Tiefrote Zahlen : Wie Twitter die Anleger gnädig stimmt

Tiefrote Zahlen : Wie Twitter die Anleger gnädig stimmt

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Twitter stellt einen Plan auf, der für einen Wachstumsschub sorgen soll. Insbesondere Twitter-Novizen sollen von den geplanten Änderungen profitieren.

Die Quartalszahlen von Twitter sind mies. Trotzdem beeindruckte der Kurznachrichtendienst die Anleger. Das Unternehmen hatte vor Präsentation der Zahlen seine Strategien zur Nutzergewinnung vorgestellt. Das kam an,

Twitter steht unter Druck. Seit der Kurznachrichtendienst an der Börse ist, will die Wall Street Ergebnisse sehen – und die konnte Twitter zuletzt selten liefern. Dabei geht es nicht einmal darum, dass das Unternehmen seit seiner Gründung 2006 noch keinen Gewinn gemacht hat.

Der Kurznachrichtendienst hinkt vor allem beim Wachstum den Erwartungen hinterher. Und der Konzern hat sich die Messelatte selbst ziemlich hoch gelegt:  „Wir wollen täglich das größte Publikum in der Welt“, verkündete Twitter-Chef Dick Costolo. In der Realität liegt der Kurznachrichtendienst indes weit hinter Facebook zurück.

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Pläne im Überblick So will Twitter sich ändern

Twitter ist noch immer nichts für die breite Masse. Das verärgert Werbekunden und Investoren. Gleich mehrere Neuerungen sollen das Wachstum ankurbeln. Ein Überblick über die wichtigsten Pläne.

Twitter stellt einen Plan auf, der für einen Wachstumsschub sorgen soll. Insbesondere Twitter-Novizen sollen von den geplanten Änderungen profitieren. Quelle: dpa

Während die Zahl der angemeldeten Nutzer langsam steigt, stagnierte die der versendeten Tweets zuletzt. Ende 2014 verkündete der Dienst, dass täglich 500 Millionen Tweets versendet werden. Ein Jahr zuvor waren es etwa genauso viele.

Weil Twitter bei den Wachstumszahlen zuletzt nicht voll überzeugen konnte, stellt das Unternehmen gerne sein Potential in den Vordergrund – und versucht so glaubhaft zu machen, dass die Zielgruppe viel größer sei als die rund 284 Millionen zuletzt angemeldeten Nutzer. Das sind vor allem besonders medienaffine Nutzer und Nachrichten-Junkies, die sich im Strom der Updates gut zurecht finden. Normale Internetnutzer fühlen sich vom steten Fluss der Informationen bei Twitter schnell überfordert.

Twitters Kampf um neue Nutzer

Im November wurden deshalb einige grundlegende Neuerungen vorgestellt, die in Zukunft mehr neue User locken sollen, darunter eine vorgefertigte Timeline für Neueinsteiger und verbesserte Funktionen für das Versenden privater Nachrichten. Die Neuankündigungen kamen an der Börse so gut an, dass die Aktie deutlich nach oben schoss.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Auch nach Bekanntgabe der eher schlechten Quartalszahlen, sprang die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als elf Prozent hoch. Dabei hatte Twitter in den drei Monaten die Nutzerzahl nur um vier Millionen gesteigert und einen Verlust von 125,35 Millionen Dollar verbucht. Der Umsatzanstieg von 361 auf 479 Millionen Dollar innerhalb von nur drei Monaten bei kaum gewachsener Nutzerzahl könnte aber bedeuten, dass die Werbemaschine von Twitter langsam in Schwung kommt. .

Twitter ist es offenbar gelungen, mit einigen Informationsfetzen und Versprechungen das Interesse hochzuhalten und für bessere Stimmung bei Analysten und Anlegern zu sorgen. So wurde am Dienstag bekannt, dass Twitter über eine geschickte Kooperation mit anderen Internet-Diensten seine Werbeeinnahmen steigern will.

Eine der wichtigsten Einnahmequelle des Dienstes, sogenannte Promoted Tweets, sollen bald auch auf externen Portalen angezeigt werden. Zu den ersten Partnern, die die Werbebotschaften in Tweet-Form zulassen, zählen die Magazin-App Flipboard und das Nachrichtenportal Yahoo Japan, teilte das Unternehmen in seinem Blog mit.

Am Donnerstag sickerte zudem die Informationen durch, dass Twitter wieder gemeinsame Sache mit Google macht. Über die Suchmaschine sollen künftig auch für die Nutzer Tweets in Echtzeit sichtbar werden, die gar nicht bei Twitter angemeldet sind. Die Kooperation mit dem Suchmaschinen-Giganten ist der vermutlich beste Weg, auch die Nutzer zu erreichen, die bislang um Twitter einen großen Bogen machen.

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Von den Werbeeinahmen, die so erzielt werden, profitiert vor allem Twitter. Google soll keine Beteiligung erhalten, gelangt dafür aber eine Flut an Nutzerdaten. Die auffindbaren Tweets sind keine Neuerung: Eine ähnliche Vereinbarung hatten die Firmen bereits zwischen 2009 bis 2011 geschlossen.

An der Börse kommen die Verlautbarungen aus dem Twitter-Konzern gut an. Nach Bekanntwerden der Neuigkeiten stieg der Kurs um mehrere Prozentpunkte. Kurz vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen notiert die Aktie derzeit so hoch wie seit Monaten nicht mehr.

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