Valley Talk: San Francisco leidet unter sich selbst

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kolumneValley Talk: San Francisco leidet unter sich selbst

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Wegen der hohen Kapitalflüsse zu Internet-Startups wie Uber steigen die Mieten im Silicon Valley und zwingen gleichzeitig viele nebenbei für den Taxivermittler zu arbeiten

Kolumne von Matthias Hohensee

Start-ups aus San Francisco werden mit Kapital überschüttet. Das stellt die Stadt vor einige Probleme.

Die Summe ist beeindruckend: Im zweiten Quartal flossen nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens CB Insights rund 7,5 Milliarden Dollar an Risikokapital ins Silicon Valley. Zum Vergleich: Laut Bundesverband Deutscher Kapitalgesellschaften wurden in Deutschland im vergangenen Jahr umgerechnet nur rund 900 Millionen Dollar Wagniskapital investiert. Wohlgemerkt nicht pro Quartal, sondern in einem gesamten Jahr.

Das entspricht etwa der Summe, die Investoren im zweiten Quartal in nur zehn Tagen im Silicon Valley in Unternehmen steckten. Mehr als die Hälfte der 7,5 Milliarden Dollar floss nach San Francisco, dem Tor zum Silicon Valley. 4,5 Milliarden Dollar Wagniskapital landeten im zweiten Quartal bei 155 in San Francisco ansässigen Unternehmen. Umgerechnet auf die Bevölkerung wären das etwa 5600 Dollar pro Einwohner. Neben den dort lebenden, gut bezahlten Mitarbeitern von Google, Facebook und Twitter sind diese Summen ein weiterer Grund, warum Zwei-Zimmer-Wohnungen in etwas besseren Gegenden für 4000 Dollar pro Monat aufwärts vermietet werden.

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Allein rund zwei Milliarden der 4,5 Milliarden Dollar für San Francisco entfielen auf drei prominente, lokale Start-ups: Der Taxivermittler Uber sicherte sich 1,2 Milliarden Dollar, die Bettenbörse AirBnB 500 Millionen Dollar und der Uber-Wettbewerber Lyft 250 Millionen Dollar. Allen drei ist gemein, dass sie kommunale Einnahmen in Form von Steuern auf Übernachtungen oder dem Verkauf von Taxi-Lizenzen untergraben.

Kein Ende absehbar

Das zehrt – auch in San Francisco – heftig an der kommunalen Finanzkraft. Und dort schmerzt es doppelt, weil die Stadt in den vergangenen Jahren viele Start-ups mit Steuererleichterungen angelockt hat.

AirBnB zumindest hat sich nun bereit erklärt, ab diesem Sommer die Hotel-Steuer auch bei den Privatvermietungen einzutreiben. Wenigstens vermittelt das Triumvirat der sogenannten Sharing Economy ihren Geschäftspartnern eine Menge Arbeit. Es ist schon paradox: Um sich die hohen Mieten im neuen Eldorado San Francisco leisten zu können, müssen sich immer mehr Einwohner im Zweitjob als Gästebetten-Vermieter oder Chauffeur betätigen. Was wieder Angebot und Attraktivität von Uber und Co. sowie deren Bewertung erhöht.

Ein Ende des Wagniskapitalstroms ist nicht absehbar. USA-weit flossen im zweiten Quartal rund 14 Milliarden Dollar an Investments, die höchste Summe seit dem Platzen der Dotcom-Blase vor mehr als einem Jahrzehnt.

Suche nach Anlageoptionen

Das liegt vor allem an der Masse an Kapital, das nach Anlageformen sucht. Im Markt tummeln sich nicht mehr nur klassische Wagnisfinanzierer, sondern nun auch Hedgefonds und Vermögensverwalter. Bei der 1,2-Milliarden-Dollar-Uber-Runde waren nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Google Ventures und Kleiner Perkins von der Partie, sondern auch Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt.

Zwar sind die 14 Milliarden Dollar noch weit entfernt von den 30 Milliarden Dollar, die im Dotcom-Boom-Jahr 2000 pro Quartal in Risikokapital gesteckt wurden. Aber der Unterschied relativiert sich, weil die Kosten für den Start eines Jungunternehmens wegen der günstigen Internet-Infrastruktur nur noch einen Bruchteil der damaligen Summen betragen.

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Mit wenig Geld lassen sich umso mehr Unternehmen starten. Ihre Investoren wollen irgendwann Kasse machen. Doch die Zahl der Börsengänge wagnisfinanzierter US-Unternehmen fiel laut CB-Insight von 35 im ersten Quartal auf 24 im zweiten. Die Mehrzahl waren Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, keine klassischen Internet-Start-ups also.

Im Silicon Valley braut sich wieder etwas zusammen. Wie explosiv, werden die kommenden Quartale zeigen.

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