Twitter: Von 140 auf 10.000 Zeichen

Twitter: Von 140 auf 10.000 Zeichen

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Twitter: Von 140 auf 10.000 Zeichen

Twitter-Fans könnten künftig mehr Freiheiten bekommen. Gründer Jack Dorsey stellt eine Lockerung der 140-Zeichen-Obergrenze bei Tweets in Aussicht - und will damit ein größeres Publikum erreichen.

Die Beschränkung von Tweets auf 140 Zeichen könnte bald der Vergangenheit angehören. Twitter-Mitgründer und Chef Jack Dorsey stellte am Dienstag eine mögliche Lockerung in Aussicht, die Nutzern mehr Freiheiten einräumen und den Microblogging-Dienst für ein größeres Publikum attraktiver machen solle. Zuletzt hatte Twitter wirtschaftlich mit einer Durststrecke zu kämpfen.

Wenige Stunden vor Dorseys Ankündigung - selbstredend per Tweet - hatte die Webseite Re/Code gemeldet, dass der Konzern erwäge, die Obergrenze von 140 auf bis zu 10 000 Zeichen anzuheben. Dorsey ging zwar nicht direkt auf den Bericht ein, der auf nicht näher genannten Quellen beruht. Doch stellte er klar, dass Twitter nicht an die seit zehn Jahren bestehende 140-Zeichen-Begrenzung gekettet sei. Demonstrativ setzte er dazu in seinem Tweet einen Screenshot mit 1325 Zeichen ab.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

2006 war Dorsey maßgeblich an der Erfindung von Twitter beteiligt. Er führte eine 140-Zeichen-Obergrenze für Tweets ein, damit der Dienst leichter auf Mobiltelefonen nutzbar wäre, die damals eine 160-Zeilen-Schranke hatten. Diese Beschränkungen sind aber vor etlichen Jahren schon mit dem Aufkommen von Smartphones weggefallen, Twitters Obergrenze wirkt daher nun zunehmend antiquiert.

Twitter habe bemerkt, dass viele der fast 300 Millionen Nutzer ihren Tweets Screenshots mit langen Texten beifügen, schrieb Dorsey. Daher prüfe der Konzern nun Wege, wie die Nutzer mehr Freiraum bekommen könnten, ohne den Dienst mit Geschwätz zu verschmutzen. Zugleich brach Dorsey eine Lanze für kompakte Tweets. Eine gewisse Beschränkung „inspiriert zu Kreativität und Kürze. Und ein Gefühl der Schnelligkeit“, schrieb er. „Wir werden dieses Gefühl nie verlieren.“ Was auch immer der Konzern als nächstes unternehme, würden die meisten Tweets „kurz und knackig“ bleiben.

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Aus Sicht von Experten versucht Dorsey mit dem Balanceakt eine Gegenreaktion langjähriger Twitter-Fans zu vermeiden, denen die 140-Zeichen-Begrenzung heilig ist. Gleichwohl sieht sich der Firmengründer gezwungen, auf die Sehnsucht der Aktionäre nach einer größeren Reichweite zu reagieren. Denn eine größere Nutzerschaft würde mehr Werbeeinnahmen abwerfen - und damit Twitter erstmals in der Firmengeschichte einen Umsatzgewinn bescheren.

Twitter könne sich Stagnation nicht leisten, sagte der Analyst Blake Harper vom Finanzdienstleister Topeka Capital Markets. „Die müssen größer werden, wenn sie eine relevantere Werbeplattform aufbauen wollen.“ Nach einer langen Erfolgsstrecke mit robustem Wachstum hat Twitter in den vergangenen eineinhalb Jahren dramatisch Federn gelassen. Inzwischen hat der Dienst Mühe, mit Social-Media-Platzhirsch Facebook (rund 1,5 Milliarden Nutzer) mitzuhalten.

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