Unbekannter Riese: Infor will SAP die Mittelständler abluchsen

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Unbekannter Riese: Infor will SAP die Mittelständler abluchsen

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Infor-Chef Charles Phillips. Auf Infors Kundenliste stehen auch Namen wie Ferrari, Boeing, Sheraton oder Stihl.

von Oliver Voß

Der US-Konzern Infor ist durch Übernahmen zur Nummer drei hinter SAP und Oracle aufgestiegen und will nun dem deutschen Branchenprimus das lukrative Mittelstandsgeschäft abjagen.

Wenige Manager haben es in den USA zu einer Bekanntheit gebracht wie Charles Phillips. Riesige Poster mit dem an Präsident Barack Obama erinnernden Konterfei des damaligen Oracle-Top-Managers schmückten vor nicht mal zwei Jahren den Times Square in New York, sogar deutsche Lokalzeitungen berichteten über die "Liebesrache XXL". Hinter der Aktion steckte Phillips' enttäuschte Geliebte, die für mehr als 200.000 Dollar Plakatwände im ganzen Land angemietet und mit Bildern von ihr und dem verheirateten Phillips gepflastert hatte. Darauf stand auch noch der Verweis auf eine Web-Site mit weiteren pikanten Bildern. Doch Oracle-Konkurrent Infor störte sich nicht an den privaten Problemen, warb Phillips ab und machte ihn zum Chef – der das Unternehmen binnen zwei Jahren radikal umgebaut und modernisiert hat.

Weltweite Marktanteile bei Software zur Unternehmensplanung und -steuerung (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: WirtschaftsWoche

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Im Gegensatz zu Phillips ist Infor in der breiten Öffentlichkeit jedoch kaum ein Begriff. Dabei ist der Spezialist für Unternehmenssoftware durch eine Reihe von Übernahmen zur weltweiten Nummer drei hinter SAP und Oracle aufgestiegen. Vorläufiger Höhepunkt war im Vorjahr der Kauf des Konkurrenten Lawson für zwei Milliarden Dollar. Dadurch ist Infor nach Zahlen des Marktforschers Gartner an Sage und der Unternehmenssoftwaresparte von Microsoft vorbeigezogen (siehe Grafik). Nun will Infor auch dem deutschen Marktführer SAP verstärkt Aufträge streitig machen. Insbesondere im Mittelstand, wo SAP seit einiger Zeit wachsen will, sind die Amerikaner mit deutschen Wurzeln zum ernsthaften Herausforderer geworden.

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Dabei macht sich vor allem der Lawson-Kauf bezahlt, wie das Beispiel Hermes Arzneimittel zeigt. Die Münchner sind Marktführer für alle Arten von Brausetabletten. Bei der gerade abgeschlossenen Suche nach einer neuen Warenwirtschaftssoftware hatte es das Infor-Angebot zwar nicht in die Endauswahl geschafft – dafür jedoch ein bisheriges Lawson-Programm. 40 Hermes-Manager testeten die Software und ein Konkurrenzangebot von SAP. "Von den Kosten waren beide nicht weit auseinander", sagt Frank Hemmers, IT-Leiter des 750-Mann-Unternehmens. Doch dank einer etwas besseren Bewertung im Test bekam Infor den Zuschlag.

Auf Infors Kundenliste stehen auch Namen wie Ferrari, Boeing, Sheraton oder Stihl. Trotzdem ist der heimliche Aufstieg selbst bei Branchenkennern noch nicht ganz angekommen. Als Infor im Frühjahr eine Kooperation mit dem Cloud-Computing-Vorreiter Salesforce vorstellte, erklärte dessen Chef Marc Benioff stolz, er würde beim Umsatz auf drei Milliarden Dollar zusteuern. Im Bereich Unternehmenssoftware hätten das bisher nur SAP und Oracle erreicht. "Und Infor", warf Phillips ein und klärte Benioff auf, dass Infors Jahresumsatz bei 2,8 Milliarden Dollar liege.

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