Valley Talk: Die Zukunft der Online-Speicherdienste

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kolumneValley Talk: Die Zukunft der Online-Speicherdienste

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Speicherdienste Dropbox und Box boten Google, Microsoft und Co. bisher Paroli. Nun schlagen die Großen zurück.

Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Gerüchte im Silicon Valley, welcher High-Tech-Konzern die Start-Ups Box und Dropbox kaufen würde. Deren Gründern war das Kunststück gelungen, direkt unter der Nase von Schwergewichten wie Apple, Hewlett-Packard, Google, Microsoft und Amazon populäre Online-Speicherdienste aufzubauen, in denen jedermann bequem Fotos, Musik oder Texte sichern kann.

Apple-Gründer Steve Jobs soll – wohl nur halb im Scherz – gedroht haben, Dropbox plattzumachen, falls es eine Kaufofferte ausschlage. Hewlett-Packard klopfte bei Wettbewerber Box an. Doch die Gründer wollten lieber eigenständig bleiben. Ihre Investoren witterten höhere Gewinne durch Börsengänge. Sie statteten Box mit rund einer halben Milliarde Dollar Wagniskapital aus, Dropbox sogar mit 1,1 Milliarden.

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Die Story war schließlich attraktiv. Box startete seinen Speicherdienst 2005, Dropbox 2007. Beide konzentrierten sich zunächst auf Konsumenten und deren wachsende Flut an Digitalfotos. Sie punkteten mit einfacher Bedienung, kostenlosen Basisdiensten und dem parallelen Verwalten der Dokumente auf Desktops, Notebooks, Tablets und Smartphones.

Dropbox und Box drohen im Preiskampf unterzugehen

Diese Beliebtheit nutzten sie zum Vordringen ins Unternehmensgeschäft. Dropbox behauptet, mittlerweile 80.000 zahlende Geschäftskunden zu haben. Box kommt nur auf die Hälfte, darunter aber Großkunden wie den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble oder den Autohersteller Toyota.

Die Gerüchte, beide Unternehmen würden gekauft, halten sich weiterhin hartnäckig. Doch die Zeiten haben sich geändert. Box und Dropbox drohen in einem gnadenlosen Preiskampf der Giganten finanziell ausgehungert zu werden.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

  • Kosten

    Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch deutliche Kosteneinsparungen.

  • Skalierbarkeit

    Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

  • Einfachheit

    Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

  • Ortsunabhängigkeit

    Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

  • Sicherheit

    Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der großen Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angriffe von Hackern. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

  • Abhängigkeit

    Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Die Eskalation begann im Frühjahr, als Google den Preis für 100 Gigabyte Speicher auf 1,99 Dollar pro Monat senkte. Im Juni zog Microsoft mit 1,99 Dollar gleich, offerierte aber die ersten 50 Gigabyte gratis. Google konterte mit 2 Terabyte Gratis-Speicherplatz für Geschäftskunden pro Jahr. Im Juli schlug Amazon mit seinem neuen Speicherservice Zocalo zu. Für 5 Dollar im Monat gibt es 200 Gigabyte, zahlen muss nur, wer sein Konto aktiv nutzt.

Für Dropbox ist Amazons Offensive besonders bitter. Das Start-up mietet seinen Speicherplatz bei dem Online-Giganten aus Seattle, der ihm nun Konkurrenz macht. Und Apples neues Betriebssystem Yosemite, das im Herbst auf den Markt kommt, hat einige der Dropbox-Funktionen kopiert.

Box ist unprofitabel

Wie können die beiden Firmen kontern? Klar ist: Der Gang zur Börse ist versperrt, solange der Eindruck vorherrscht, die Kandidaten würden zerrieben. Frisches Kapital ist hier also nicht zu holen.

Box versucht es mit einer Offensive. Sein Gründer Aaron Levie hat gerade noch einmal 150 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt und bietet seinen Geschäftskunden nun unbegrenzten Speicherplatz für 15 Dollar im Monat an. Ein Modell, das er – im Gegensatz zu seinen großen Wettbewerbern – nicht lange durchhalten kann. Box ist unprofitabel. Es hat seit Gründung etwa 400 Millionen Dollar verloren.

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Doch die Zukunft sieht gar nicht so schlecht aus. Box und Dropbox sind international bekannte Marken in einem Wachstumsfeld. Sie haben Kunden, die schon aus Bequemlichkeit nicht einfach wechseln. Voraussichtlich wird auch Facebook in den Speichermarkt einsteigen, sobald die Aufsichtsbehörden die Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp genehmigt haben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist mit Dropbox-Gründer Drew Houston gut bekannt. Wer immer Dropbox und Box übernimmt, wird sicherlich keine Rekordsummen zahlen. Doch wer wird nicht lieber gerettet, statt unterzugehen?

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