Übernahmeangebot von Nokia: Alcatels Flucht in die Zukunft

Übernahmeangebot von Nokia: Alcatels Flucht in die Zukunft

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Nokia bietet 15,6 Milliarden für Rivalen Alcatel-Lucent.

von Thomas Kuhn und Christof Schürmann

Fakt ist, ohne die Übernahme durch Nokia wäre Alcatel-Lucent auf Dauer kaum überlebensfähig geblieben. Trotzdem ist der Deal alles andere als ein Zusammenschluss der Verlierer.

Das Bemerkenswerteste an dem 15,6 Milliarden-Euro-Übernahmeangebot von Nokia für den Konkurrenten Alcatel-Lucent ist, wer sich bisher nicht dazu geäußert hat: Frankreichs Präsident Francois Hollande nämlich.

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Dabei hätte der nach vielfach erprobter französischer industriepolitscher Logik allen Grund zum Aufheulen. Schließlich setzt sich – sofern die diversen globalen Wettbewerbshüter zustimmen – Nokia an so ziemlich jeder entscheidenden Stelle in dem Zusammenschluss durch. Chef wird (beziehungsweise bleibt) Nokia-Frontmann Rajeev Suri, den Aufsichtsrat präsidiert weiter Nokia-Chefaufseher Riisto Siilasma, Sitz des Unternehmens bleibt Helsinki, und der Name – richtig – lautet künftig nur noch Nokia.

Bei einem derart einseitigen Deal wäre der Aufschrei aus dem Elysée-Palast eigentlich unumgänglich. Die französische Regierung würde im Normalfall alles unternehmen, um den Zusammenschluss zu verhindern. Dass sie es nicht tut, dass Suri und Alcatel-Lucent-CEO Michel Combes gestern sogar breit lächelnd den Präsidentenpalast verließen, als sie dort ihre finalen Pläne präsentierten, zeigt, wie es um die Beteiligten der Übernahme steht.

Alcatel-Lucent-CEO Michel Combes (r.) und Nokia-Frontmann Rajeev Suri Quelle: REUTERS

Alcatel-Lucent-CEO Michel Combes (r.) und Nokia-Frontmann Rajeev Suri verließen breit lächelnd den Palast des französischen Präsidenten.

Bild: REUTERS

In dem zwar extrem wachsenden, vom Boom der Smartphones und der ultraschnellen Breitband-Internet-Zugänge befeuerten Geschäft mit Netzwerktechnik für Telekom- und Internetkonzerne sehen alle Beteiligten offenbar das Heil im Bündnis unter finnischer Flagge.

Zu hart ist der Kampf um Marktanteile im enorm kapital- und forschungsintensiven Markt, in dem die Nokia und Alcatel-Lucent bei Absatz und Umsatz mit den Branchenriesen Ericsson aus Schweden und Huawei aus China nicht (mehr) mithalten konnten. Da scheint nicht nur für Frankreichs Präsident Hollande die Zukunft des einstigen französischen Netzwerktechnik-Vorzeigeunternehmens in der Flucht unter das Nokia-Dach zu liegen.

Tatsächlich spricht einiges für das Zusammengehen der beiden regionalen Riesen. Nicht nur aus wirtschaftspolitischer Sicht, so gut der Deal in das von der EU-Kommission forcierte Konzept zum Aufbau starker regionaler Industriegrößen im globalen Wettbewerb passt.

Auch ökonomisch ergänzen sich die beiden Unternehmen. Angefangen von der regionalen Ausrichtung des Geschäfts – die Franzosen sind (seit dem Zusammenschluss mit dem US-Wettbewerber Lucent 2006) überproportional stark im Nordamerika-Geschäft; Nokia dagegen dominiert im direkten Vergleich das Geschäft in der asiatisch-pazifischen Region und in Indien.

Beide Partner gelten als innovativ und sehr forschungsstark. Zwar versprechen sich die Unternehmen vom Deal – auch – Einsparungsmöglichkeiten in Höhe von rund 900 Millionen Euro im Jahr.

Gleichzeitig aber soll der Zusammenschluss auch die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten (F&E) des gemeinsamen Konzerns stärken. „Wir werden vielleicht bei den unterstützenden Abteilungen etwas sparen können“, sagte Nokia-Chef Suri am Mittwochmorgen auf einer Pressekonferenz. „Dafür aber werden wir bei F&E ganz sicher wachsen.“

Dass die Bell Labs, das ebenso angesehene wie produktive Alcatel-Lucent-Forschungszentrum, auch künftig unter ihrem angestammten, renommierten Namen weiter existieren sollen, ist denn auch sicher mehr als nur ein Zückerchen, das Hollande seine Zustimmung zur Übernahme leichter macht. Es ist eher eine programmatische Ansage.

„Wir reden hier über einen offensiven Schritt in einem stark wachsenden Markt, in dem wir niemandem hinterher laufen müssen“, gab sich Alcatel-Lucent-Chef Combes am Mittwochmorgen trotz des absehbaren Untergangs seiner eigenen Marke betont kampfeslustig. „Die Konkurrenz muss schauen, wie sie mit uns Schritt hält.“

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