
Vor einem halben Jahr haben sie Léo Apotheker mit Schimpf, Schande und einer dicken Abfindung für nur elf Monate Arbeit als Vorstandschef beim Silicon-Valley-Giganten Hewlett-Packard (HP) aus dem Amt gejagt. Ersetzt hat den einstigen SAP-Chef die Ex-Chefin des Online-Handelshauses Ebay, Meg Whitman. Sie hatte im HP-Verwaltungsrat den Tornado verfolgen können, den Apotheker mit seinem Schlingerkurs an der Spitze entfesselt hatte.
Auch ein halbes Jahr nach dem Rauswurf aber fragt sich mancher im Silicon Valley noch, ob Whitman die richtige Wahl ist? Kann jemand, dessen Karriere vor allem in auf Konsumenten fokussierten Firmen wie Ebay oder dem Spielzeughersteller Hasbro verlief, eines der weltweit größten Technologieunternehmen führen, das große Teile seines Umsatzes mit Unternehmen erzielt?
Zwar hat sich die Moral unter der resolut, aber fürsorglich wirkenden Managerin verbessert. Aufwind gab auch, dass HP im ersten Quartal weltgrößter PC-Produzent blieb, während Konkurrent Dell stagnierte. Doch in der Branche weiß man, dass HP die Marktanteilsgewinne vor allem mit Preissenkungen erkauft hat.
Bild: HPDie 1966 gegründeten HP Labs gehören zu den größten privaten Technologieforschungszentren der Welt. 600 Wissenschaftler zahlreicher Disziplinen beschäftigen sich hier vor allem mit der Frage, wie Technologien in Zukunft den Alltag bestimmen werden und welche Geschäftschancen sich daraus ergeben. In diesen Fragen beraten sie auch die Entscheider der verschiedenen Unternehmenssparten des Technologiekonzerns, die wiederum über eigene Etwicklungsetats verfügen.
Angefangen hatte aber alles in dieser Garage in Silicon Valley.
Texte: Matthias Hohensee, Denise Peiffer
Bild: HPDort arbeiteten die HP-Gründer Bil Hewlett und David Packard an ihren Maschinen. Ihr Porträts hängen immer noch im Foyer des Instituts, das sie schufen um hier ungestört von Unternehmensbürokratie und Tagesgeschäft neue Ideen entwickeln zu können. Die HP Labs entwickeln die Technologien zunächst selbstständig. Erst wenn sie sich bewährt haben, werden sie in das Unternehmen transferiert. In den HP Labs, die heute über ein jährliches Budget von rund 150 Millionen Dollar verfügen, entstanden über die Jahre Bestseller.
Bild: HPDer erste wissenschaftliche Taschenrechner von HP passte beim besten Willen in keine Tasche. 1968 kam er auf den Markt und wurde als der erste "personal computer" bekannt. Die Maschine war bei ihren wissenschaftlichen Berechnungen zehnmal schneller als andere Produkte.
Bild: HPIn die Tasche passte dann aber der HP-35, der 1972 auf den Markt kam.

Gutenberg hat im 15. Jahrhundert den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden. Der Tintenstrahldrucker von HP war zwar nicht ganz so revolutionär, aber er ermöglichte erstmals genaues und billiges Drucken für jedermann. Die Forschung am 1984 erschienenen Thinkjet begann schon 1978.

Dieses handliche Gerät erschien bereits 1991 und hatte genauso starke Rechenleistung, wie ein normaler Computer. Neben einem Taschenrechner und einem Adressbuch enthielt der HP95XL ein Textbearbeitungsprogramm und eine Infrarotschnittstelle zur Datenübertragung.

Das Wort Memristor ist eine Zusammensetzung der Wörter "Memory" (Speicher) und "Resistor" (elektrischer Widerstand). Eingesetzt werden die bisherigen Prototypen des 2008 bekanntgemachten Memristors von HP noch nicht. Er soll aber in Zukunft als besonders effektiver Speicher genutzt werden.

Heutige Forschungsschwerpunkte der HP Labs sind unter anderem:
- wie sich Cloud-Computing-Dienste vor Hackern schützen lassen
- mit welchen Instrumenten sich Informationen aus unterschiedlichen Quellen auswerten und zusammenführen lassen
- und wie Datenzentren aussehen können, die sparsamer mit Energie umgehen.
Das Foto zeigt das GCloud Theatre in Bristol.
Die 1966 gegründeten HP Labs gehören zu den größten privaten Technologieforschungszentren der Welt. 600 Wissenschaftler zahlreicher Disziplinen beschäftigen sich hier vor allem mit der Frage, wie Technologien in Zukunft den Alltag bestimmen werden und welche Geschäftschancen sich daraus ergeben. In diesen Fragen beraten sie auch die Entscheider der verschiedenen Unternehmenssparten des Technologiekonzerns, die wiederum über eigene Etwicklungsetats verfügen.
Angefangen hatte aber alles in dieser Garage in Silicon Valley.
Texte: Matthias Hohensee, Denise Peiffer
Doppelt riskant
Mehr noch: Seit Ex-Chef Apotheker aus dem Geschäft mit Tablet-PCs und Smartphones ausstieg, hat HP keine Antwort mehr auf Apples iPad, iPhone oder Googles Android-Handys. Auch Whitman nicht. Das ist doppelt riskant, weil der Vormarsch der mobilen Geräte nicht nur das PC-Geschäft gefährdet. Er schmälert zudem HPs bisher profitabelste Einnahmequelle – den Absatz von Tintenpatronen und Toner. Denn immer mehr Menschen drucken ihre Fotos nicht mehr aus. Sie präsentieren sie auf Smartphones und Tablets.
Fraglich ist zudem, ob Whitmans jüngste Entscheidung richtig ist, die PC-Sparte mit dem Druckergeschäft zu vereinen. Das hatte bereits Vorgängerin Carly Fiorina versucht, ihr Nachfolger Mark Hurd dann aber wieder rückgängig gemacht, weil der kombinierte Verkauf von PCs und Druckern nicht richtig zündete. Mit der erneuten Kombination hat Whitman die größten Konzern-Sorgenkinder nun unter der Obhut von PC-Spartenchef Todd Bradley vereint. Der muss nun beweisen, dass die Fusion beide Bereiche voranbringt.
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