nur für einen einzigen Anruf benutzen“, sagt Thomas Kremer, der für Datenschutz, Recht und Compliance zuständige Vorstand der Deutschen Telekom der WirtschaftsWoche.

Auch unter Terroristen hat sich herumgesprochen: Wer nach jedem Anruf eine neue Prepaid-Karte in sein Handy einlegt, der kann mit Komplizen und Hintermännern telefonieren, ohne dass staatliche Sicherheitsbehörden die Gespräche abhören können.

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Terroristen horten deshalb bevorzugt solche Prepaid-Karten, um sie gezielt zur Vorbereitung von Anschlägen einzusetzen. In einigen europäischen Ländern – etwa in Österreich, den Niederlanden und Rumänien – ist das besonders einfach. Denn dort können Prepaid-Karten sogar ohne Vorlage des Personalausweises bestellt werden. Auch Deutschland hat die Identitätsprüfung sowie eine zusätzliche Verifizierung vor der Freischaltung erst im Rahmen der Anti-Terror-Gesetze im vergangenen Sommer beschlossen. Das Gesetz tritt aber erst am 1. Juli 2017 in Kraft.

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Quelle: Pressebild, Montage

Aufgeschreckt wurde der Telekom-Vorstand durch einen besonders drastischen Missbrauchsfall in Ungarn. Im Namen eines männlichen Obdachlosen, der inzwischen verstorben ist, legten offenbar Hintermänner der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Vorrat von 200.000 Prepaid-Karten an. Einzelne Karten fanden die Ermittlungsbehörden offenbar nach den Anschlägen in Paris und Brüssel in den Taschen der auf der Flucht erschossenen Terroristen. Die meisten verkaufte die Telekom-Tochter Magyar Telekom, der Rest verteilte sich auf die beiden ungarischen Konkurrenten Vodafone und Telenor.

Die ungewöhnliche Häufung auf den Namen eines Obdachlosen war zunächst niemanden aufgefallen. Intern bei der Telekom eingeleitete Untersuchungen kommen aber zu dem Ergebnis, dass die ungarische Tochter alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten hat. „Aber das reicht offensichtlich nicht aus, um Missbrauch zu verhindern“, sagt Kremer.

Der Telekom-Vorstand will deshalb in den nächsten Wochen Gespräche mit Wettbewerbern, EU-Vertretern und Aufsichtsbehörden aufnehmen – mit dem Ziel, möglichst einheitliche gesetzliche Regelungen in ganz Europa durchzusetzen. „Eine Registrierung mit Identifizierung sowie eine Limitierung der Kartenmenge pro Kauf sind Möglichkeiten, die im politischen Diskussionsprozess erörtert werden sollten“, sagt Kremer.

Gleichzeitig will die Telekom neue Identifizierungsverfahren für den Kauf von Prepaid-Karten in ihren Online-Shops entwickeln. Aber diese Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen.

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