Thomas Vollmoeller: "Xing wird weiter zweistellig wachsen"

InterviewThomas Vollmoeller: "Xing wird weiter zweistellig wachsen"

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Vorstandschef von Xing: Thomas Vollmoeller

Vorstandschef Thomas Vollmoeller sagt im Interview, wie er trotz höherer Preise mehr Mitglieder locken und gleichzeitig die hohen Erwartungen der Börse erfüllen will.

WirtschaftsWoche Online: Herr Vollmoeller, Xing hat gute Zahlen fürs erste Halbjahr hingelegt. Der Umsatz legte um ein Viertel zu, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sogar um zwei Drittel. Außerdem stieg die Mitgliederzahl um 22 Prozent auf knapp neun Millionen. Welche Zahl freut Sie am meisten?
Thomas Vollmoeller: Unser wichtigstes Kriterium ist die Kundenzufriedenheit. Und die können wir zum Beispiel daran messen, wie lange die Nutzer auf unserer Seite bleiben, wie viele neue Bezahlkunden wir gewinnen und auch daran, wie viele neue Mitglieder insgesamt  hinzukommen. Natürlich beschwere ich mich auch nicht, wenn gleichzeitig Umsatz und Gewinn zulegen, so wie im ersten Halbjahr. Aber wenn ich wählen müsste, würde ich mich für das Mitgliederwachstum entscheiden.

Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist so niedrig wie zuletzt Anfang der Neunziger. Ist das für ein Karrierenetzwerk eigentlich gut oder schlecht?
Im Prinzip gut, weil die Fachkräfte bei guter Konjunktur rar sind und umgarnt werden. Davon profitieren wir als Karrierenetzwerk. Grundsätzlich sind wir aber auch bei schwächerer Konjunktur stabil.

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Vita

  • Thomas Vollmoeller

    Seit Vollmoeller, 55, bei Xing das Zepter schwingt, hat sich der Aktienkurs mehr als verdreifacht. Der Gewinn soll in diesem Jahr erstmals im zweistelligen Millionenbereich liegen. Vor seiner Zeit bei Xing war Vollmoeller bereits Chef des Schweizer Handels- und Logistikunternehmens Valora. Seine Karriere begonnen hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Anfang der Achtziger beim IT-Riesen IBM. Nach Stationen bei McKinsey, Tchibo und eben Valora übernahm er 2012 den Chefposten beim deutschen Karrierenetzwerk. Als Interesse gibt Vollmoeller dort übrigens unter anderem den FC St. Pauli an. Das passt, auch Xing hat seinen Hauptsitz in Hamburg. Zum Millerntorstadion sind es nur 20 Minuten zu Fuß.

Wichtigste Umsatzstütze von Xing sind die Premium-Nutzer, die knapp 60 Prozent zum Umsatz beisteuern. Im vergangenen Jahr haben Sie die Preise deutlich erhöht. Wie wollen Sie dennoch neue Kunden gewinnen?
Wir haben das Produkt weiter verbessert und im Premium-Bereich neue Partner integriert, wie etwa Statista. Mit ProJobs bieten wir einen zusätzlichen neuen Service. Mit diesem können Kunden ihr Profil um zusätzliche Informationen wie beispielsweise Arbeitszeugnisse und Referenzen ergänzen. ProJobs-Nutzer werden zudem noch besser von Headhuntern gefunden und sie erhalten Zugang zu bestimmten Jobs, die es nirgendwo sonst gibt. So schaffen wir Exklusivität.

Probleme bereitete jüngst die Veranstaltungssparte Events. Sie mussten Anfang des Jahres 7,1 Millionen Euro auf die Akquisition abschreiben. Wie geht es weiter?
Wir mussten feststellen, dass das Geschäft sehr wettbewerbsintensiv und für uns nicht werthaltig ist. Deswegen haben wir das Geschäftsmodell gedreht, mit stärkerem Fokus auf das Privatkunden-Geschäft. Die Nutzer können bei Xing Events sehen, welche Veranstaltungen für sie interessant sein könnten und welche Events ihre Kontakte besuchen. Und sie können über unsere Plattform die Tickets dafür kaufen. Wir haben so den Turnaround geschafft und waren im ersten Halbjahr in der Events-Sparte wieder profitabel.

Xing hat nun bereits etwa neun Millionen Mitglieder, im Aktienkurs ist aber immer noch eine Menge Wachstumsfantasie. Wie kann Xing dem gerecht werden?

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Wenn Sie sich unser Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen anschauen, ist der Trend schon in den vergangenen Jahren sehr gut gewesen. Im vergangenen Jahr fiel das Nettoergebnis ausschließlich wegen der oben erwähnten Abschreibung geringer aus. Wir erwarten, dass wir auch in den kommenden Jahren jeweils gut zweistellig wachsen werden. Dabei schätzen wir das Nutzerpotenzial im deutschsprachigen Raum auf etwa 20 Millionen.

Wir können unseren Nutzern auch durch unsere Akquisitionen wie Kununu (Portal für Arbeitgeberbewertung), Jobbörse.com oder Events noch viel mehr anbieten als die Mitgliedschaft im Xing-Netzwerk. Wir wollen also auf zwei Wegen weiter wachsen: Dadurch, dass wir mehr Kunden gewinnen und dadurch, dass wir diesen Kunden differenzierte Angebote bieten. Ums Wachstum mache ich mir deshalb keine Sorgen.

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