Unister: Prozess gegen Ex-Manager beginnt

Unister: Prozess gegen Ex-Manager beginnt

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Unister: Drei Ex-Manager des Unternehmens stehen vor Gericht.

Im Dezember 2012 rückten Fahnder zu einer großen Razzia beim Leipziger Internetunternehmen Unister an. Es ging um den Verdacht der Steuerhinterziehung. Jetzt beginnt ein Prozess gegen drei Ex-Manager.

Gut vier Jahre ist es inzwischen her, dass Fahnder des sächsischen Landeskriminalamtes die Unister-Geschäftsräume in Leipzig durchsuchten. Drei Manager kamen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung vorübergehend in U-Haft. Seitdem ist viel passiert: Das einstige Internet-Imperium geriet ins Trudeln. Der Gründer Thomas Wagner (38) starb im Juli 2016 bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien. Unmittelbar danach meldete Unister Insolvenz an. Der Verdacht der Steuerhinterziehung und der illegalen Geschäftemacherei blieb während der Zeit immer bestehen. Erst jetzt, an diesem Mittwoch (11. Januar), beginnt am Landgericht Leipzig ein Strafprozess.

Angeklagt sind drei ehemalige Unister-Führungskräfte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wirft den 39, 51 und 59 Jahre alten Männern Steuerhinterziehung und Computerbetrug vor. Mehr als 87 000 Kunden der Unister-Flugportale wie fluege.de seien Preisvorteile bei der Buchung vorenthalten worden. Den Schaden bezifferten die Ermittler nach Angaben des Gerichts auf mehr als 7,6 Millionen Euro. Zudem sollen bei Unister jahrelang sogenannte Serviceentgelte nicht korrekt versteuert worden sein. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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Die Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess 18 Verhandlungstage bis Juni angesetzt. Offensichtlich stellen sich die Richter auf eine langwierige Beweisaufnahme ein. Der Tod Wagners belastet auch den Strafprozess. Auch gegen ihn war ermittelt worden, er galt als die zentrale Figur bei Unister. Die Richter werden daher genau klären müssen, wer bei Unister welche Entscheidungen getroffen hat und was die Angeklagten wussten.

Die Unister-Insolvenz - Ein Wirtschaftskrimi?

  • Das Unglück

    Der Fall ist mysteriös - und klingt nach einem Wirtschaftskrimi: Selfmade-Millionär und Gründer des Leipziger Internetunternehmens Unister, Thomas Wagner, stürzt am 14. Juli 2016 mit einer Privatmaschine in Slowenien ab. An Bord Bargeld. Kurz darauf meldet die Holding Insolvenz an, ebenso ein Tochterunternehmen. Schon seit Jahren wird über wirtschaftliche Schwierigkeiten spekuliert. Viele Fragen sind offen.

    Quelle: dpa

  • Was ist bislang über den Flugzeugabsturz bekannt?

    Zum Absturz könnte Vereisung an der einmotorigen Maschine beigetragen haben. Entsprechende Probleme hatte der 73-jährige Pilot der slowenischen Flugkontrolle gemeldet. Slowenische Medien spekulierten, dass die gecharterte Privatmaschine deutlich oberhalb der für diesen Typ üblichen Flughöhe von 5000 Metern unterwegs gewesen sein dürfte. Die Untersuchungen des Wracks laufen noch, auch unter Beteiligung deutscher Behörden.

  • Wer befand sich an Bord?

    Neben Firmengründer und Unister-Hauptanteilseigner Wagner (38) auch der Mitgesellschafter Oliver Schilling (39), ein 65-jähriger Mann und der Pilot.

  • Was war der Grund der Reise?

    Wagner und sein Kompagnon wollten sich in Venedig mit potenziellen Investoren treffen, wie Unister mitgeteilt hat. Dabei sollen sie betrogen worden sein. Die slowenische Polizei berichtete von Dokumenten an Bord der Unglücksmaschine, die darauf hinwiesen, dass Wagner „um eine größere Summe geschädigt wurde“. In Medienberichten wird über die Investoren und untergeschobenes Falschgeld spekuliert, offiziell bestätigt ist nichts. Auch die Herkunft der an der Unglücksstelle gefundenen 10.000 Schweizer Franken in bar ist unbekannt.

  • Warum geriet der Konzern durch dem Tod Wagners in Schieflage?

    Wagner galt zeitweise als ostdeutscher Vorzeige-Unternehmer, später gerieten Geschäftspraktiken von Unister immer wieder in die Kritik. Die letzte veröffentlichte Bilanz der Unister Holding stammt von 2011. Ihr alleiniger Geschäftsführer war Wagner, der alle Fäden in den Händen hielt. 2002 hatte er Unister als 23-Jähriger in Leipzig ursprünglich als Studententauschbörse gegründet und das Start-up auf einen rasanten Wachstumskurs geführt. 2015 war dann von Stellenstreichungen die Rede, 30 Millionen Euro pro Jahr sollten eingespart werden.

  • Wie war der Konzern strukturiert?

    Unter dem Dach der Unister Holding GmbH fand sich eine Vielzahl von Firmen, die mehr als 40 Internetportale unter anderem zu den Themen Reisen, Nachrichten, Immobilien oder Partnervermittlung betreiben - darunter beliebte Seiten wie fluege.de, ab-in-den-urlaub.de, news.de oder partnervermittlung.de. Insgesamt arbeiteten mehr als 1000 Beschäftigte für die Unternehmensgruppe.

  • Wem gehört was?

    Bis zu seinem Tod hielt Wagner rund 40 Prozent der Anteile und war damit Hauptgesellschafter Unister Holding. Der Rest verteilt sich nach Firmenangaben auf die vier Mitgründer - darunter Schilling, der ebenfalls beim Absturz ums Leben kam - sowie eine Firma namens Opus30 Vermögensverwaltungsgesellschaft.

  • Immer wieder gab es Ermittlungen. Worum ging es da?

    2012 geriet Unister ins Visier der Justiz. Wagner und drei weitere Manager wurden unter anderem wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung angeklagt. Unister wies die Vorwürfe stets zurück. Zum Prozess kam es bisher nicht, weil das Landgericht Leipzig derzeit eine weitere Klage prüft.

Unabhängig von dem Prozess ist die Justiz mit weiteren Ermittlungen rund um Unister beschäftigt. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden versucht, einen mysteriösen Betrug aufzuklären, dem Wagner vor seinem Tod zum Opfer fiel. Er hatte in Venedig einem angeblichen israelischen Diamantenhändler 1,5 Millionen Euro übergeben. Im Gegenzug hoffte er auf 15 Millionen Euro Kredit für sein klammes Unternehmen, bekam aber Falschgeld angedreht. Auf der Rückreise aus Venedig stürzte sein Kleinflugzeug ab. Gegen einen 69 Jahre alten mutmaßlichen Vermittler dieses „Rip-Deals“ ist inzwischen Anklage erhoben worden.

Unterdessen ist die Zukunft der Unister-Reisesparte geklärt. Kurz vor Weihnachten teilte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit, dass der tschechische Investor Rockaway Capital SE das Travelgeschäft übernimmt. Alle 520 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Nun steht noch das sogenannte Non-Travel-Geschäft von Unister zum Verkauf. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte das gesamte Unternehmen zuletzt noch rund 800 Mitarbeiter.

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