Twitter: Aktie bricht trotz Umsatzsteigerungen ein

Twitter: Aktie bricht trotz Umsatzsteigerungen ein

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Die Twitter-Aktie ist in dieser Woche auf den tiefsten Kurs seit dem Börsengang gefallen.

Der Kurzmitteilungsdienst Twitter kommt auch unter Mitgründer Jack Dorsey nicht recht in Schwung. Mageres Nutzerwachstum, rote Zahlen und ein trüber Geschäftsausblick ließen die Aktie an der Börse abstürzen.

Noch keine Trendwende unter Hoffnungsträger Jack Dorsey: Twitters erstes volles Quartal nach der Rückkehr des Mitgründers auf den Chefposten hat die Anleger enttäuscht. Zwar steigerte das Unternehmen den Umsatz in den drei Monaten bis Ende September verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 569 Millionen Dollar (515 Mio Euro) und übertraf damit die Prognosen der Analysten.

Allerdings geht aus dem am Dienstag nach US-Börsenschluss veröffentlichten Finanzbericht auch hervor, dass die Nutzerzahlen niedriger als angenommen ausfielen. Die Zahl der User, die sich mindestens einmal im Monat bei Twitter einloggen, stieg zum Vorquartal nur um 1,6 Prozent auf rund 320 Millionen. Das Wachstum kam damit fast zum Stillstand.

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Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Das Unternehmen bleibt zudem mit einem Quartalsverlust von 132 Millionen Dollar in den roten Zahlen. Im Vorjahr hatte das Minus unter dem Strich allerdings noch bei 175 Millionen Dollar gelegen. Die Werbeeinnahmen kletterten im dritten Quartal um 60 Prozent zum Vorjahr auf 513 Millionen Dollar. Das zeigt zwar, dass Twitter trotz magerem Nutzerwachstum reichlich Potenzial hat, Erlöse zu generieren. Im Vorquartal hatte das Plus jedoch noch bei 63 Prozent gelegen.

Der Ausblick auf das vierte Quartal fiel schwächer aus als an der Wall Street erwartet. Twitter sagt einen deutlichen Umsatzanstieg auf 695 bis 710 Millionen Dollar voraus. Analysten hatten aber mit einem noch deutlich höheren Wert gerechnet. Insgesamt kam der Quartalsbericht am Markt überhaupt nicht gut an - die Aktie fiel nachbörslich zeitweise um fast zwölf Prozent. Auf Jahressicht notiert das Papier mit über 25 Prozent im Minus.

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Twitter mache Fortschritte dabei, seine Services zu vereinfachen und den Wert der Plattform besser zu kommunizieren, erklärte Vorstandschef Dorsey. Er hatte die Unternehmensführung nach dem Rücktritt des stark kritisierten Vorgängers Dick Costolo Ende Juni zunächst kommissarisch übernommen und sich Anfang Oktober als Dauerlösung verpflichten lassen. Investoren setzen große Hoffnungen auf Dorsey, der allerdings nebenher auch noch den vor dem Börsengang stehenden Bezahldienst Square leitet.

Dorsey hatte das bisherige Geschäftsmodell nach seinem Amtsantritt harsch kritisiert. Das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, habe bislang keine nennenswerte Wirkung gezeigt, sagte er im Juli. Nur wenige Tage nach seinem Engagement als ständiger Konzernchef hatte Dorsey Mitte Oktober einen massiven Stellenabbau in Gang gesetzt. Wegfallen sollen rund acht Prozent der Belegschaft, das wären maximal 336 Jobs. Die Einsparungen sollen für ein schnelleres Wachstum investiert werden.

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