Veraltete IT: Die Geißel deutscher Unternehmen

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Veraltete IT: Die Geißel deutscher Unternehmen

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IT-Analyst Oppermann: US-Unternehmen mustern ihre alten Computersysteme viel eher aus als deutsche Konzerne.

von Michael Kroker, Mark Fehr, Jacqueline Goebel, Matthias Kamp, Rüdiger Kiani-Kreß und Florian Zerfaß

Deutsche Unternehmen zögern Investitionen in neue IT überdurchschnittlich hinaus und riskieren, den Anschluss zu verlieren. Alte Computer, schlecht vernetzte Systeme und zusammengestrickte Software werden zum Problem.

Oliver Bäte will, was derzeit alle Manager wollen: im Internet vorankommen. Gleich nach seinem Amtsantritt im Mai hat der neue Chef der Allianz die Digitalisierung der Versicherung zum Kern seiner Strategie erklärt. Kunden sollen Policen künftig im Internet abschließen und ihre Verträge online verwalten können.

Doch wie schnell Bäte das erreicht, ist offen. Als die Allianz im vergangenen Herbst mit großem Tamtam in München ihre neuen Online-Angebote vorstellen wollte, tat sich ein Problem auf: Die Bildschirme und Leinwände im gut gefüllten Foyer blieben dunkel. Grund waren, wie der Konzern einräumen musste, „Probleme beim Hochfahren aufgrund alter Programme“.

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Wolfgang Maaß "Vorstände haben wenig Ahnung von IT"

In den Vorständen deutscher Konzerne herrscht Ahnungslosigkeit in Sachen IT, kritisiert der Informatiker und Wissenschaftler Wolfgang Maaß von der Universität des Saarlands.

Informatiker und Wissenschaftler Wolfgang Maaß Quelle: Privat

Für einen langjährigen Allianz-Manager kam der peinliche Aussetzer wenig überraschend. Die IT des Konzerns sei „zum Teil veraltet“, sagt er. Das mache es schwierig, den von Bäte gepriesenen Online-Vertrieb „in die Systeme hineinzubekommen“. Besonders die Vertreter bekommen die Rückständigkeit zu spüren. Ständig liefen in ihren Agenturen Fehlermeldungen auf, berichtet ein Betroffener. Wer die behoben haben wolle, müsse eine Hotline in Polen anrufen und pro Anfrage fünf Euro bezahlen. Dabei hat die Allianz in Deutschland in den vergangenen drei Jahren schon 80 Millionen Euro in Digitalisierung investiert. Und weitere 100 Millionen sollen folgen, zum Gutteil, um die vorhandenen IT-Systeme aufzurüsten.

“Datenklau 2015” - Die Ergebnisse im Überblick

  • Über die Studie

    Für die Studie “Datenklau 2015” hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young Geschäftsführer sowie Führungskräfte aus IT-Sicherheit und Datenschutz von 450 deutschen Unternehmen befragt. Die Befragung wurde im Mai / Juni 2015 vom Marktforschungsinstitut Valid Research durchgeführt.

    Quelle: Ernst & Young - Datenklau 2015

  • Wer angegriffen wurde

    Jedes fünfte Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz hat in den vergangenen drei Jahren einen Angriff auf die eigenen Daten bemerkt, zeigt die EY-Studie. 18 Prozent der Betroffenen registrierten sogar mehrere Attacken. Mittlere (ab 50 Millionen Euro Umsatz) und kleinen Unternehmen (bis zu 50 Millionen Euro Umsatz)  erlebten seltener Angriffe: 16 beziehungsweise zehn Prozent haben Hinweise auf Spionage oder Datenklau entdeckt.

  • Welche Branche im Visier der Hacker ist

    Nicht nur die Größe entscheidet, wer ins Visier der Hacker gerät. Unternehmen der Energie- (17 Prozent ) und der Finanzbranche (16 Prozent) werden am häufigsten Opfer von Spionage und Datenklau. In der Industrie wurden 15 Prozent der Unternehmen bereits zum Opfer.

  • Wer die Hacker sind

    In den meisten Fällen (48 Prozent) ließ sich der Täter nicht zuordnen. In 18 Prozent der Fälle konnten laut EY Hackergruppen als Täter identifiziert werden. In 15 Prozent war es ein konkurrierendes ausländisches Unternehmen.

  • Vor welchen Hackern deutsche Manager Angst haben

    Die größte Gefahr geht aus Sicht der Manager von China aus: “46 Prozent nennen das Land als Region mit dem höchsten Risikopotenzial, dahinter folgen Russland (33 Prozent) und die USA (31 Prozent)”, wertet Ernst & Young aus.

  • Die Motive für den Angriff

    Hinter den Angriffen vermuten die Manager in erster Linie den Versuch an Wettbewerbsvorteile oder finanzielle Vorteile (je 29 Prozent) zu gelangen. Reputationsschädigung (8 Prozent), Racheaktion (6 Prozent) und die Störung des Geschäftsbetriebs (3 Prozent) werden deutlich seltener hinter den Attacken vermutet.

  • Wo die Angreifer Schaden anrichten

    In drei von vier Fällen (74 Prozent) handelte es sich bei den Attacken um Hackerangriffe auf die EDV-Systeme, in 21 Prozent wurden IT-Systeme vorsätzlich lahmgelegt. Deutlich seltener wurden Kunden- oder Arbeitnehmerdaten abgegriffen (elf Prozent), Mitarbeiter abgeworben oder Datenklau durch eigene Mitarbeiter begangen (jeweils zehn Prozent).

Mit seinen Problemen steht der Konzern nicht allein. Auch andere deutsche Konzerne geben sich modern, doch hinter der Fassade sieht es anders aus. Da behindern alte Computer, schlecht vernetzte Systeme und zusammengestrickte Software nicht selten die Modernisierung des Geschäfts. In Banken und Fluggesellschaften, Versicherungen und Industriekonzernen verrichten vielfach Rechner und Programme ihren Dienst, die längst ins Museum gehörten. Statt die Systeme auszumustern und massiv in den digitalen Aufbruch zu investieren, verwalten viele Unternehmen den Mangel. Solange die veraltete IT irgendwie läuft, halten die Verantwortlichen an ihr fest und programmieren lieber mehr als schlecht um.

Mehr Ausgaben für Hard- und Software

Die Gefahr, nicht nur bei der Allianz: Mittelfristig drohen die Unternehmen bei Trends wie Cloud Computing (Bereitstellung von Software übers Internet), Big Data (blitzschnelle Analyse sehr großer Datenmengen) und Industrie 4.0 (Verschmelzung traditioneller Industrie mit der Digitalwelt) hinter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Im Digital Density Index, mit dem die IT-Beratung Accenture die Digitalisierung der Unternehmen anhand von 50 Kriterien misst, liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Von 17 Ländern belegen deutsche Firmen hier nur den neunten Platz, hinter den Niederlanden, den USA und Schweden.

Zwar will die Mehrzahl der deutschen IT-Verantwortlichen künftig mehr Geld für Hard- und Software ausgeben, ermittelte gerade die Beratung Lünendonk im bayrischen Kaufbeuren. Doch die geplanten Ausgaben nehmen sich im internationalen Vergleich eher gering aus. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY wollen deutsche Unternehmen nur 0,8 Prozent ihres Umsatzes in die Digitalisierung investieren – in der Schweiz, Schweden und Südkorea ist es fast doppelt so viel. Die US-Marktforschungsfirma IDC erwartet, dass deutsche Unternehmen ihre Investitionen in IT zwischen 2013 und 2018 jährlich um 3,1 Prozent steigern, gegenüber 3,8 Prozent im weltweiten Durchschnitt.

Gefahren des Outsourcings Vorsicht beim Auslagern der firmeneigenen IT!

Die firmeneigene IT auszugliedern kann für Unternehmer hohe Risiken bergen. Um Streitigkeiten und weitere kosten zu vermeiden ist eine detaillierte Gestaltung des Vertrags ein Muss.

Unternehmen müssen die Risiken einer Auslagerung ihrer IT kennen. Quelle: REUTERS

Die Gründe für die Zögerlichkeit sind durchaus nachvollziehbar. Viele Unternehmen scheuen die teilweise immensen Risiken, die mit einer Totalumstellung verbunden sind. So entschied der für das Fracht- und Speditionsgeschäft der Deutschen Post zuständige Vorstand Roger Crook, seiner 15 Milliarden Euro Umsatz schweren Sparte aus zugekauften Firmen eine komplett neue Software von SAP zu gönnen.

Das Projekt sollte durch Vereinheitlichung und Automatisierung von Abläufen die Kosten senken, die dafür geplanten 750 Millionen Euro schienen gut angelegt. Doch die Daten ließen sich nicht so einfach wie erwartet übertragen. Die unerwarteten Mehrkosten drückten trotz leichten Umsatzwachstums den Gewinn vor Steuern um fast 40 Prozent auf 293 Millionen Euro. Die Veränderung sei „herausfordernder als erwartet“, musste die Post einräumen – und Vorstand Crook seinen Posten räumen.

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6 Kommentare zu Veraltete IT: Die Geißel deutscher Unternehmen

  • Willkommen in der Steinzeit ...

    Das ist nicht nur ein Unternehmensproblem sondern gilt auch für das Herz der BRD-GmbH : Und zwar für die gesamte Finanzverwaltung bis zum BFM u. BFH!
    Am härtesten trifft es die Indianer, da die untere Finanzverwaltung Ländersache ist.

    Und so entscheidet jeder Landesfinanzminister wann ,wo u. wieviel PC´s ,Bleistifte, Paierkörbe u. Betriebsprüfer bzw. Steuerfahnder engetsellt werden dürfen oder nicht. Einzige Ausnahme ist der Ankauf von Steuer-CD´s bzgl. juristischer Ausnahmeregelungen beim Ankauf ,Verwaltungsrechtliche Sonderregelungen bzgl. Verwendung u. unbegrenzte Mittel in der Beschaffung. vorausgesetzt das dies immer mit dem obersten Gralshüter des BFM u. BFH Hr. Scheuble politisch abgesprochen ist...

  • P.S. Wir hatten noch etwas vergessen:

    Das neue BND-Gebäude wird natürlich mit der neuesten Haus,Betriebs,Überwachungs,-u. Übertragungstechnik ausgestattet. Aber Schäubles neue Superzollbehörde ist denen dann um Lichtjahre voraus ....

  • Das Sonderangebot der Woche :
    Das geht aber nur mit Bloggertechnik !

    US-Botschaft sucht Netz-Trolle

    Unsere transatlantische Besatzungsmacht und „guter Freund“ bietet gerade toll vergütete Arbeitsplätze für Internet-Trolle an.

    Eingestellt wird im Konsulat in Leipzig und der US-Botschaft in Berlin.

    Stellenausschreibung US-Botschaft – germany.usembassy.gov

    Also, wer Lust und Laune hat – immer ran an die Tastatur. Übrigens liegt das Dokument zur Stellenausschreibung – Trommelwirbel – auf Google Drive. Da weiß man dann, dank Kooperationsvertrag zwischen NSA und Google gleich, wer, was, wo und wann im Netz vorher besucht und angeklickt hat. Eine feine Sache ist das.

    Quellen:
    Contract Opportunities
    Ausschreibung zur Unterstützung im Social Media Bereich / Request for Quotation for Social Media Support Services U.S. Embassy Berlin (last app date 31. August, 2015)

    Wollt ihr den digitalen Krieg ………….?
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