Valley Talk: Twitter spielt in anderer Liga als Facebook

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kolumneValley Talk: Twitter spielt in anderer Liga als Facebook

Kolumne von Matthias Hohensee

Mit Twitter geht die letzte prominente Marke des Web 2.0 an die Börse. Unter ganz anderen Vorzeichen als etwa Facebook.

Dieser Punkt geht an die Börse New York: Der Kurznachrichtendienst Twitter gab bei seiner Entscheidung der Nyse den Vorzug vor der bei Technologiefirmen beliebten Nasdaq, wo bereits die Aktie von Facebook gelistet ist. Hintergrund ist wohl auch der misslungene Facebook-Börsengang, der der Nasdaq eine Rekordstrafe von zehn Millionen Dollar einbrachte. Von Facebooks Börsengang im Mai 2012 erwarteten sich Gründer und Investoren im Silicon Valley wichtige Wachstumsimpulse. Stattdessen bewirkte der verpatzte Börsengang das Gegenteil: Die Bewertungen für Jungunternehmen sanken, bei vielen stand die Weiterfinanzierung auf der Kippe, es floss weniger Geld ins High-Tech-Tal.

Inzwischen hat sich zumindest Facebook wieder berappelt – vor allem durch den geglückten Übergang auf Mobilgeräte. Die Aktie stieg zwischenzeitlich 35 Prozent über den Ausgabekurs. Und nun strebt, nach Facebook und LinkedIn, mit Twitter die letzte der drei großen Ikonen des Web 2.0 den Börsengang an. Rund eine Milliarde Dollar soll er einbringen und das sechs Jahre alte Startup mit rund zehn Milliarden Dollar bewerten.

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Was der Börsenprospekt über Twitter enthüllt

  • Durchweg rote Zahlen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres lief ein Verlust von 69,2 Millionen Dollar auf. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 79,4 Millionen und 2011 sogar 164 Millionen Dollar. Zur Jahresmitte hatte das Unternehmen noch gut 160 Millionen Dollar auf der hohen Kante.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Twitter nahm in dem Jahr nur gut sieben Millionen Dollar mit Anzeigen ein. Im ersten Halbjahr 2013 erreichten die Werbeerlöse bereits 221 Millionen Dollar.

  • Mehr als 200 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Rund 65 Prozent der Werbeerlöse werden auf iPhones und iPads von Apple oder Smartphones und Tablets mit dem Google-System Android erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter rund 215 Millionen Nutzer pro Monat, rund 100 Millionen Menschen greifen auf den Dienst täglich zu.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

  • Aktien als Managerlohn

    Twitter-Chef Dick Costolo wird jetzt vor allem mit Aktien bezahlt. Seit August bekommt er nur noch ein Jahresgehalt von 14.000 Dollar statt bisher 200.000 Dollar. Dafür wurden ihm allein 2012 Aktien und Optionen im geschätzten Wert von über elf Millionen Dollar zugeteilt. Mit dem Börsengang könnten die Anteile noch deutlich wertvoller werden.

Klar ist schon jetzt, dass der Kurznachrichtendienst Twitter in einer anderen Liga spielt als Google, Yahoo, Facebook oder LinkedIn. Denn Letztere waren profitabel, als sie an die Börse kamen. Facebook erwirtschaftete beim Börsengang sogar 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.

Twitter sieht dagegen bescheiden aus. Zwar ist es eine große Leistung, in nur sechs Jahren ein Unternehmen aufzubauen, das in diesem Jahr 500 bis 600 Millionen Dollar umsetzen wird. Doch hat Twitter, das von seinen Investoren mit rund 1,1 Milliarden Dollar ausgestattet wurde, immerhin schon 400 Millionen Dollar verbrannt. Vergangenes Jahr fielen 79 Millionen Dollar Verlust an. Und allein im ersten Halbjahr 2013 kamen weitere 65 Millionen Dollar dazu. Nicht mehr lange, und die Frage nach dem Profit wird sich immer drängender stellen. Nach wie vor ist „Forschung und Entwicklung“ der mit Abstand größte Ausgabenposten, im dritten Quartal verbuchte Twitter dafür über 29 Millionen Dollar.

In dem aktualisierten Börsenprospekt machte Twitter auch ausführlichere Angaben über die Aktienpakete der großen Anteilseigner. Demnach kontrolliert der Kapitalgeber Rizvi Traverse mit 17,9 Prozent den mit Abstand größte Anteil. Es folgen Mitgründer Evan Williams mit 12 Prozent und die Bank JP Morgan mit 10,3 Prozent. Danach kommen die Risikoinvestoren Spark Capital (6,8 Prozent), Benchmark (6,6 Prozent) und Union Square Ventures (5,9 Prozent).

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