Valley Talk: Das Silicon Valley boomt wie zu Dotcom-Zeiten

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Google-Campus im Silicon Valley

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Wirtschaft in Amerikas High-Tech-Tal läuft heiß, so viel ist klar. Nicht aber, wie lange das noch gut geht.

Es gibt einige Indikatoren für die wirtschaftliche Überhitzung des Silicon Valley. Der augenfälligste ist der Verkehrsinfarkt am Morgen und Spätnachmittag, der die Hauptverkehrsadern, den Highway 101 und seine Zubringerstraßen, lahmlegt. Ohne die in San Francisco oft geschmähten Zubringerbusse für Google, Facebook, Yahoo und Apple kollabierte der Verkehr vollends.

Dann jagen sich High-Tech-Unternehmen wie zu besten Dotcom-Boom-Zeiten mit aberwitzigen Prämien Talente ab: Reichten 1999 noch ein Porsche Boxster und ein Hermann-Miller-Bürostuhl, zahlen Google und Facebook heute sechsstellige Antrittssummen für begabte Programmierer und halten diese regelmäßig mit opulenten Unternehmensausflügen bei Laune.

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In der Chefetage sind die Exzesse noch ausgeprägter. Der Hedgefondsaktivist Jeffrey Ubben, der vergangenes Jahr Microsoft-Chef Steve Ballmer zu Fall brachte, nahm jüngst Eric Schmidt aufs Korn. Der Google-Verwaltungsratschef hatte 100 Millionen Dollar Prämie erhalten. Für minimale Arbeit, wie Ubben klagte. Das i-Tüpfelchen ist der Aktiensplit von Google, mit stimmrechtslosen Papieren, die die Macht des Triumvirats aus Schmidt und den Gründern Larry Page und Sergey Brin zementieren.

Ein weiteres Indiz für die Überhitzung ist die Summe, die im ersten Quartal in Start-ups investiert wurde: 4,7 Milliarden Dollar von US-weit 9,5 Milliarden Dollar flossen ins Silicon Valley – der höchste Wert seit 2001. Und die Gesamtsumme liegt sogar noch höher, da viele Facebook- und Google-Millionäre privat investieren, was statistisch nicht erfasst wird. Die Investoren hoffen auf Jackpots wie jüngst den 19-Milliarden-Dollar-Kauf von WhatsApp durch Facebook.

Oder der IT-Geldadel steckt sein Geld in Häuser. Im prestigeträchtigen Palo Alto kosten selbst bescheidene Einfamilienhäuser mit drei Zimmern im Schnitt 1,6 Millionen Dollar. 1999 war es rund die Hälfte. Normalverdiener müssen wieder ins Umland flüchten.

Steht also wieder ein Zusammenbruch bevor? Wie zur Jahrtausendwende, als das Silicon Valley ebenso im Geld schwamm? Spekulanten wie David Einhorn von Greenlight Capital wetten auf eine Korrektur.

Doch es gibt auch Argumente, dass der Boom noch nicht vorbei ist. So sind Silicon-Valley-Unternehmen heute viel globaler aufgestellt als vor der Dotcom-Krise. Die Größen des High-Tech-Tals machen das Gros ihrer Umsätze im Ausland. Selbst Krisen wie in Russland lassen sich abfedern, weil gleichzeitig die US-Wirtschaft leicht anzieht. Sie erhöhen sogar den Kapitalfluss in die USA. Vorwiegend russisches Geld finanzierte den Boom der sozialen Medien. Jetzt wird es durch chinesische Investoren ersetzt, die auf den Online-Handel setzen.

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Und der Ökonom Mark Cannice von der Universität von San Francisco untersucht regelmäßig die Stimmung unter Wagniskapitalgebern. Die ist trotz der drohenden Börsenkorrektur gut: Zum einen weil Google, Yahoo und Facebook fleißig Unternehmen aufkaufen. Zum anderen, weil in boomenden Märkten wie Cloud Computing, Big Data, mobilen Internet-Anwendungen, industrielles Internet sowie Unternehmenssoftware noch jede Menge Wachstumspotenzial steckt. Das klingt nachvollziehbar, andererseits werden Wagniskapitalgeber sicher nicht öffentlich an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

Und das Problem bleibt, dass auch der Dotcom-Boom Ende der Neunzigerjahre durch das immense Wachstumspotenzial des Internets gerechtfertigt wurde. Da war was dran, wie die vergangenen zehn Jahre zeigen. Trotzdem gab es mit dem Platzen der Dotcom-Blase eine massive Korrektur.

Die wird auch diesmal kommen. Zumindest die überlebenden Unternehmen im Silicon Valley aber können sich damit trösten, dass – wie die letzte Dekade belegt – nach schlechten Zeiten noch viel bessere folgen.

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