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Umstrittene Aktion: Ein Buch zum Burger bei McDonald's

von Miriam Schröder Quelle: Handelsblatt Online

Ab sofort gibt es zwischen Salz und Fett auch Bücher. Die „Stiftung Lesen“ hat mit der Fastfood-Kette McDonald's einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen. Doch der Lesebranche bleibt auch keine Wahl.

Ein Menü bei McDonald's. Nun sollen auch Bücher dazugehören. Quelle: dapd
Ein Menü bei McDonald's. Nun sollen auch Bücher dazugehören. Quelle: dapd

DüsseldorfMenschen, die beruflich mit Büchern zu tun haben, möchte man meinen, gehen nicht zu McDonald's. Das Essen macht dick und der Konzern macht viel Geld, beides Umstände, die sie verabscheuen. Aber leugnen können sie es nicht, dass ihre Kinder mit der schreiend bunten Burger-Kette etwas Positives assoziieren. Pommes, Cola, Mayo: Glück. "Happy Meal" heißt das Kindermenü, in dem die Kleinen zwischen Salz und Fett auch noch ein Plastikspielzeug finden, meist ein Teil einer ganzen Serie, was den Suchteffekt verstärkt.

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Mit Büchern ist das nicht ganz so einfach. Eltern wissen: Ein iPhone bringt ein nörgelndes Kind schneller zur Ruhe als ein Buch. Und so steht zu befürchten, dass viele Vierjährige, vor allem jene aus den sogenannten "bildungsfernen Schichten" heute öfter im Fast-Food-Restaurant anzutreffen sind als in der Bücherei.

Wenn sie nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu ihnen, mögen sich die Büchermenschen gedacht haben, und schlossen einen Pakt mit dem Teufel: Ab sofort liegen den Happy Meals Bücher bei, mit Titeln wie "Conni geht in den Zoo" oder eine Geschichte aus der Reihe "Die drei Fragezeichen", zum Lesen und Vorlesen für Kinder zwischen drei und neun Jahren. Unterstützt wird die Aktion von der "Stiftung Lesen", die auf diese Weise vier Millionen Bücher unter das lesefaule Jungvolk bringen will.

Kein Wunder, dass die Aktion sofort die üblichen Verdächtigen auf den Plan ruft. Thilo Bode, Chef der Verbraucherorganisation Food Watch, kritisiert in einem offenen Brief, die Stiftung Lesen helfe McDonald's, sein Image aufzupeppen und mehr Fastfood an Kinder zu verkaufen, von denen heute schon 15 Prozent als übergewichtig gelten. Bodes Empörung ist verständlich, sie ist sein Job.

Dabei könnte man es auch anders herum sehen: Wer will, dass aus Kindern aufgeklärte Verbraucher werden, die aufmerksam Kalorientabellen studieren, der muss sie erstmal in die Lage versetzen, solche Informationen zu verarbeiten. Lesen ist da schon mal kein schlechter Anfang.

Vor einem ähnlichen Dilemma wie Bode steht die Bücherindustrie. Sie kann sich nicht länger der Tatsache verschließen, dass sich Kinder, genau wie Erwachsene, für Buntes, Bewegtes und Elektronisches begeistern. Anstatt diese Entwicklung zu beklagen, muss sie zusehen, dass sie ihre pädagogisch wertvollen Inhalte sinnvoll mit den neuen Medien verknüpft.

Sonst ist es gut möglich, dass die Kinder, wenn sie groß sind, einmal sagen werden: Bücher, ach das waren die Dinger, die sie früher bei McDonald's verteilt haben.

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