Valley Talk: IFTTT vernetzt Internetangebote mit wenigen Klicks

kolumneValley Talk: IFTTT vernetzt Internetangebote mit wenigen Klicks

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Warnen vor Regen oder Fotos direkt im Netz speichern, mit IFTTT lassen sich verschiedene Online-Dienste verknüpfen

Kolumne von Matthias Hohensee

IFTTT erlaubt es seinen Nutzern, verschiedene Internetdienste miteinander zu verbinden. Wie das funktioniert und warum das Start-Up so erfolgreich ist.

Geht es um Industriedesign, ist Ideo aus Palo Alto eine der prominentesten Adressen der Welt. Wer hier einen der begehrten Jobs ergattert, ist besonders talentiert, so wie der Ingenieur Linden Tibbets. Trotzdem kündigte er Anfang 2011 seine Stelle bei der Designschmiede, um Unternehmer zu werden.

Mit seinem Bruder Alexander hatte er die simple, aber mächtige Idee: Er wollte eine zentrale Schaltstelle im Netz schaffen, über die Onliner verschiedenste Internet-Angebote zu neuen persönlichen Web-Diensten verknüpfen können. Etwa jedes neue Foto auf dem iPhone automatisch zum Speicherdienst Dropbox hochladen zu lassen oder sich vom E-Mail-Dienst Warnnachrichten aufs Handy schicken zu lassen, falls der Wetterdienst Regen vorhersagt. Nach den dafür nötigen Regeln – „wenn dies passiert, soll jenes geschehen“– nannten die Brüder ihr Ende 2010 in San Francisco gegründetes Start-up IFTTT, für „If This Then That“.

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Millionen von Nutzern

Heute sind auf der Plattform jede Menge populäre Web-Angebote verzeichnet, die sich verknüpfen lassen, wie Facebook, LinkedIn, Ebay, Flickr und Evernote. Die „Channels“, also Kanäle, genannten Dienste wählt der Nutzer aus und sieht dort, welche automatisierten Abläufe, genannt „Recipes“, es bereits gibt. Mit einem Klick wählt er einen aus, mit einigen mehr pickt er sich aus den digitalen Rosinen im Netz ein persönliches Recipe zusammen. Heute verzeichnet die Plattform 125 solcher Kanäle und etwa 14 Millionen genutzte Abläufe.

Einige Millionen Nutzer dürfte IFTTT schon haben – mich inklusive. Der Dienst ist überaus nützlich: Da mein Auto keinen Bordcomputer hat, nutze ich einen Auswertungs-Chip vom Start-up Automatic Labs aus San Francisco. Das Gerät steckt am Diagnoseanschluss meines Wagens und funkt nach der Fahrt die Daten zu Fahrtstrecke, -zeit und Benzinverbrauch via Bluetooth an eine App in meinem Handy.

Das ist im Grunde ideal, wenn man geschäftliche Fahrten protokollieren will. Nur hatte die App lange eine entscheidende Schwäche: Die Daten automatisch in ein Dokument oder eine Tabellenkalkulation zu laden stellte die Programmierer von Automatic Labs vor Probleme. Als sich immer mehr Nutzer darüber beschwerten, integrierten sie ihren Dienst bei IFTTT und ermöglichen es auf diesem Weg, Fahrten automatisch online zu speichern.

Auto als Lichtschalter

Was als Übergang gedacht war, funktioniert so gut, dass Automatic Labs gemeinsam mit IFTTT an weiteren automatischen Routinen arbeitet. So könnte beispielsweise im Haus das Licht angehen, sobald man mit dem Auto in die Einfahrt steuert. Das klappt, weil auch Hersteller von Heimautomatisierungstechnik wie Belkin oder Philips Kanäle auf der Plattform anbieten.

Solche Funktionen mögen nicht für alle hilfreich sein, manchen sogar nerven. Der Vorteil ist aber, dass sich jeder seinen Lieblingsdienst via Internet zusammenstellen kann, statt sich mit überfrachteten Programmen mit Dutzenden Bedienoptionen herumschlagen zu müssen.

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Mehr noch, als unabhängige Plattform kann IFTTT sogar Dienste verschiedenster Anbieter miteinander verknüpfen – auch über Betriebssystemgrenzen hinweg. Und das gilt nicht nur für reine Web-Dienste, sondern auch für jede Menge realer, mit dem Internet vernetzter Geräte.

All das macht die Plattform hoch attraktiv – und die Wagnisfinanzierer wetten auf den langfristigen Erfolg. Linden und Alexander Tibbets haben gerade 30 Millionen Dollar von prominenten Silicon-Valley-Investoren wie Andreessen Horowitz sowie Norwest Venture Partners eingesammelt – nach 8,5 Millionen aus früheren Runden. So viel Kapital soll nun ein möglichst profitables Geschäft nach sich ziehen – diesen Automatismus aber müssen die Gründer erst noch programmieren.

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