Twitter: Video-App Vine wird eingestampft

Twitter: Video-App Vine wird eingestampft

, aktualisiert 27. Oktober 2016, 19:18 Uhr
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Twitter: Das kalifornische Unternehmen will neun Prozent seiner Stellen streichen.

Twitter-Chef Jack Dorsey kämpft derzeit mit Gegenwind aus allen Richtungen. Um Kosten zu senken, werden jetzt Hunderte Jobs gestrichen. Auch die Video-App Vine muss dran glauben.

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat den nächsten großen Stellenabbau und die Einstellung der Video-App Vine angekündigt. Etwa neun Prozent der weltweiten Belegschaft sollten entlassen werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Zuvor hatten US-Medien über bevorstehende Kündigungen von rund 300 Angestellten berichtet. Zuletzt hatte Twitter etwa 3860 Mitarbeiter.

Das angeschlagene Unternehmen hatte bereits vor einem Jahr bei der Rückkehr des Mitgründers Jack Dorsey an die Vorstandsspitze etwa acht Prozent der Jobs gestrichen. Der nun beschlossene Nachschlag ist Teil eines strukturellen Umbaus, der vor allem auf Verkauf und Marketing zielen und helfen soll, 2017 profitabel zu werden.

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Zudem kündigte Twitter überraschend an, die Kurzvideo-App Vine nach rund vier Jahren einzustellen. Der Schritt solle in den kommenden Monaten vollzogen werden, hieß es in einem Blogeintrag. Der Community wurde versprochen, die Website online zu halten, so dass weiter Zugang sowie die Möglichkeit zum Herunterladen der zahlreichen Clips besteht. Twitter hatte Vine im Herbst 2012 gekauft, setzt inzwischen aber stärker auf die Livestreaming-App Periscope.

Verkaufsgerüchte Niemand will Twitter

Die Verkaufsgerüchte um Twitter haben sich nach weniger als einem Monat zerschlagen. Auch SAP-Rivale Salesforce gab Twitter einen Korb. Die Aktie ist jetzt deutlich weniger wert als vor Beginn der Spekulationen.

Die Software-Firma Salesforce gab dem Webdienst öffentlich einen Korb. Quelle: REUTERS

Die Sparmaßnahmen zeigen, unter welchem Druck Twitter steht. Für das dritte Quartal meldete das Unternehmen einen Verlust von 103 Millionen US-Dollar (94 Mio Euro). Im Vorjahreszeitraum war ein Minus von 131 Millionen Dollar angefallen. Den Umsatz konnte Twitter indes um acht Prozent auf 616 Millionen Dollar steigern. Damit schwächte sich das Wachstum zwar weiter ab, dennoch wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen.

„Wir haben einen klaren Plan und wir nehmen die nötigen Veränderungen vor, um sicherzustellen, dass Twitter für langfristiges Wachstum aufgestellt ist“, versprach Unternehmenschef Dorsey, der künftig noch stärker auf Video-Inhalte setzen will. Bei der wichtigsten Erlösquelle, den Werbeeinnahmen, gab es ein sechsprozentiges Plus auf 545 Millionen Dollar.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Die Zahl der aktiven Nutzer, die sich mindestens einmal pro Monat einloggen, stieg zwar nur um magere drei Prozent auf 317 Millionen. Insgesamt übertrafen die Quartalszahlen die Markterwartungen aber trotzdem deutlich. Zusammen mit dem angekündigten Stellenabbau kam das bei Anlegern zunächst gut an.

Allerdings verpuffte die positive Reaktion rasch - während die Aktie vorbörslich zeitweise um mehr als vier Prozent zugelegt hatte, notierte sie im regulären US-Handel zuletzt nur noch leicht im Plus. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Kurs 45 Prozent eingebüßt.

Zuletzt hatten sich wochenlange Spekulationen über einen Twitter-Verkauf zerschlagen, nachdem der Software-Spezialist Salesforce erklärte, er habe kein Interesse. Zuvor waren unter anderem Google und Disney als mögliche Käufer gehandelt worden.

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