TV-Geschäft: Time Warner will Endemol

TV-Geschäft: Time Warner will Endemol

, aktualisiert 08. November 2011, 13:20 Uhr
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Günther Jauch moderiert die RTL-Show "Wer wird Millionär?".

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Der amerikanische Medienriese Time Warner will sein TV-Geschäft internationalisieren. Mit dem Produzenten von „Big Brother“ fände er eine ideale Ergänzung. Für Time Warner wäre Endemol der erste Schritt zur Expansion.

DüsseldorfDer US-Medienkonzern Time Warner bietet eine Milliarde Euro für den hochverschuldeten niederländischen Fernsehproduzenten Endemol. Ein entsprechendes unaufgefordertes Angebot ist bei den Eignern von Endemol, dem italienischen Medienkonzern Mediaset, der Investmentbank Goldman Sachs und der Investmenttochter Cyrte des TV-Unternehmers John de Mol eingegangen. Das bestätigte das Unternehmen. Endemol ist weltweit mit Fernsehformaten wie „Big Brother“ und in Deutschland zudem mit „Wer wird Millionär?“ berühmt geworden.

Mit dem TV-Produzenten Endemol will sich Time Warner insbesondere in Europa verstärken. Dem Konzern gehört das Hollywood-Studio Warner Bros., das Kinohits wie „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ produzierte. Warner Bros. gilt neben Disney als die Nummer eins in Hollywood.

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Das Angebot ist für Time Warner ein neuer Schritt in Richtung Expansion. Konzernchef Jeff Bewkes ist seit seinem Amtsantritt Anfang 2008 sehr vorsichtig bei milliardenschweren Zukäufen. Dennoch hatten Branchenkreise eine Offerte für Endemol erwartet. „Time Warner hielt schon seit langem Ausschau nach einem geeigneten Übernahmeprojekt“, hieß es gestern in Finanzkreisen. „Doch neben Fremantle, das nicht zum Verkauf steht, gibt es in dieser Kategorie nur Endemol.“

Endemol hat jedoch ein Problem: Der im niederländischen Hilversum ansässige TV-Produzent ist hochverschuldet. Mediaset, Goldman Sachs und Cyrte hatten vor vier Jahren auf dem Höhepunkt des Private-Equity-Booms die Endemol-Übernahme größtenteils mit Krediten finanziert. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 2,8 Milliarden Euro. Der Konzern erwartet für dieses Jahr einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 140 Millionen Euro. Nach Branchenschätzungen hat Endemol derzeit noch einen Wert von 800 bis 1,2 Milliarden Euro. Vor vier Jahren lag der Unternehmenswert noch bei 3,1 Milliarden Euro.

Endemol versucht seit Monaten, einen Ausweg aus der Überschuldung zu finden. Unter den Kreditgebern sind Barclays und die Royal Bank of Scotland. Im Management führten die Turbulenzen zu Verwerfungen. Im Juni trat Endemol-Chef Ynon Kreiz zurück. Seine Aufgabe übernahmen vorübergehend Marco Bassetti und der Finanzvorstand Just Spee.

Die intensiven Verhandlungen über eine Umschuldung sollen unabhängig vom Kaufangebot von Time Warner fortgeführt werden. „Wir sind mitten in der finanziellen Restrukturierung und glauben fest an ein positives Ergebnis“, sagte ein Endemol-Sprecher in London. Er wollte sich nicht dazu äußern, wie lange die Verhandlungen mit den Kreditgebern noch dauern werden. Für Time Warner passt Endemol in die Strategie, künftig unabhängiger vom volatilen TV- und Werbemarkt in den USA zu werden und das Geschäft zu internationalisieren.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der US-Medienkonzern für geschätzte 160 Millionen Dollar den britischen TV-Produzenten Shed Media („Super-Nanny“) erworben. Zudem kauften die Amerikaner im vergangenen Jahr den ältesten chilenischen Fernsehsender Chilevision für 150 Millionen Dollar.

Auch Medienkonzerne wie News Corp., zu dem das Hollywood-Studio 20th Century Fox gehört, suchen verstärkt ihr Heil in der Produktion von Serien und Filmen außerhalb der USA. „Die lokalen Produktionen werden für uns immer wichtiger“, sagte Mark Kaner, Vertriebschef von Fox, zuletzt dem Handelsblatt. Und fügte hinzu: „Unser wichtigster Konkurrent ist nicht Warner Bros., sondern die lokalen Programme überall auf der Welt.“ News Corp., der Medienkonzern von Rupert Murdoch, hatte erst im Februar die britische TV-Produktionsfirma Shine für 673 Millionen Dollar übernommen. Doch auch das Produktionsgeschäft ist inzwischen hart umkämpft. Die Margen sinken.

Den Kostendruck bekam zuletzt auch der Endemol-Konkurrent Fremantle hart zu spüren. Die Tochter des Fernsehkonzerns RTL Group verzeichnete in den ersten sechs Monaten einen Gewinneinbruch. Das Ebitda sank im ersten Halbjahr auf 72 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 90 Millionen).

Quelle:  Handelsblatt Online
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